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Kathrin und Ingo Hochzeit auf den ersten Blick: „Ich wurde zur Hassfigur“

Von Daniel Benedict

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Berlin. Hochzeit auf den ersten Blick: Kathrin und Ingo waren eins der vier Paare der letzten Staffel. Ihr Negativ-Image aus der Reality-Soap handelte Kathrin Gewaltdrohungen ein. Im Interview zieht sie Bilanz.

In seiner Reality-Soap „Hochzeit auf den ersten Blick“ stiftete Sat.1 auch im vergangenen Jahr wieder vier Ehen. Die Partner sahen sich zum ersten Mal beim Blind Date auf dem Standesamt – wo sie sofort eine rechtsgültige Ehe eingingen. Wissenschaftliche Tests im Vorfeld und die Begleitung durch psychologische Experten sollten den Paaren helfen, sich in den Flitterwochen lieben zu lernen. Am Sonntag zeigt Sat.1 , welche Ehen gehalten haben. Eine der Frauen fehlt dabei: die 35-jährige Kathrin. „Ich war krank“, sagt die Officemanagerin aus Frankfurt. „Mein Körper hat rebelliert.“ Kathrin hatte Ingo geheiratet. Glücklich wurde sie nicht. Mit ihm nicht. Und nicht mit Sat.1.

Die Bilanz der Experten von „Hochzeit auf den ersten Blick“

„Selbstverständlich hat mich jeder für verrückt erklärt“, sagt Kathrin über ihre Ehe. „Mich hat das nicht gestört.“ Grund zur Skepsis bietet „Hochzeit auf den ersten Blick“ zur Genüge. In drei Staffeln hat Sat.1 zwölf „perfekte“ Paare auf Grundlage psychologischer Tests zusammengestellt. Zwei Ehen haben gehalten. Keine gute Bilanz für ein Expertenteam, das behauptet: „Liebe ist nichts Mystisches mehr, sondern wir können sie wissenschaftlich erklären.“ Bei Kathrin hat die Wissenschaft versagt. Trotzdem glaubt sie noch heute grundsätzlich, dass diese Art Partnervermittlung funktionieren kann. Sat1 und die Produktionsfirma Redseven haben ihr nur nicht den richtigen Mann angeboten. (Mehr zu „Hochzeit auf den ersten Blick“: Die Kandidaten Peter und Vanessa lieben sich – schade nur, dass Sat.1 sie nicht kombiniert hatte)

Ingo und Kathrin: Kein „perfect match“

„Die ersten drei Fragen, die ich der Sat.1-Psychologin Dr. Köhldorfer nach den Flitterwochen gestellt habe, waren: Habe ich mich falsch ausgedrückt? Habt ihr mich nicht verstanden? Oder hat der Ingo euch belogen?“ Sich selbst, sagt Kathrin, hat sie als Großstadt-Workaholic beschrieben; ihr Traumpartner sollte beruflich gefestigt sein. „Und ich bekomme einen Mann aus dem Schützenverein, der Dienst nach Vorschrift macht.“ Tatsächlich schildert die Reality-Soap Kathrins Arbeitsethos als eins der ehelichen Probleme. „Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich mich von den Psychologen verarscht gefühlt habe – aber richtig verstanden wurde ich nicht“, sagt die bis heute verheiratete Kandidatin. Das Trennungsjahr gilt auch für TV-Ehen. Kathrin hofft, pünktlich zum Hochzeitstag geschieden zu sein.

Die Enttäuschung über die scheiternde Ehe war für Kathrin nur die erste. Die zweite kam bei der Ausstrahlung von „Hochzeit auf den ersten Blick“ : „Ich war schockiert“, sagt sie. „Ich habe mich nicht wiedererkannt. Ich bin ein zickiger Mensch, das weiß ich. Aber keine Oberzicke.“ Dass hinter dem Eindruck mehr steckt, als die Befangenheit vor dem eigenen Fernsehbild, bestätigen Rückmeldungen von Dritten: „Das warst nicht du“, hört sie von Freunden. Deutlicher sind die Reaktionen bei Facebook. Kathrin: „Miststück, Zicke und Hexe sind die harmlosesten Kommentare. Auf meiner persönlichen Facebook-Seite habe ich Drohungen von Leuten bekommen, die mich zusammenschlagen wollten, wenn sie mich auf der Straße treffen.“

Kathrin: „Hochzeit auf den ersten Blick“ machte mich zur Hassfigur

Der öffentliche Zorn trifft Kathrin unvorbereitet. Im Nachhinein erklärt sie es so: „Beim Zeitpunkt des Schnitts wusste Redseven schon, dass ich und Ingo nicht zusammenbleiben. Dazu musste jetzt eine Geschichte gemacht werden, und das ist leider auf meine Kosten passiert. Wenn eine Produktionsfirma das möchte, kann sie aus einem normalen Menschen eine Hassfigur machen.“ Wie das funktioniert, beschreibt die 35-Jährige so: „Indem am Schneidetisch Szenen ausgelassen werden, die mich gut aussehen lassen. Und indem Dinge zusammengeschnitten werden, die nicht zusammengehören.“ Candlelight-Dinner, Wellness-Ausflüge – unbeschwerte Szenen wie diese, sagt Kathrin, habe Sat.1 zugunsten der Konfliktinszenierung gar nicht gezeigt. Anderes seien irreführend kombiniert worden. Eine Szene, in der sie um einen Moment für sich allein bittet, sei aus der Chronologie gerissen worden; so sei der Eindruck entstanden, sie habe ihren Mann schon am ersten Tag der Flitterwochen sitzen lassen. Selbst Freunde, die ihr noch während des Drehs den Rücken gestärkt hatten, seien durch die Ausstrahlung gegen sie eingenommen worden. Kathrin: „Das war für mich das Härteste.“

(Mehr zum Thema: „Hochzeit auf den ersten Blick“ beweist: Liebe macht dick!)

Klage über Druck bei den Dreharbeiten

Dabei war schon die Zeit vor der Kamera nicht immer angenehm. In den Flitterwochen wurde demnach zehn bis zwölf Stunden gedreht. Und als Kathrin wegen einer Migräne pausieren wollte, habe das Team angedeutet, ihre Gesundheit ärztlich prüfen zu lassen; zu ihrem Vertrag mit Redseven gehöre auch die Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht. Ein anderes Mal habe die Crew darauf hingewiesen, wie teuer die Hochzeitsreise bis jetzt schon sei. Kathrin: „Ich habe das so verstanden, dass man mich am Ende mit den Kosten allein lassen würde.“ Eine Erfahrung, die aus der Gruppe der Ex-Kandidaten wiederholt zu hören ist. Redseven und Sat.1 haben die Praktiken mit Hinweis auf die kurze Frist unserer Anfrage nicht kommentiert. Vom Honorar bezahlen könnten Sat.1-Eheleute ihre Hochzeit jedenfalls nicht. Für eine Drehzeit von rund drei Wochen erhalten sie eine Aufwandspauschale, die den Kandidaten zufolge fast vollständig für die Scheidungskosten und das Finanzamt draufgeht . Was bleibt am Ende also von „Hochzeit auf den ersten Blick“? Kathrin bilanziert ihre Erfahrungen so: „Ich wollte einen Partner fürs Leben kennenlernen. Tatsächlich habe ich ein Jahr damit verbracht, mich aufzuregen, mein Privatleben zu zerreden, um am Ende von wildfremden Menschen beschimpft zu werden.“ (Hier geht es zum Wortlaut des Interviews mit Kathrin aus „Hochzeit auf den ersten Blick“.)


Wann startet "Hochzeit auf den ersten Blick"? Und was ist das überhaupt?

In der Kuppel-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ stiftet Sat.1 zum fünften Mal Ehen – auf Grundlage wissenschaftlicher Test. Ihren Idealpartner, den „perfect match“, treffen die Kandidaten dabei zum ersten Mal im Standesamt, wo sie vor laufender Kamera eine rechtsgültige Ehe schließen. Sat.1 begleitet die Paare dann beim Kennenlernen und in den meisten Fällen zugleich beim Scheitern ihrer Beziehung. Drei von bislang 17 Paaren sind derzeit noch verheiratet, das entspricht knapp 18 Prozent. Für Sat.1 ist die Eigenproduktion ein Erfolg: Zuletzt erreichte das Format 2,11 Millionen Zuschauer ab drei Jahren und 16 Prozent der umworbenen 14- bis 49-Jährigen. Die fünfte Staffel von "Hochzeit auf den ersten Blick" zeigt Sat.1 ab dem 4. November 2018 immer sonntags um 17.30 Uhr. 

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