Neu im Kino Beschämend oberflächlich: „Alles unter Kontrolle!“


Osnabrück. Nach seinem Publikumshit „Monsieur Claude und seine Töchter“ behandelt Regisseur Philippe de Chauveron erneut das Themas Fremdenhass – mit Slapstick.

Ist der Mann Afghane? Oder ein Algerier? Spricht er Arabisch? Oder doch Farsi? Für den Polizisten José Fernandez (Ary Abbitan) ist das egal: Als französischer Beamter ist er mit seinem Partner Guy (Cyril Lecomte) nur dafür verantwortlich, Abschiebehäftlinge zurück in ihre Herkunftsländer zu schicken.

So auch bei seinem neuesten, und vermeintlich letzten „Klienten“. Denn José soll ab Montag eine Stelle bei der Pariser Kripo bekleiden. Ein Karrieresprung. Ein letztes Mal soll er einen Mann nach Kabul abschieben. Ein eigentlich einfacher Job. Da kann der betroffene Karzaoui (Medi Sadoun) noch so sehr winseln, er sei eigentlich aus Nordafrika und ein Justizirrtum – all das interessiert José und Guy nicht.

Doch dann geschieht das Unerwartete: Das Flugzeug muss auf Malta notlanden. Schlimmer noch: Karzaoui entflieht. Und damit beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel durch diverse Bordelle, Altstadtkneipen und Schwulendiscos auf Malta, aber auch eine Bootsfahrt auf dem offenen Mittelmeer, die direkt in ein Flüchtlingslager auf Lampedusa führt.

Klamauk ist, wenn man trotzdem lacht. Das war schon das Prinzip, mit dem Regisseur Philippe de Chauveron 2014 zusammen mit seinen beiden auch diesmal auftretenden Hauptdarstellern Ary Abbitan und Medi Sadoun einen Riesenhit landete. „Monsieur Claude und seine Töchter“ führte den Alltagsrassismus vor, nutzte eine Dreifachhochzeit zu einer Typenkomödie, die Katholiken, Moslems, Juden und Afrikaner zusammenbrachte.

Platt und verharmlosend

Auch „Débarquement immédiat!“, so der Originaltitel, nimmt sich des Themas „Fremdenhass“ an. In einem Land, in dem der rechtspopulistische „Front National“ bedrohlich hohe Zustimmungswerte einfährt, scheint ein Film zu diesem Thema durchaus nötig.

Umso tragischer, dass es sich bei „Alles unter Kontrolle!“ nur um eine höchst oberflächliche Klamotte handelt. Es ist sicher eine Binsenweisheit, dass jede gute Komödie auch ein Stück weit Tragödie beinhaltet. Schade, dass sich dieser Film, anders als etwa Aki Kaurismäkis aktuellen Kinoerfolg „Die andere Seite der Hoffnung“ über syrische Asylanten in Helsinki, dem völlig verweigert.

Witze über Erbrochenes auf einer Hose, Hyperaktionen nach zu viel Kaffee oder halb nackte Stewardessen mit Durchfall stehen im Vordergrund. Und selbst da, wo die Helden mal in ernste Bedrängnis geraten, etwa, als sie in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer treiben oder in einem Flüchtlingscamp landen, regiert das Verharmlosende. Dass gerade das Meer zum Grab für viele wird, und Lampedusa mehr ist als nur ein Sammelort für eher schlitzohrige Asylanten, sondern ein trostloser Platz, zeigt de Chauveron nicht.

Ein Film, bei dem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil er erstens fast nur auf Schenkelklopfer setzt und zweitens, weil er die bitteren Realitäten ausklammert. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern vor allem eins: ärgerlich.


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