TV-Kritik zum ARD-Krimi Tatort am Sonntag aus Münster: Pumuckl statt Vaddern

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Der Tatort kommt heute Abend aus Münster. In „Fangschuss“ macht ein Schlumpf Kommissar Thiel (Axel Prahl) zum Vaddern und Boerne den Jagdschein.

Wirf den Mantel eben runter, wenn Du mich nicht sehen willst,“ ruft die junge Frau vor dem Hochhaus, in dem sie ihren Ex vermutet – und schon kommt nicht nur ein Mantel geflogen, sondern darin auch der dazugehörige Mann. Willkommen im 31. Münster-Tatort, dem mittlerweile zwölften Fall, den die Väter des Formats, Stefan Cantz und Jan Hinter, ihrem Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl) auf den Leib geschrieben haben. (Weiterlesen: So war der letzte Münster-Tatort von Stefan Cantz und Jan Hinter)

Eine Minute später ist klar, dass Boerne sein neues Hobby ebenso fanatisch betreibt wie alle anderen zuvor: Er büffelt für den Jagdschein. Und dann steht noch ein blauhaariges Mädchen vor Thiels Tür und behauptet seine Tochter zu sein.

Feuerwerk außer Kontrolle

Balkonsturz, Jagdschein, Vaterschaft, Haarausfall, Stummelschwanz-Makaken und Wundermittel, investigativer Journalismus und noch ein Mord – „Fangschuss“ feuert seine Themen ab wie ein außer Kontrolle geratenes Feuerwerk. Alles hängt natürlich mit allem zusammen – auf dem Altar des Klamauks wird so manche Regel der Logik außer Kraft gesetzt. Am Ende ist es mal wieder das grandiose humoristische Talent des Jan Josef Liefers, das auch diesen Tatort vor dem Absaufen rettet.

Also alles wie immer in diesem Münster-Tatort, den zum zweiten Mal nach „3x schwarzer Kater“ (2003) der US-stämmige Regisseur Buddy Giovinazzo inszeniert hat? Nicht ganz – denn die Fans von Vaddern Thiel (Claus Dieter Clausnitzer) gucken diesmal in die Röhre. Vaddern weilt in Goa und ist in „Fangschuss“ nicht zu sehen. Telefonisch mahnt er den Sohn, sich um seine Pflänzchen zu kümmern und sie liebevoll zu wässern – der Zuschauer weiß natürlich, dass sich der Kommissar damit der Beihilfe zur Cannabis-Zucht schuldig macht.

Warum Vaddern nicht dabei ist

Vaddern-Fans müssen allerdings nicht um ihren Liebling bangen. Seine Agentin habe „etwas mit den Sperrtagen gepokert“, erklärte der vielbeschäftigte Schauspieler („Rote Rosen“) auf Anfrage unserer Redaktion. Die Folge sei eine „Urlaubspause für Vaddern“ in der Folge „Fangschuss“ gewesen. „Beim nächsten Tatort-Dreh im Juli ist Vaddern natürlich wieder mit dabei,“ versprach Clausnitzer. (Interview mit Claus Dieter Clausnitzer: Gebt Cannabis frei!)

Seine Abstinenz im aktuellen Tatort verhinderte übrigens ein Wiedersehen mit Janina Fautz, mit der er vor zwei Jahren die WDR-Serie „Mechelbeck“ gedreht hatte. In „Fangschuss“ fällt der 22-jährigen Schauspielerin die Rolle von „Frau Schlumpf“ (Boerne) zu, jenem blauhaarigen Mädchen, das in Thiel seinen Vater gefunden zu haben glaubt und trotz seiner Nähe auf die schiefe Bahn gerät. Ganz abgesehen von der grellen Farbe ist diese Figur wohl diejenige, die am meisten an den Haaren herbeigezogen scheint. (Weiterlesen: So war die Serie „Mechelbeck mit Claus Dieter Clausnitzer und Janina Fautz)

„Fakten völlig überbewertet“

Damit bleiben sich die Drehbuchautoren Cantz und Hinter treu und ihrem Publikum gefällig. Die Herren, beide übrigens jenseits der 60 und damit weit älter als die meisten Fans des Münster-Tatorts, scheinen das Presse-Info zu diesem Film als eine Art Fortsetzung des Drehbuchs angesehen zu haben. Auf die Frage, ob der Fall auf Fakten beruhe, antworten sie: „Fakten verwirren nur und waren schon immer völlig überbewertet. Da wir seit Donald Trump im postfaktischen Zeitalter leben, sind auch sogenannte Faktenchecks inzwischen glücklicherweise obsolet.“ Treffender kann man den Münster-Tatort kaum beschreiben.

Beim Münster-Tatort stellt sich immer auch die Frage, ob es einen neuen Quotenrekord gibt. Fest steht, dass Thiel und Boerne den übrigen Tatort-Teams schon lange weit enteilt sind: Viermal bereits lockten sie über 13 Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Und wer die letzte Folge sucht, die keine zwölf Millionen hatte, muss lange zurückblättern: Es war „Hinkebein“ am 11. März 2012, also vor fünf Jahren. Auch „Fangschuss“ dürfte wieder locker die 12- und wohl auch die 13-Millionen-Marke knacken. Ob es aber reicht, den Rekord von 13,63 Millionen Zuschauern der Folge „Schwanensee“ von 2015 zu toppen? Unser Tipp: 13,22 Millionen. (Weiterlesen: Rekordquote für „Schwanensee“)

Tatort: Fangschuss – Das Erste, Sonntag, 2. April, 20.15 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen

Tatort und Polizeiruf 110 – Sendetermine der nächsten Erstausstrahlungen:

  • Sonntag, 9.4.: Tatort: Am Ende geht man nackt (Franken)
  • Ostermontag, 17.4.: Tatort: Sturm (Dortmund)
  • Sonntag, 23.4.: Tatort: Wehrlos (Wien)
  • Sonntag, 30.4.: Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben (München)
  • Sonntag, 7.5.: Polizeiruf 110: Nachtdienst (München)
  • Sonntag, 14.5.: Polizeiruf 110: Muttertag (Brandenburg/Polen)
  • Sonntag, 21.5.: Tatort: Borowski und das Fest des Nordens (Kiel)


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