ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du“ „Die Konfirmation“: Wenn der Sohn heimlich Christ wird

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Osnabrück. Im Film „Die Konfirmation“ entscheidet sich der 15-jährige Ben, Christ zu werden – sehr zum Missfallen seiner Mutter. Hauptdarstellerin Ulrike C. Tscharre spricht über ihre Rolle und den Stellenwert von Religion.

Eigentlich ein ganz normaler Sonntagmorgen. Die Eltern wollen frühstücken, aber der 15-jährige Sohn Ben (Tim Litwinschuh) ist nicht da. Wo der sich wohl wieder rumtreibt? Mutter Johanna ( Ulrike C. Tscharre) und Stiefvater Felix (Ben Braun) geben sich erst einmal gelassen. Schließlich hat man doch selber früher in dem Alter ab und an über die Stränge geschlagen. Aber als die Wahrheit ans Tageslicht kommt, fällt Johanna aus allen Wolken. Ben war heimlich in der Kirche und hat sich taufen lassen, um an der Konfirmation teilnehmen zu können.

Entrüstet rennt die Mutter zur Pfarrerin ( Christina Große). Hat sie denn nicht alles richtig gemacht, ihn frei von religiösen Zwängen erzogen? Außerdem ist er noch minderjährig. Hilflos muss sich Johanna erst einmal darüber aufklären lassen, dass Jugendliche ab 14 Jahren religionsmündig sind.

Der Film „Die Konfirmation“ läuft im Rahmen der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du“ und nimmt über die unterschiedlichen Charaktere differenzierte Positionen ein. Vor allem bei der etwas flippigen Mutter löst die Entscheidung des Sohnes auf Umwegen einen späten Reifeprozess aus. Kann Tscharre einerseits die Beweggründe des Jugendlichen nachvollziehen, andererseits aber auch die der Eltern? „Das kann ich verstehen“, sagt Tscharre im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ben wird ja von seiner Mutter Johanna, die ich spiele, sehr liberal aufgezogen, frei von Konventionen und mit allen Freiheiten. Für Johanna ist das alles erst mal uncool. Hätte er zum Beispiel gesagt, dass er Buddhist geworden sei, hätte seine Mutter sicherlich anders reagiert. Aber dass er sich zu so etwas Traditionellem hinwendet wie der evangelischen Kirche, sich taufen und konfirmieren lassen möchte, das ist für die Mutter erst einmal ein Schock.“ Aber auch die Entscheidung Bens kann Tscharre verstehen: „Die Religion bietet einen Halt und ein Zuhause. Sie gibt einem ein moralisches Gerüst, eine Stütze, die einem zeigt, wie die Werte gewichtet werden können. Genau so eine Festigkeit, eine Geborgenheit sucht Ben.“

Aber wirkt die Themenwoche mit der Frage „Woran glaubst Du“ nicht doch irgendwie aus der Zeit gefallen? Wo liegt der Stellenwert von Glauben in unserer heutigen Gesellschaft? Darauf hat Tscharre eine einfache Antwort. „Wenn man sich die Zehn Gebote durchliest und verinnerlicht, was dort steht, bilden diese zehn Gebote immer noch die moralische Grundlage für unser menschliches Miteinander. Deshalb finde ich, dass Religion auch heute noch ein absolut relevantes Thema ist. Gerade heute, wo alles möglich scheint. Wo man scheinbar alle Freiheiten hat, und wir offensichtlich vergessen haben, dass Freiheit nicht bedeutet die Auswahl zu haben, sondern sie zu treffen.“

Der streckenweise überfrachtet wirkende Film – aus irgendwelchen Gründen musste unter anderem noch das Thema Spielsucht mit hinein – lebt in erster Linie von den Schauspielerleistungen. Die herausragende Tscharre, die bereits am 20. Juni erneut im Ersten im Film „Wir Monster“ zu sehen sehen sein wird, ist voll des Lobes für ihren jungen Kollegen Tim Litwinschuh, der sich in seiner Rolle als echtes Nachwuchstalent empfiehlt. „Das war ganz toll! Tim ist unglaublich clever, aufgeweckt und hat das mit einer Selbstverständlichkeit weggespielt, die uns umgehauen hat.“


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