Ironischer Unterton als Markenzeichen Olaf Pessler spricht „Giraffe, Erdmännchen & Co.“

Von Marie-Luise Braun

Bei der Arbeit im Studio: Olaf Pessler ist einer der gefragtesten Sprecher Deutschlands für Fernsehproduktionen und Hörbücher. Foto: Raul GeislerBei der Arbeit im Studio: Olaf Pessler ist einer der gefragtesten Sprecher Deutschlands für Fernsehproduktionen und Hörbücher. Foto: Raul Geisler

Osnabrück. Seine Stimme kennen viele. Doch sein Name und vor allem sein Gesicht ist den meisten unbekannt, denn Olaf Pessler ist Sprecher von Beruf. Er leiht Fernseh-Dokumentationen und -Reportagen sowie Hörbüchern seine Stimme. Dazu gehören die Zoo-Reihe „Giraffe, Erdmännchen & Co.“ und die „Panama-Papers“.

Er klingt tatsächlich so wie im Fernsehen, wenn er sich am Telefon meldet. Warm, entspannt und wenn Stimmen augenzwinkern könnten, wäre auch das zu hören. Ein leicht ironischer Unterton ist eines seiner Markenzeichen.

Hat er eine spezielle Technik, wenn er einen Film bespricht? „Man passt die Stimmfarbe den Inhalten an,“, sagt Olaf Pessler. Vor ein paar Tagen habe er beispielsweise einen Nachruf auf einen Prominenten eingesprochen. „Da spricht man weniger dynamisch, etwas weihevoller und mehr in Moll als in Dur“, erläutert der 54-Jährige. Gestorben ist allerdings niemand. Der Beitrag sei vorab produziert worden, damit er schnell aus der Schublade gezogen werden kann, wenn es sein muss. Das macht man so bei berühmten Menschen. Medienalltag.

Kaum Zeit zur Vorbereitung

Meistens hat Olaf Pessler nicht viel Zeit, sich auf das Werk einzustellen, dem er seine Stimme geben soll. Selten erhält er ein Buch oder Manuskript ein paar Tage vor der Arbeit im Studio. Selbst bei umfangreichen Projekten sei das so, beispielsweise wenn er ein Hörbuch einsprechen soll. Dann lese er vom Blatt, wie bei den „Panama Papers“ von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier. Anfang April sind die beiden für ihre investigative Recherche mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet worden.

Hörbücher spricht Olaf Pessler besonders gern ein, auch wenn es geistig und körperlich anstrengend sei: „460 Seiten in drei Tagen Produktion.“ Das sei sportlich, aber: „Die Kalkulation für solche Produktionen ist sehr eng, es sei denn, es ist der neue John Grisham.“

Seit 1992 freier Sprecher

Bei all dem Tempo kann Pessler auf eine langjährige Erfahrung bauen. Seit 1992 arbeitet er als freier Sprecher. Ein Dasein, das er sehr mag, allerdings müsse man dafür ein bestimmter Menschentyp sein und es beispielsweise aushalten können, wenn das Telefon mal ein paar Tage nicht klingelt und kein neuer Auftrag in Sicht ist.

Während der Schulzeit habe er zwei Berufswünsche gehabt. Das habe sich aus der Mitarbeit in der Theater-AG und bei der Schülerzeitung ergeben. Da er beim Vorsprechen an Schauspielschulen durch die Aufnahmeprüfung gerasselt sei, ist es dann der Journalismus geworden.

Bei Radio Luxemburg gelernt

Nach einem Volontariat bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) habe er in München bei einer Tochterfirma das Verlages Station gemacht, berichtet Pessler. Als er hörte, dass bei Radio Luxemburg Personalmangel herrschte, habe er sich dort beworben. Er bekam ein Volontariat für Rundfunk und Fernsehen und zog nach Luxemburg. „Da habe ich alles gelernt, wovon ich heute lebe“, sagt Olaf Pessler, der einige Jahre in Luxemburg zubrachte. Unter anderem war er im Fernsehen zu sehen: Ein Jahr lang moderierte er das Frühstücksfernsehen von RTL, bevor er 1987 wieder nach Frankfurt gegangen sei, um beim Hessischen Rundfunk Radio-Moderator zu sein.

Eine schöne Zeit, doch dann habe es einen Trend zum „Format-Radio“ mit „Dudelstationen“ gegeben – ein Grund für ihn, sich auf das zu konzentrieren, was er bereits nebenher machte: Fernseh-Produktionen zu besprechen, Hörbüchern eine Stimme geben.

Klangfarbe abgesprochen

„Ich bin das Werkzeug des Autoren“, sagt Olaf Pessler zu seiner Arbeit. Er versuche, stets die bestmögliche Interpretation eines Textes abzuliefern. Dafür spreche er die Klangfarbe seiner Stimme mit den Autoren ab. Änderungen am Text nehme er allenfalls vor, wenn es Grammatik- und Bezügefehler im Text gebe. „Ich würde aber niemals in einem Text herumpfuschen und andere Formulierungen einbauen“, betont Pessler, der es für richtig hält, wenn Autoren beim Schreiben bleiben. Eine Autorenlesung gelänge selten. Ausnahmen gebe es allerdings: „Wenn Claus Kleber ein Feature über eine seiner Reisen macht, dann macht es natürlich Sinn, wenn er es auch einspricht.“

Muss er denn seine Stimme besonders pflegen? „Sie meinen, mit weißem Schal?“, fragt Pessler und da ist er wieder, der leicht ironische Unterton. Glücklicherweise leide er nicht oft unter Erkältungen. Aber bei längeren Produktionen helfen ihm zwei Dinge: Lutschpastillen Marke Isla Moos und heißer Tee.