Neu im Kino Schachspielen als Lebensstrategie: „Queen of Katwe“

Von Reinhard Westendorf


Das Biopic „The Queen of Katwe“ schildert die wahre Geschichte eines armen afrikanischen Mädchens, das als Schachgenie für Aufsehen sorgt.

Erst vor vor einigen Monaten präsentierte die Kinodokumentation „Magnus“ die Karriere des Norwegers Magnus Carlsen, bekannt als „der Mozart des Schachs“. Jetzt schildert der US-Spielfilm „The Queen of Katwe“ nach einer gleichfalls wahren Geschichte den Aufstieg eines junges Schachtalents aus Uganda.

„Im Schach können die Kleinen die Größten werden“ bekommt das zehnjährige „Stinkemädchen“ Phiona Mutesi von ihrer Schachgegnerin beim Bauer-Dame-Tausch zu hören. Diese Erkenntnis beschreibt aber auch den erstaunlichen Werdegang des schwarzen Mädchens aus ärmsten Familienverhältnissen. In Katwe, einer Slum-Vorstadtsiedlung von Ugandas Hauptstadt Kampala, lebt Phiona mit ihrer alleinerziehenden Mutter und drei Geschwistern unter schwierigsten Bedingungen. An eine Schulausbildung ist nicht zu denken, da die Kinder für den kärglichen Lebensunterhalt der Familie selbst arbeiten müssen.

Als Phiona von einem engagierten schwarzen Sport-Missionar neben einem täglichen Becher Porridge auch Schach-Unterricht angeboten bekommt, zeigt sie rasch Talent und Ehrgeiz. Mit 14 Jahren ist sie 2010 die jüngste Teilnehmerin der Schacholympiade in Moskau und gewinnt die nationale Meisterschaft der Frauen in Uganda.

Die indische Regisseurin Mira Nair („Monsoon Wedding“) inszenierte mit charismatischen Darstellern (insbesondere die Kinder und Jugendlichen) trotz aller märchenhaften Momente und Farbenpracht ein bittersüßes Drama einer unterpriviligierten Existenz. Phionos erstaunliche Schacherfolge haben ihr Leben zwar positiv beeinflusst, aber nicht schlagartig verbessert oder grundsätzliche Armutsprobleme gelöst.


The Queen of Katwe. USA 2016, R: Mira Nair. D: Madina Nalwanga, Lupita Nyong’o, David Oyelowo; 124 Min., FSK: ohne Altersbeschränkung; Cinema-Arthouse.