Michael Hulls Kandidaten-Check Let‘s Dance 2017: Hat der Richtige gewonnen?

Michael Hull hat die ersten Staffeln von „Let’s Dance“ als Juror begleitet und wird auch 2017 die Kandidaten exklusiv für noz.de bewerten. Foto: RTL, Stefan GregorowiusMichael Hull hat die ersten Staffeln von „Let’s Dance“ als Juror begleitet und wird auch 2017 die Kandidaten exklusiv für noz.de bewerten. Foto: RTL, Stefan Gregorowius

Berlin. Let‘s Dance 2017: Gil Ofarim gewinnt die zehnte Staffel. Zu Recht? Der Osnabrücker Ex-Juror und Tanz-Weltmeister Michael Hull ordnet das „Let‘s Dance“-Finale im Schnell-Check ein.

„Let’s Dance 2017“: Trägt mit Gil Ofarim der richtige Tänzer den Titel des Dancing Stars? Michael Hull, Tanzweltmeister aus Osnabrück und Juror der ersten beiden Staffeln, ordnet das Finale von „Let’s Dance 2017“ aus Sicht des Profi-Tänzers ein.

Das Finale von Let‘s Dance 2017

Lange haben sie dafür gearbeitet. Jetzt haben Gil Ofarim, Vanessa Mai und Angelina Kirsch ihr Ziel erreicht. Die Finalisten selbst hätten vorher wohl kaum geglaubt, mit wie viel Leidenschaft und Schweiß dafür nötig sein würden. Ihre Profipartner haben sich auf die guten Erfahrungen der bisherigen Staffel gestützt und ihre Kandidaten bis hierher getragen. Manchmal ist es nicht leicht, an sich zu arbeiten – aber wenn es gelingt, dann fühlt es sich gut an. (Katia Convents entwirft die „Let‘s Dance“-Kostüme – kann man die eigentlich nach der Show kaufen?)

Angelina Kirsch und Massimo Sinató

Auch Massimo konnte bei „Let‘s Dance“ diesmal viel experimentieren. Angelina brauchte jedes Mal diesen gewissen seelischen Schubs, der sie dann selbst trug. Massimo hat dabei mit Angelina schöne Standardtänze vogeführt: ruhig, dramatisch und gelassen. Zu viele schwierige oder komplexere Choreos hat er dabei nicht eingesetzt, nein, dafür eher ausdrucksstarke Grundbewegungen. In Latein war ihr Vorteil am ehesten die Dynamik. Im Contemporary wuchs Angelina über sich selbst hinaus: Sie fühlte sich in sich selbst verloren, war es aber ganz und gar nicht; klar und deutlich tanzte sie ihre Geschichte vor. Heute wollen alle nochmals mit dem Cha Cha punkten, da wird der direkte Vergleich keinen Zweifel an der Qualität lassen. An Massimo und Angelina gefällt mir dabei schon das Kostüm: ein bisschen militärisch und sehr ausdrucksstark.

Der Lieblingstanz: Angelina zeigt noch einmal, was einen Contemporary ausmacht: Bei aller Freiheit können die Aktionen nicht unkoordiniert von den Köperteilen durchgeführt werden. Diese koordinativen Bewegungen, die mit Dynamik ausgeführt werden, geben denjenigen eine andere Darstellungs- und Aussagekraft einerseits im Raum, zum Partner, zum Publikum, und anderseits auch in der Aussage in der Choreographie. Es geht um das Gewicht (stark oder weich), um den Raum (direkt oder flexibel), um die Zeit (plötzlich oder allmählich) und um die Energie im Fluss (gebunden oder frei). All das führten Angelina und Massimo sie uns im Contemporary klar und deutlich vor.

Der Freestyle: Angelina und Massimo vertanzen Motive aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Und ja, Massimo hat Recht: Angelinas Art, ihre Emotionen in den Tanz einzubringen, ist schon erstaunlich. Sie zeigt ihr Innerstes, und man nimmt es ihr ab. Auch wenn Massimo bei den Twist Turns einmal gefallen ist, zeigt es doch nur mit wieviel Dynamik sie rangehen. Da können kleine Fehler passieren, wo sie bisher nie passiert sind. Trotzdem sollte das nicht so sehr ins Gewicht fallen, denn diese Geschichte war schon tänzerisch berauschend. (Die „Let’s Dance“-Paare 2017: Alles über Angelina Kirsch und Massimo Sinató)

Vanessa Mai und Christian Polanc

Christian hatte schon vorher Glück mit der Auswahl seiner Kandidatinnen. Oft machten sie es ihm leicht, ans Ziel zu kommen. Aber mit Vanessa hat er erreicht, was man überhaupt nur erreichen kann! Ehrgeiz, Leidenschaft und volle Lebensenergie – damit ging sie ihren Weg. Mit dem Profi-Sportler teilt sie den typischen Tunnelblick, der bei ihr ausgeprägter ist als bei allen anderen Kandidaten. Vanessas Standardhaltung kann sich – auch im Vergleich zu Turniertanzpaaren – sehr gut sehen lassen. Gut balanciert, aufrechter Rücken, guter Körperkontakt zum Partner, und mit alledem nicht genug. Vanessa lässt sich von Christian auch noch gut führen. In Latein zeigt sie gute Isolationsrhythmik, Geschwindigkeit und in der Ausführung die gewisse Lässigkeit, die uns immer wieder erstaunen lässt: Kaum zu glauben, wie viel Spaß sie trotz all des Drucks hat. Vanessa hat ihre Fortschritte mit Höchstgeschwindigkeit gemacht , vergleichbar mit der Formel 1, als ob die Bremsen bei ihr ausgebaut wären. Ihre neu erarbeitete sportliche Figur steht ihr einfach gut. Christian, als Fitnesscoach von „Dancit“, ist dafür der beste Ansprechpartner. Ihr schwungvoller langsamer Walzer ist raumgreifender als die der anderen und schöner dargestellt. Selbst die Atemtechnik hat sie jetzt noch raus gefunden. Ihre elegante Haltung in den schwierigen Linksachsen kann sie gut beibehalten. Aber spürt schon ihre Nervosität – zum ersten Mal in dieser Show-Staffel.

Der Lieblingstanz: Vanessa wählt den Cha Cha Cha, der erstmal im Jahre 1963 insTanzturnierprogramm mit einfloss. Gerd und Traute Hädrich führten den Tänze 1961 von Cuba nach Europa ein und gliederten ihn im WTP. Alle Latino-Tänze leben von der Vielfalt des Taktes und besonders von den vielen übereinander liegenden rhythmische Percussions, die „Polyrhythmus“ heißen, und auch hier war und ist man berauscht von Vanessas dynamisch exakten Bewegungen. Das war eine Klasse für sich. Krasse Cha Cha Cha!

Der Freestyle: Beim Tanzen geht es nicht mehr um Führen und Folgen, sondern vielmehr um Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Man ist aufeinander angewiesen. Der Mann führt, er bietet sich ihr an, und sie spürt das. Und Vanessa ging immer ganz toll mit Christian mit. Die beiden bewegten sich in Harmonie und im wechselseitigen Rhythmus, und folgten einfach dem Gefühl der vielseitigen Arten des Tanzens. Er hat sie in der ganzen Sendung komplett unterstützt und gefördert. Auch hier beim Freestyle führen sie all die tänzerischen Bewegungsinhalte zum Besten. Besser geht es nicht!

(Die „Let’s Dance“-Paare 2017: Alles über Vanessa Mai und Christian Polanc)

Gil Ofarim und Ekaterina Leonova

Gil überzeugte bei „Let’s Dance“ mit Geschmeidigkeit, gepaart mit binnenkörperlichen Rhythmen seines Körpers, gerade in den Lateintänzen. In den Standardtänzen konnte er auch sehr gut die koordinierten dynamische und raumgreifenden Bewegungsformen darstellen. Gil war bisher nie aus dem Takt! Und im Contemporary zeigte er uns seine wahre Darstellungskunst! Das war sehr bewegend! Er überzeugte mit einem Innenleben, das nach außen große Wirkung erzeugte! Ihren Cha Cha tanzen Gil und Ekaterina wieder mit voller Dynamik und Geschmeidigkeit. Weiter so.

Der Lieblingstanz: Der Tango ist der liebste Tanz von Gil und Ekaterina. Sie tanzen einen introvertierten argentischen Tango, den Original-Tango also. Er entstand etwa um 1900, als Auswanderer per Schiff von Italien, Spanien oder aus Portugal nach Montevideo und Buenos Aires kamen. Das typische Musikinstrument dazu, das Bandoneon, ist in Deutschland gebaut worden. Die Lieder handeln vom Leidenn, ähnlich wie beim spanischen Flamenco. Es gibt den Tango Argentino in verschiedene Taktformen; Zweiviertel, Vierviertel, Dreiviertel oder Sechsachtel. Die Spannbreite ist hier sehr breit und variable. Es gibt in diesem Tango etwas Improvisiertes, Kreatives und Phantasievolles, und das ist es, was ihn so einzigartig macht. Die Umarmung und der Bewegungsablauf sowie die Schrittansätze sind anders und fließender und Gil und Ekaterina vollenden die Moulinetten, Ganchos und Ochos in einem sehr schönen Bühnen-Argentino. Da muss es doch Höchstpunkte geben! Gil versteht es in der Musik, gut Geschwindigkeit und Langsamkeit zu dosieren. Emotion pur.

Der Freestyle: Gil und Ekaterina tanzen im Kostüm der Aliens aus „Avatar“, und sie sind ein tolles, ausdruckvolles Tanzpaar. Gil liefert einen charmanten Abschied, indem er aus dem Film seinen eigenen Weg als Laie in die Welt des Tanzes ableitet. Die Vorführung ist ausdrucksstark, vereint nochmals verschiedenste Tänze und gibt Gil die Gelegenheit, ein letztes Mal zu glänzen. Da haben die beiden sich aber nochmals ins Zeug gelegt – und diese Überkopf-Hebefigur: Wow! Die Jury erklärte vorhin, dass der Freestyle von Vanessa und Christian das Beste bisher war. Naja: Gil war auch superklasse. (Die „Let’s Dance“-Paare 2017: Alles über Gil Ofarim und Ekaterina Leonova)

Hat der Richtige gewonnen?

Alle Paare teilnehmenden Paare waren gut aber diese drei waren einfach besser. Wer wird es? Wie stimmen die Zuschauer ab? Das ist eher das Spannendste! Daniel Hartwich als Moderator ist einfach frisch, witzig, klasse und unschlagbar schnell und nicht auf den Mund gefallen. Ja, Gil und Ekaterina, erwähnte ich schon. Glückwunsch. Die Zuschauer haben die Leistung überstimmt.

Faisal und Giovanni zeigen noch einmal Klasse

Die Final-Show erinnert noch mal an die Highlights der Staffel. Und es war schon sehr bewegend, was man da erleben durfte: Verletzungen, Niederlagen und das Wiederkommen aus dem Off, sogar eine Schwangerschaft hat Isabel Edvardsson verkündet. Im Finale haben die ausgeschiedenen Kandidaten noch einmal Gelegenheit, an sich zu erinnern. Faisal Kawusi nutzt sie: Mit Oana Nechiti tanzt er eine wirklich tolle Samba und sang neben der Choreo auch noch den Text mit – super! Auch Giovanni überzeugte einmal mehr. Dieser Mann hat sowas von einer tolle Ausstrahlung! Und sein tänzerisches Talent ist auch im Finale noch einmal sehr schön anzuschauen.

Ein Wort zur Jury von „Let‘s Dance“

Zum ersten Mal überhaupt in dieser Sendung hat Joachim Llambi seine Urteile inhaltlich erklärt, sodass die Zuschauer verstehen, warum und wieso er mal mehr, mal weniger Punkte gibt. Zu oft ruht er sich sonst auf seinem Image des Bad Guys aus. Bei Motsi Mabuse ist es ganz anders: Es gehört zu ihrer Lebendigkeit, dass sie vor allem Emotionen preisgibt – und das nicht unbegründet! Jorge González trifft immer die Mitte und ist immer diplomatisch. Seine Verständigung ist manchmal nicht eindeutig zu verstehen.

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„Let’s Dance“ geht 2017 ins Jubiläumsjahr. Diese Kandidaten tanzen in der zehnten Staffel von „Let’s Dance“ vor dem Jury-Pult von Joachim Llambi,Motsi Mabuse und Jorge Gonzalez:

Vanessa Mai (24),

Sängerin,

Anni Friesinger-Postma

(40), Eisschnellläuferin,

Ann-Kathrin Brömmel (27), Model,

Susi Kentikian (29),

Boxerin,

Chiara Ohoven (31),

Society-Girl,

Angelina Kirsch (28),

Curvy-Model,

Cheyenne Pahde (22), Schauspielerin,

Jörg Dräger (71),

Moderator,

Heinrich Popow (33), Paralympics-Sieger,

Maximilian Arland (35),

Moderator und Musiker,

Bastiaan Ragas (45),

Entertainer,

Gil Ofarim (34),

Musiker,

Faisal Kawusi (25),

Comedian,

Pietro Lombardi (24), DSDS-Star scheidet wegen einer Verletzung aus; ein Ersatzkandidat wird noch bekannt gegeben.

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