The Founder – Kritik The Founder im Kino: Michael Keaton gründet McDonald‘s

Von Daniel Benedict

„The Founder“: Michael Keaton als McDonald’s-Boss und Raubtierkapitalist Ray Kroc. Foto: Splendid„The Founder“: Michael Keaton als McDonald’s-Boss und Raubtierkapitalist Ray Kroc. Foto: Splendid

Berlin. In „The Founder“ spielt Michael Keaton den Vater des Burger-Imperiums McDonald‘s. Aber war Ray Kroc wirklich der Gründer? Eine Kritik von John Lee Hancocks Film.

Sehenswert: Michael Keaton spielt in John Lee Hancocks „The Founder“ Ray Kroc, den Mann, der McDonald‘s zum Imperium machte.

Ist Ray Kroc wirklich der McDonald‘s-Gründer?

„The Founder“ nennt John Lee Hancock seine McDonald‘s-Geschichte. Schon der Titel ist doppelbödig. Denn Ray Kroc hat es mit der Fastfood-Kette zwar auf die „Time“-Liste der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts geschafft. Ihr Gründer war er aber nicht. Das erste McDonald‘s-Restaurant haben 1940 die Brüder Dick und Mac McDonald eröffnet. 1948 haben sie dann das „Speedee“-System entwickelt, mit dem sie Burger binnen Minuten servierten. Sogar das Markenzeichen der zwei goldenen Bogen war ihre Idee.

Als Croc Mitte der Fünfziger auf all dasaufmerksam wird, ist er – Vertreter für Milch-Shake-Mixer. Während er für gewöhnlich schon froh ist, wenn überhaupt jemand einen Mixer kauft, bestellen die Brüder McDonald gleich acht. Croc beschließt, sich das offenbar sensationell laufende Restaurant persönlich anzusehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Kroc schwatzt den McDonalds einen Vertrag ab, mit dem er die Idee zu einer Franchise-Kette ausbauen kann, überwirft sich mit den McDonalds, zieht sie über den Tisch, kauft sie aus und nimmt ihnen sogar das Recht auf den Familiennamen über dem Stammhaus. (Mehr Wirtschaftsgeschichte im Kino: Matthew McConaughey in „Gold“)

The Founder: McDonald‘s im Kampf der Geschäfsphilosophien

John Lee Hancock, Regisseur von „Blind Side“ und „Saving Mr. Banks“, macht seine Wirtschaftsgeschichte zum Kampf der Geschäftsphilosophien: Die Brüder McDonald verkörpern einen guten Kapitalismus, zu dessen Tugenden Innovationskraft und Qualitätsbewusstsein genauso zählen wie die regionale Verwurzelung des Familienunternehmers. Ray Kroc dagegen steht als Raubtier-Kapitalist für ein Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste. Kroc will Milch-Shakes aus Pulver machen, um Strom für die Kühlung zu sparen. Die McDonalds bestehen auf Eiscreme. „Lieber ein gutes Geschäft als 50 mittelmäßige“, ist die McDonald-Devise. Kroc sieht den Handel als Krieg: „Wenn mein Konkurrent ertrinkt, stopfe ich ihm den Gartenschlauch in den Rachen.“

Es gehört zu den Stärken John Lee Hancocks – und seines Hauptdarstellers Michael Keaton –, dass Ray Kroc trotz so sympathischer Antagonisten nicht zum Monster mutiert. „The Founder“ betrachtet mit vorurteilsfreiem Interesse die Gründungsgeschichte einer Weltmarke und steht zur Faszination für den Mann, der sie aufgebaut hat. Keaton schildert ihn als Visionär, der sich im letzten Lebensdrittel völlig neu erfindet: Als Kroc in seinen ersten McDonald‘s-Burger beißt, glaubt niemand an ihn. Seine Kunden belächeln ihn für immer neue Klappstühle und Mixer, mit denen er das große Geschäft machen will. Seine Frau leidet unter seinen Ambitionen, er selbst darunter, dass sie unerfüllt bleiben. Die Aggression, mit der er den McDonalds dann ihr Unternehmen entreißt, ist auch die Leidenschaft einer späten Selbstverwirklichung.

Das Interesse an der ambivalenten Figur verklärt erfreulicherweise nicht den Blick aufs Unternehmen. Hancock zitiert Kroc mit dem hybriden Anspruch, weltliche Kathedralen zu errichten, in den Amerika gemeinsam das Brot bricht. Und immer wieder spielt „The Founder“ die Ideale der Gründerzeit gegen unser gegenwärtiges Alltagswissen aus: In einer Szene sammelt Kroc empört alte Fritten vom Fußboden und vertreibt die Halbstarken aus seinem sauberen Geschäft. Wer heute durch die zerknüllten Fresstüten am Bahnhof stapft, kann über den feierlichen Anspruch nur müde lächeln.