Von der Schulbank nach Hollywood Serie „Skins“ Karrieresprungbrett für Schauspieler

Von Harald Keller

Jugendtypische Nöte sind Thema der Serie „Skins“. Dev Patel spielt darin den Teenager Anwar. Foto: NickelodeonJugendtypische Nöte sind Thema der Serie „Skins“. Dev Patel spielt darin den Teenager Anwar. Foto: Nickelodeon

Osnabrück. In Deutschland kaum zur Kenntnis genommen, machte die britische Serie „Skins“ dank der Einbindung junger Autoren international Furore. Viele der mitwirkenden Schauspieler wurden zu Stars.

Eigentlich hätte er für eine Klassenarbeit lernen sollen. Doch im Wissen um sein schauspielerisches Talent lotste die Mutter den 16-Jährigen zum Vorsprechen für eine neue TV-Serie. Dev Patel erhielt die Rolle. Zwei Jahre später saß er in Los Angeles im Kodak Theatre. Der Film „Slumdog Millionaire“, für ihn die zweite Hauptrolle seiner Karriere, war für zehn Oscars nominiert worden.

Patel war nicht der einzige, der bar jeder Erfahrung für die britische Serie „Skins“ gebucht worden war. Die meisten Hauptdarsteller waren ungefähr so alt wie die Oberstufenschüler, die sie verkörpern sollten. Auch hinter den Kulissen traf man auf junge Gesichter. Bryan Elsley hatte die Idee zu „Skins“ mit seinem damals 21-jährigen Sohn Jamie Brittain ausgebrütet. Für die Entwicklung der Drehbücher zogen sie jugendliche Autoren und Berater heran. Viele drückten selbst noch die Schulbank.

Ein gewisser Lümmelhumor ist der 2007 ausgestrahlten Auftaktfolge nicht abzusprechen. Auf einen flüchtigen Blick hin könnte man „Skins“ sogar für eine Standard-Teenie-Komödie aus Hollywoods Massenproduktion halten. In Folge eins wird eine Entjungferung geplant, eine Party gesprengt. Eine Packung Haschisch nimmt den falschen Weg, der schüchterne Sid (Mike Bailey) gerät in ein Reihenhausbordell, ein Auto plumpst in einen Kanal.

Die Aufzählung täuscht. Irritierend schon allein, wie ernsthaft die Schauspieler agieren. Die zur Schau gestellte Freizügigkeit ist tatsächlich nur Oberfläche, Tarnung für verletzliche Seelen, die sich nach Zuwendung, Orientierung, angemessenen Lebensinhalten sehnen. Cassie (Hannah Murray) hat eine chronische Ess-Störung entwickelt, Chris (Joe Dempsie) wird von seiner Mutter verlassen, Anwar (Dev Patel) nimmt seinen muslimischen Glauben eher leicht, hat aber Probleme, die offen ausgelebte Homosexualität seines Freundes Maxxie (Mitch Hewer) zu akzeptieren.

In den insgesamt sieben Staffeln von „Skins“ wurden vielerlei jugendtypische Nöte und Lebenskrisen angesprochen. Dies nicht in der Form eines schwerblütigen, auf 45 Minuten Serienfolge oder 90 Minuten Fernsehfilm eingedampften Dramas. Vielmehr mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, die der Tiefgründigkeit nie entgegenstand.

Die Probleme endeten nicht mit dem Einsetzen des Nachspanns, sondern bestimmten das Leben der Protagonisten, ihrer Freunde und Angehörigen über längere Zeiträume hinweg. Eine kennzeichnende Besonderheit für „Skins“ war, dass die Serie die Wege einiger Hauptfiguren eine Zeit lang begleitete, ehe sie, meist nach zwei Staffeln, andere Charaktere in den Blick nahm. Eine Ausnahme ist Effy. Nach einem kurzen Auftritt in der Auftaktfolge wurde die Rolle stetig ausgebaut. Die quasi von der Schulbank engagierte 14-jährige Nachwuchsschauspielerin Kaya Scodelario hatte als Effy bleibenden Eindruck hinterlassen. Das sphinxhafte Mädchen spricht wenig, wird aber dennoch allseits umworben und begehrt. Scheinbar herrscht Effy souverän über ihr Leben, klug, frühreif, selbstbewusst. Erst nach und nach zeigt sich ihre tief sitzende Verstörung, die gar die Einweisung in die Psychiatrie erforderlich macht – die Autoren gehen nicht zimperlich mit ihren Figuren um. Ein weiteres Merkmal dieser vielfach preisgekrönten Serie.

Kaya Scodelario machte ebenfalls Hollywood-Karriere und war zuletzt in „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ zu sehen. Hannah Murray und Joe Dempsie spielten in „Game of Thrones“, Nicholas Hoult in „X-Men“. Auch für andere Mitwirkende erwies sich „Skins“ als Karrieresprungbrett. Die Besetzungsabteilung der Serie hatte bemerkenswert gute Arbeit geleistet.


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