Abc zum „Twin Peaks“-Neustart Twin Peaks 2017: Was stimmt auf dem Ortsschild nicht? 26 Fakten

Von Daniel Benedict

Twin Peaks 2017: Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) kehrt nach 27 Jahren zurück nach Twin Peaks. Foto: ShowtimeTwin Peaks 2017: Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) kehrt nach 27 Jahren zurück nach Twin Peaks. Foto: Showtime

Berlin. Twin Peaks 2017: Agent Cooper ist zurück. 1990 löste die Mystery-Serie „Twin Peaks“ einen weltweiten Hype aus. 27 Jahre später erzählen David Lynch und Mark Frost die Geschichte weiter. Am Sonntag startet „Twin Peaks 2017“ auf dem US-Sender Showtime – und in Deutschland zeitgleich auf Sky.

Twin Peaks 2017: Am Sonntag, 21. Mai 2017, startet die dritte Staffel von „Twin Peaks“ – 27 Jahre nachdem ABC die Serie eingestellt hatte. Zur Fortsetzung fasst wir die wichtigsten „Twin Peaks“-Fakten im Abc zusammen.

A wie Special Agent Dale Cooper: Im FBI-Ermittler, der in Twin Peaks den Mord an der Schülerin Laura Palmer aufklärt, kulminieren alle Eigenarten der Serie. Mit seinem Jubel über schmackhaften Kaffee und Kirschkuchen ist er der Vorzeige-Exzentriker im spleenigen Figurenarsenal. Die Visionen, auf die er sich in seinen Ermittlungen stützt, sind Kern der Mystery-Ebene von „Twin Peaks“. Auch dass die Serie nach einem guten Vierteljahrhundert eine dritte Staffel bekommt, verdankt sich Coopers zweitem Gesicht. In einem begegnet er dem Mordopfer, das ihm ankündigt: „I’ll see you again in 25 years.“ Fast pünktlich wird das Wiedersehen nun Wirklichkeit. (Twin Peaks 2017: Wann und wo läuft die Serie in Deutschland?)

B wie Bob: Der Killer der Serie ist kein Mensch, sondern ein Dämon. Sein Darsteller Frank Silva war ursprünglich nur Ausstatter. Beim Dreh hat Lynch ihn spontan gecastet – noch ohne eine Rolle im Sinn zu haben. Die Idee zur Figur Bob kam ihm, als Silva in einer Szene versehentlich im Spiegel zu sehen war. 1995 starb Silva an Aids. („Twin Peaks 2017“ ohne Bob: Wer fehlt noch auf der Besetzungsliste?)

C wie COOP: Als „Twin Peaks“ in der zweiten Staffel den Mörder von Laura Palmer entlarvt, sinken die Einschaltquoten; der US-Sender ABC beschließt, die Serie nicht fortzusetzen; die Fan-Initiative Citizens Outraged at the Offing of Peaks (COOP) protestiert. Ihr Motto: „All we are saying is give Peaks a chance!“

D wie Diane: Unermüdlich spricht Cooper Nachrichten an die nie zu sehende Assistentin Diane ins Diktiergerät; seine Ermittlungen können sie ebenso betreffen wie seine angenehme Nachtruhe. Unter dem Titel „Diane... – The Twin Peaks Tapes of Agent Cooper“ werden sie parallel zur Ausstrahlung der zweiten Staffel als Kassette vertrieben. Bei Amazon kostet sie heute 606,20 Euro.

E wie Einwohnerzahl: Das Ortsschild von Twin Peaks gibt die Einwohnerzahl mit 51201 an, sehr viel angesichts des kleinstädtischen Settings. Gunther Reinhardt zitiert im Reclam-Band zur Serie den „Visitor’s Guide to Twin Peaks“, wonach die Zahl erst 5210 lauten sollte und nur wegen eines Schreibfehlers höher ausfiel. Es gebe aber auch Gerüchte, wonach der Sender sie gefälscht hat, um das Publikum nicht schon im Vorspann mit Provinz zu verschrecken. (UFOs in Twin Peaks?! Was verrät Mark Frosts neuer Roman über „Twin Peaks 2017“?)

F wie Mark Frost: Im Autorengespann Frost/Lynch ist er der TV-Profi. Serien wie „Polizeirevier Hill Street“ weisen ihn als effizienten Routinier aus, als er das Experiment „Twin Peaks“ wagt. Frost schreibt auch Romane; sein aktueller erzählt als fiktive Quellenmontage „Die geheime Geschichte von „Twin Peaks“.

G wie Geheimnis: Als wesentlicher Grund für das Scheitern der zweiten Staffel gilt die verfrühte Entlarvung von Lauras Mörder. Um Leaks vorzubeugen, wurde die Schlüsselszene mit zwei verschiedenen Tätern gedreht. David Lynch beteuert, bei Beginn des Seriendrehs selbst noch nicht gewusst zu haben, wem er die Tat am Ende zuschreiben wird.

H wie Halsbanddrossel: Der Vorspann jeder „Twin Peaks“-Episode beginnt mit dem Bild eines Singvogels. Die Ornithologen unter den Fans wollen eine Halsbanddrossel in ihm erkennen. In der Schlussszene von Lynchs Spielfilm „Blue Velvet“ (1986) hat er ebenfalls einen Auftritt.

I wie „Invitation to Love“: In seinem Genremix wirkt „Twin Peaks“ wie eine Albtraum-Soap. Frost und Lynch zitieren das Genre nicht nur, sie parodieren es auch mit der fiktiven Soap „Invitation to Love“, einer Serie in der Serie. Der Trappistenmönch Thomas Keating benutzt den Titel 1992 für ein reales Erbauungsbuch.

J wie Japan: Das japanische Publikum liebt „Twin Peaks“ so sehr, dass sogar der im Rest der Welt gefloppte Kinofilm Erfolg hat. 1993 dreht Lynch für das dortige Fernsehen vier Werbespots für Dosen-Kaffee, in dem Agent Cooper eine in Twin Peaks verschollene Japanerin sucht. (Bis „Twin Peaks 2017“ endlich startet, können Sie hier Lynchs Kaffee-Werbespots ansehen)

K wie Krümelmonster: Cooper hat es bis in die Sesamstraße geschafft. Als Special Agent Cookie geht Krümelmonster im „Monsterpiece Theatre“, einer Reihe mit Klassiker-Parodien, dem Namen des Städtchens „Twin Beaks“ nach. Beak heißt Schnabel – in Twin Beaks haben deshalb alle Vogelpuppen zwei Schnäbel. Hier kann man sich die „Twin Beaks“-Folge ansehen..

L wie David Lynch: Der zweite Vater von „Twin Peaks“ war schon etablierter Kinoregisseur, als er sich überraschend dem Fernsehen zuwandte. Das Bild der Arbeitsaufteilung zwischen ihm als visionärem Künstler und dem Handwerker Frost fördert er mit Anekdoten, wonach er auf der Psychiatercouch frei flottierende Assoziationen diktierte, während Frost fleißig tippte.


M wie Mann von einem anderen Ort: In seinen Träumen bekommt Agent Cooper Hinweise von einem Kleinwüchsigen, dem „Mann von einem anderen Ort“. Den verstörenden Effekt seiner Auftritte erzielt Lynch mit einem Trick: Der Schauspieler Michael J. Anderson spricht seinen Text rückwärts, ist aber auf eine fremdartige Weise verständlich, weil die gesamte Szene ihrerseits rückwärts abgespielt wird. In „Mulholland Drive“ (2001) hat Lynch Anderson noch einmal besetzt – hier spielt er mithilfe einer Prothese einen durchschnittlich großen Mann.

N wie Northwest Passage: Schon vor der Serie planen Frost und Lynch gemeinsame Projekte. Ein Marilyn-Monroe-Biopic verläuft genauso im Sand wie „One Saliva Bubble“, die Groteske über bewusstseinsverändernden Elektrosmog. Zündfunke für die „Twin Peaks“ ist Lynchs Idee einer in Plastik eingewickelten Leiche. Erster Arbeitstitel war „Northwest Passage“.

O wie Onomastik: Bei der Namenkunde von „Twin Peaks“ stößt man auf Echos: Sheriff Harry S. Truman heißt wie der 33. US-Präsident, Gordon Cole, den Lynch selbst spielt, wie eine Figur aus Wilders „Sunset Boulevard“. Der einarmige Phillip Gerard teilt seinen Namen mit einem Polizisten aus „Auf der Flucht“. Die geliehenen Namen, das Lynch auch in anderen Werken betreibt, machen die Figuren zu abhängigen Doppelgängern und führen in Lynchs Kernthema: Auflösung von Identität.

P wie Programmumfeld: RTL plus startet „Twin Peaks“ am 10. September 1991 um 20.15 Uhr, direkt nach „Knight Rider“. Als Konkurrenz läuft im Ersten die Fernsehlotterie, im ZDF eine Spielfilm-Version der „Waltons“ und „MacGyver“ auf Sat1. Man kann nur ahnen, wie die Leiche der totgefolterten Gelegenheitsprostituierten Laura auf das Publikum wirkte. (Twin Peaks 2017: Welche Stars kommen wieder, wer ist neu?)

Q wie Qualitätsfernsehen: Als „Twin Peaks“ am 8. April 1990 beim US-Sender ABC debütiert, sind abgeschlossene Episoden die gängige Krimi-Dramaturgie. Den episodenübergreifenden Erzählbogen entleihen Lynch und Frost der Soap. Heute ist die von einem Hauptautor betreute Großerzählung Kern von Qualitätsserien wie „Breaking Bad“.

R wie R: Dass Laura Opfer eines Serienkillers wurde, erkennt Cooper an dessen Erkennungszeichen: Allen Leichen schiebt Bob Zettelchen mit Buchstaben unter den Fingernagel, die zusammen seinen Namen ergeben: Robert. Unter Lauras Nagel steckt das R.

S wie Soundtrack: „Twin Peaks“ wäre unvorstellbar ohne die zwischen Sehnsucht und Verderben schwankende Musik Angelo Badalamentis. Ihr manipulativer Gestus wird noch verstärkt, wenn die Serie den Nummern die unwahrscheinlichsten Quellen in der Handlung zuschreibt: Sogar in der Biker-Bar verzaubert Julee Cruises ätherische Stimme das wüste Publikum.

T wie T-Shirt: Mode als Geständnis: Auf dem Höhepunkt des Serienhypes tragen Hardcore-Fans Shirts mit dem Motto: „I killed Laura Palmer.“

U wie unlauterer Wettbewerb: Sat1 hat RTL plus den Spaß verdorben und Lauras Mörder im Videotext verraten. RTL selbst hat den Fans das tolle Finale vorenthalten und nur 21 von 30 „Twin Peaks“-Folgen gezeigt.

V wie verkannt: „Twin Peaks“ wird 1990 zum Medienereignis; die Emmy Awards ignorieren die Pionierleistung von Lynch und Frost. „Twin Peaks“ geht trotz 14-facher Nominierung in allen Hauptkategorien leer aus. Beste Drama-Serie wird das Anwaltsformat „L.A. Law“, als Darsteller wird Kyle MacLachlan (Cooper) vom Columbo-Star Peter Falk geschlagen. Einzige Preisträger sind Duwayne Dunham (Schnitt) und Kostümbildnerin Patricia Norris. (Twin Peaks 2017: Wie sehen Cooper und die Palmers heute aus?)

W wie „Wild at Heart“: Mit diesem Film gewinnt Lynch in Cannes die Goldene Palme, als die erste Staffel „Twin Peaks“ Furore machte. Er selbst nennt ihn als Grund dafür, dass er sich in die zweite Staffel nicht intensiv genug einbringt – was allgemein als Qualitätsverlust wahrgenommen wird. Als „Twin Peaks“ abgesetzt wird, dreht er zum Ausgleich den Kinofilm „Twin Peaks: Fire Walk With Me“. In Cannes wird er ausgebuht.

X wie „Akte X“: „Twin Peaks“ gilt als Wegbereiter des Myster-Hits „Akte X“. David Duchovny, der als Special Agent Mulder zum Star wurde, hat schon in Twin Peaks ermittelt – als transsexuelle Denise Bryson (kleines Bild). Er steht auch auf der Besetzungsliste von „Twin Peaks 2017“.

Y wie Yeti: In seinem neuen „Twin Peaks“-Roman versammelt Mark Frost sämtliche Verschwörungstheorien der US-Geschichte: von den Freimaurern über Roswell bis hin zum Mord an JFK. Sogar eine Art Yeti taucht auf – in Form des amerikanisches Pendants Big Foot.

Z wie „Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen“: Unter diesem Titel strahlt RTL plus die dritte Folge von „Twin Peaks“ aus. Erst in den Wiederholungen heißt sie auch im US-Fernsehen so. Die Episoden der ersten Staffel waren im Original erst namenlos; später übersetzte ABC die RTL-Titel ins Amerikanische.

Literatur: Gunther Reinhardt: „Twin Peaks“ (Sachbuch). Reclam. 100 Seiten, 10 Euro. Mark Frost: „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ (Roman des Serienautors). Kiepenheuer & Witsch. 368 Seiten, 39,90 Euro.



„Twin Peaks“ kehrt 2017 auf den Bildschirm zurück. 1990 wurde die Murder-Mystery-Serie von David Lynch und Mark Frost zum weltweiten Phänomen. Am Ende der zweiten Staffel trafen sich die zentralen Protagonisten in einem magischen Raum wieder; das Mordopfer Laura Palmer versprach dem FBI-Mann Agent Cooper dabei: „I‘ll see you again in 25 years.“ Ein Vierteljahrhundert später soll dieses Ankündigung Wirklichkeit werden: Frost und Lynch haben für den Sender Showtime eine dritte Staffel von „Twin Peaks“ gedreht. Die vorerst neun Episoden sollen kein Remake darstellen, sondern die Handlung tatsächlich 25 Jahre nach den bekannten Ereignissen weiterspinnen. Neben Kyle MacLachlan und Sheryl Lee gehören viele Mitglieder des Original-Casts zur Besetzung. Auch neu hinzugekommene Stars wie Monica Bellucci und Jennifer Jason Leigh haben für „Twin Peaks 2017“ Rollen übernommen. Die ersten beiden Staffeln von „Twin Peaks“ wurden 2007 für die Goldbox-DVD-Edition neu abgetastet.

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