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TV-Planer für Sonntagabend Tatort heute Abend aus Franken: Der Kommissar als Flüchtling


Der Tatort kommt heute Abend aus Franken: „Am Ende geht man nackt“ ist gut und serviert uns Kommissar Voss (Fabian Hinrichs) mit tschetschenischer Oma.

Feuerhölle in einer Bamberger Flüchtlingsunterkunft. Als sich die Asylbewerber in der Gemeinschaftsküche fröhlich eine Mahlzeit zubereiten, fliegt ein Brandsatz durchs Fenster und löst das Inferno aus. Eine Frau aus Kamerun stirbt bei dem Anschlag – offenbar weil jemand hinter ihr eine Tür verriegelt hat.

Während Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) mitsamt Team die Ermittlungen aufnimmt, wird Kommissar Zufall eingeflogen: Ringelhahns Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs) kommt ausgerechnet vom Besuch seiner kaukasischen Oma nach Hause und hat die grandiose Idee, getarnt als tschetschenischer Flüchtling in der Unterkunft deren Bewohner unter die Lupe zu nehmen. Denn es gibt womöglich zweit Täter: Einen, der den Brandsatz warf, und einen, der die Tür verriegelte.

Emotional aufgeladen

Mag dieser Ansatz mit der Erfindung dieses völlig unerwarteten familiären Hintergrunds auch abenteuerlich wirken – der dritte Franken-Tatort ist dennoch sehenswert. Denn Regisseur Markus Imboden hat aus dem Buch von Holger Karsten Schmidt einen emotional aufgeladenen und dennoch angenehm unaufgeregten Krimi gemacht – einen echten Kontrast zum flügelschlagenden Münster-Tatort vom letzten Sonntag. Und einen Film, der nichts beschönigt, sondern zeigt, dass es Gut und Böse überall gibt – in der Bevölkerung, bei der Polizei und unter den Flüchtlingen. (Weiterlesen: So war Markus Imbodens letzter Tatort.)

Zugegeben: Es ist schon ganz schön weit hergeholt, dass es in Felix Voss nun einen Tatort-Kommissar mit tschetschenischer Oma gibt. Dass in der Gemeinschaftsunterkunft kein einziger Tschetschene lebt, der ihn entlarven könnte. Dass ein Polizist überhaupt undercover in einer solchen Unterkunft ermittelt. Und dass Fabian Hinrichs als Voss-Darsteller mal mit deutlichem, dann wieder mit kaum vernehmbarem Akzent spricht. Dass die Flüchtlinge dafür umso besser Deutsch sprechen, entspricht auch mehr einer dramaturgischen Notwendigkeit als der Wirklichkeit. (Weiterlesen: Hier gibt‘s ein ausführliches Interview mit Fabian Hinrichs.)

Internationaler Cast

Andererseits ist es der Stoff durchaus wert, dass man in diesem Fall mal ein Auge zudrückt. Denn auf der Habenseite verbucht dieser dritte Franken-Tatort eine interessante und durchaus vorstellbare Geschichte, ein paar richtig starke Szenen und einen Humor, der nicht mit der Brechstange, sondern auf der Messerspitze daherkommt. Was ihn auch sympathisch macht, ist die Tatsache, dass diesmal nicht nur wieder eine Reihe waschechter Franken zum Cast gehörten, sondern auch Darsteller aus dem Irak, dem Iran, Marokko, Tunesien, Palästina, Ghana und dem Libanon.

Ähnlich wie der Furtwängler-Tatort des NDR durch Niedersachsen streift, wandert dieses Format nun durch Franken. Nach Nürnberg und Würzburg ist diesmal Bamberg dran, wobei es Regisseur Imboden sorgsamst vermied, ein allzu liebliches Bild dieser zugegebenermaßen schönen Stadt zu zeichnen. Ein ganz eigenes Flair hat der Franken-Tatort dennoch. (Ähnliches Thema: So stark war der Flüchtlings-Tatort aus Niedersachsen.)

Wieder aufwärts?

Und es sollte ihm auch gelingen, den Einbruch nach dem Traumstart wieder vergessen zu machen. Nachdem vor fast genau zwei Jahren über zwölf Millionen Zuschauer den ausgesprochen starken Start mit der Folge „Der Himmel ist kein Platz auf Erden“ verfolgt hatten, schalteten bei „Das Recht, sich zu sorgen“ im Mai 2016 nur noch 8,41 Millionen ein. Wie bei den Quoten, ging’s damals auch niveaumäßig bergab – die zweite Folge kam in unserer Kritik gerade mal noch auf drei Sterne.

Mit „Am Ende geht man nackt“ sollte es in beiderlei Hinsicht wieder aufwärts gehen. Zehn Millionen Zuschauer hätte dieser Krimi wohl verdient, und zwei Sternchen mehr als beim letzten Mal gibt es auch.

So stark war der erste Franken-Tatort.

So schwach war der zweite Franken-Tatort.

Tatort: Am Ende geht man nackt – Das Erste, Sonntag, 9. April, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen

Tatort und Polizeiruf 110 – Sendetermine der nächsten Erstausstrahlungen:

Ostermontag, 17.4.: Tatort: Sturm (Dortmund)

Sonntag, 23.4.: Tatort: Wehrlos (Wien)

Sonntag, 30.4.: Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben (München)

Sonntag, 7.5.: Polizeiruf 110: Nachtdienst (München)

Sonntag, 14.5.: Polizeiruf 110: Muttertag (Brandenburg/Polen)

Sonntag, 21.5.: Tatort: Borowski und das Fest des Nordens (Kiel)


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