Gespräch mit Albrecht Schuch ZDF-Krimi über RAF und Stasi: „Verräter - Tod am Meer“

Von Frank Jürgens


Osnabrück Im ZDF-Krimi „Verräter – Tod am Meer“ (Montag, 21. August, 20.15 Uhr) glänzt Albrecht Schuch als DDR-Polizist, der einer Verstrickung zwischen Stasi und RAF auf die Spur kommt.

Im Jahre 1988 bekommt es der junge DDR-Grenzpolizist Martin Franzen (Albrecht Schuch) an der Ostsee mit einem seltsamen Fall von „Republikflucht“ zu tun. Ganz offensichtlich soll hier etwas auf Befehl von ganz oben vertuscht werden. Aber Martin, dessen Mutter einst selber ohne Rücksicht auf ihr Kind der DDR den Rücken gekehrt hat, lässt nicht locker.

Ein ominöser Brief führt ihn nach Ostberlin zu einer gewissen Nina ( Hannah Herzsprung). Schon bald stellt er fest, dass bei ihr und in ihrem Umfeld nichts so ist, wie es erscheint. Und während daheim an der Ostsee plötzlich Menschen aus Martins Umfeld verschwinden und sterben, avanciert der Grenzpolizist zum Staatsfeind, weil er Verstrickungen zwischen Stasi und RAF-Aussteigern  auf die Spur kommt.

Eine Rolle, wie geschaffen für den vielseitigen Charakterdarsteller Schuch, der als Kind der DDR allerdings selber viel zu jung war, um den Mauerfall bewusst zu erleben. Wie bereitet man sich da auf so eine Rolle vor? „Ich habe mich viel mit Psychologen unterhalten“, gibt er überraschend im Gespräch mit unserer Redaktion preis. Mit Psychologen? Wieso denn ausgerechnet mit Psychologen? Die Antwort liegt tief in der Vergangenheit der DDR-Geschichte verborgen. In den Biografien zahlreicher DDR-Bürger, die bis heute mit den Folgen des Regimes zu kämpfen haben.

„Unsicherheit, Vertrauensmissbrauch, Misstrauen“

„Ein Knackpunkt vieler Patienten von Psychologen liegt oft in der DDR“, erläutert Schuch. „Das steht oft in Verbindung mit der Stasi und mit dem Gefühl, das der Staatsapparat hergestellt hat. Das Gefühl der Unsicherheit, Vertrauensmissbrauch, Misstrauen. Dieser Vertrauensbruch, mitunter in der Familie, im eigenen Freundeskreis. Ich habe gemerkt, dass das für viele ein schwerwiegendes Thema ist. Auch die Korruption, das ganze Mindsetting, das veranstaltet wurde. Ich wollte mich vor allen Dingen auf das Seelenleben dieses Charakters einlassen, und gar nicht so sehr über Körperlichkeit. Normalerweise bin ich in der Vorbereitung immer sehr körperlich. Das war diesmal andersrum.“

Es ist vor allem dieser Vorbereitung zu verdanken, dass Schuch seine ambivalent angelegte Rolle des DDR-Grenzsoldaten mit einer selbstverständlichen Glaubwürdigkeit verkörpert, die den Fokus von der Agentengeschichte auf die Hauptfigur verlagert. Dass Schuch ein Meister seines Fachs ist, hat er spätestens mit der Darstellung des späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos im ersten Teil des TV-Dreiteilers „ Mitten in Deutschland: NSU “ unter Beweis gestellt. In „Verräter“ gerät er nun an eine RAF-Aussteigerin in einer unglaublichen Geschichte, deren grober historischer Hintergrund zwar belegt ist, die aber auch angesichts vieler unbeantworteter Fragen jede Menge Spielraum für Spekulationen und Fantasien eröffnet.

Komplexe Vorlage

Christa Bernuth, die mit ihrem Roman „Innere Sicherheit“ die Vorlage zu „Verräter – Tod am Meer“ geschrieben hat, hätte nach eigenen Worten „angesichts der sehr komplexen Story einen Mehrteiler vorgezogen“. Da hätten dann auch mögliche Verstrickungen beider Ost-West-Geheimdienste mit den RAF-Tätern genauer ausgelotet und spekulativ ausgeschlachtet werden können. So liegt nun aber der Fokus auf dem von Schuch charakterisierten Grenzpolizisten, dessen eigenmächtige Ermittlungen ihn auch auf eine spannende Reise zu sich selbst führen.

Für den Schauspieler Schuch läuft es derzeit beruflich blendend. Gerade hat er unter der Regie von Rainer Kaufman den Film „Das schlafende Mädchen“ abgedreht. Ein anderer Film über das Geiseldrama von Gladbeck befindet sich zur Zeit in der Postproduktion. „Im Moment bin ich in der glücklichen Situation, mir meine Rollen mehr oder weniger aussuchen zu dürfen“, freut sich der Bruder von Karoline Schuch.

Apropos – „das große, ominöse Projekt, endlich, mit meiner Schwester – gibt es noch nicht“, beantwortet er lachend die Nervfrage aller Nervfragen. Aber immerhin: „Gesprochen wurde schon drüber. Und Witze drüber gemacht...“.

„Verräter – Tod am Meer“: ZDF, Montag, 21. August, 20.15 Uhr.