Doku im Ersten Sehenswert: Die nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland

Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, wird am 28. Mai 2016 von einem Aktivisten aus Protest gegen Wagenknechts Flüchtlingspolitik mit einer Torte angegriffen. Foto: NDR/ECO Media/Steffen BohnertSahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, wird am 28. Mai 2016 von einem Aktivisten aus Protest gegen Wagenknechts Flüchtlingspolitik mit einer Torte angegriffen. Foto: NDR/ECO Media/Steffen Bohnert

Osnabrück. Völlig unaufgeregt folgt die sehenswerte Dokumentation „Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland“ (Das Erste, Mi., 22.45) der aufgeheizten Stimmung im Land.

Was ist nur los in diesem Land? Hassbotschaften in den sozialen Medien überfluten Politiker und Zeitungsredaktionen. Wirre Verschwörungstheorien, „gefühlte Wahrheiten“ und „alternative Fakten“ vermischen sich zu diffusen Weltbildern. Krawalle ersetzen den politischen Diskurs. Die individualisierte Filterblase bei Facebook und Co verstärkt dazu das Gefühl, dass die eigene Geisteshaltung die einzig wahre ist. Trinken wir einfach nur zu viel Kaffee, oder was steckt hinter der Hysterisierung in immer weiteren Teilen unserer Gesellschaft?

Ein Jahr lang tingelte Filmautor Stephan Lamby durch die „Nervöse Republik“ und sammelte die aufgeheizte Stimmung vor Ort zwischen Pegida und Straßenwahlkampf sowie bei Politikern und Journalisten ein. Frauke Petry gelangt dabei zur Einsicht, dass nun selbst sie als Teil des politischen Establishments wahrgenommen wird. Sahra Wagenknecht sieht sich plötzlich in die rechte Ecke gedrängt. Und Ereignisse wie Brexit, Terroranschläge und die Wahl von Trump zum US-Präsidenten verstärken noch das Bild der Verunsicherung. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Aber immerhin bietet der Film eine unaufgeregte Bestandsaufnahme der Mechanismen und Strukturen hinter der allgemeinen Hysterisierung.

Wertung: 5 von 6 Sternen.


0 Kommentare