Der Gigant im Gespräch „Gefragt-Gejagt“: Waldenberger will Weltmeister werden

Kampfname „Der Gigant“: Der Jäger Holger Waldenberger (rechts). In der ARD-Sendung „Gefragt – Gejagt“ mit Moderator Alexander Bommes (links) will er Quiz-Weltmeister werden. Foto: ARD/Uwe ErnstKampfname „Der Gigant“: Der Jäger Holger Waldenberger (rechts). In der ARD-Sendung „Gefragt – Gejagt“ mit Moderator Alexander Bommes (links) will er Quiz-Weltmeister werden. Foto: ARD/Uwe Ernst

Osnabrück. Holger Waldenberger, Jäger mit dem Kampfnamen „Der Gigant“ bei der Show „Gefragt-Gejagt“ im Ersten, hat eigentlich nur ein Ziel: Quiz-Weltmeister. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt er, wie und was er dafür lernt.

Es läuft rund für Moderator Alexander Bommes und seine vier Jäger. „Gefragt - Gejagt“, das schnelle Fragespiel aus dem ARD-Vorabendprogramm, ehemals im Dritten beheimatet, fährt fast wöchentlich bessere Quoten ein und erhielt letztens mit einem extra langen Prominentenspecial auf einem Samstag zur Primetime den Ritterschlag. Und doch ist die Idylle getrübt. In den sozialen Netzwerken echauffieren sich die User über die deutsch-polnische Quizspielerin Grazyna Werner. Die Fangemeinde ist gespalten, mehrheitlich aber gegen weitere Auftritte der ersten Jägerin.

Werner war einst Kandidatin bei „Gefragt – Gejagt“, bis sie dieses Jahr selbst als Jägerin antrat. Ihr Kampfname „Gouvernante“ erinnert an die englische Vorlage „The Chase“, in der „The Governess“ antritt. Doch Werner hatte es von Beginn an schwer, wusste weder mit Souveränität in den Duellen, noch mit Witz in den Wortwechseln zu überzeugen. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat „Gigant“ Holger Waldenberger, der als Jäger vom Studiopublikum regelmäßig abgefeiert, von den Kandidaten aber gefürchtet wird, zu dem Shitstorm gegenüber Frau Werner seine eigene Sichtweise.

Mindestens 60 Prozent

„Ein schwieriges Thema. Die Jägerin polarisiert sehr stark. Neuerungen in Sendungen spalten oft die Zuschauer. Ich glaube, sie hat viel unfaire Kritik, aber auch unfairen Zuspruch erhalten – nur weil sie eine Frau ist. Dabei geht es eigentlich darum, ob sie viele Sendungen gewinnen kann oder nicht. Schafft sie mindestens 60 Prozent? Das wird ausschlaggebend sein, ob wir damit glücklich werden oder nicht. Alles andere ist sekundär.“

Waldenberger selbst hat nicht von ungefähr seinen Kampfnamen. Der in Hamburg lebende Quizzer wurde 2012 Quizeuropameister im Einzel, gewann in der ZDF-Sendung „Quiz-Champion“ eine Viertelmillion Euro, führt regelmäßig die Rangliste des Deutschen Quizvereins an. Wenn Waldenberger als Jäger in den Ring, beziehungsweise vor die Frageleiter steigt, ist dies respekteinflößend – nicht nur wegen seiner Statue. Dabei möchte Holger Waldenberger eigentlich nur, dass die Sendung eine gute Show wird: „Ich überlege schon immer: Soll ich am Anfang langsamer drücken, nicht so einschüchternd auftreten? Eine gute Show ist immer dann, wenn der erste Kandidat hochgeht und durchkommt. Dann ist die richtige Spannung, der richtige Druck in der Sendung.“

„Ich weiß gar nix“

Das Showelement hat trotz der stringenten Dramaturgie bei „Gefragt – Gejagt“ seinen Platz. Neben dem Reiz, ob die „Davids“ gegen den „Goliath“ gewinnen können, unterhält die Sendung mit frotzelnden Wortgefechten zwischen Moderator und Jägern, die von den Fans auf Facebook gerne kommentiert werden. Für Waldenberger nichts Neues. „Ich habe immer versucht mit Bommes ins Gespräch zu kommen. Mit den Kandidaten hingegen ist es schwierig, in den Dialog zu kommen. Ich weiß nicht mal, was die Kandidaten beruflich machen oder aus welcher Ecke die kommen. Ich weiß gar nichts. Ich kenne ein Foto und darunter steht ein Name. Wenn die ihre Einzelrunde spielen, bin ich oft nicht vor dem Bildschirm, sondern ich werde nachgeschminkt oder es werden irgendwelche Schuppen entfernt.“

Holger Waldenberger, der bei zu leichten Fragen so wunderbar genervt wirken kann, scheint ein lebendes Wikipedia zu sein. Kaum ein Wissensgebiet, wo er Schwächen offenbart. Ein Quizprofi, der sein Leben mit dem Beantworten von Fragen bestreitet? „Jein. Vom ZDF-Gewinn könnte ich eine Zeit leben, vom Rest im Moment noch nicht. Ich habe viele Fragen geschrieben und versuche mich gerade mit einem Verlag zu einigen, da etwas auf den Markt zu bringen. Ich versuche aber dieses Jahr, sozusagen „Quiz-Selbstständiger“ zu werden. Mein Hauptziel ist es, Quiz-Weltmeister zu werden. Ich beschäftige mich 70-80 Stunden die Woche mit Quiz.“

Fokussiert

In dieser Zeit liest Waldenberger dann ein Buch über die Geschichte der NBA, um „dort die 100 größten Stars weg zu lernen“. Danach will er sich Lesestoff über Wrestling besorgen. „Davon habe ich auch keine Ahnung. Ich muss, um meine Schwächen auszumerzen, ein Buch nach dem anderen lesen.“ Dieser Mann wirkt ungeheuer fokussiert, ordnet in seinem Leben scheinbar alles dem großen Ziel unter. Wie schaltet ein derart „Besessener“ ab? „Gar nicht. Ich powere von morgens bis abends. Ich habe noch eine 12er-Karte für das Schwimmbad, die ist noch ungenutzt.“

Sollte es mit dem Weltmeistertitel in nächster Zeit nicht klappen, hat Waldenberger zumindest noch seinen Job als Jäger. Doch wie lange wird dieses Format faszinieren? „Schwer zu sagen. Wenn ich tippen müsste, vielleicht noch fünf Jahre. Ein Problem ist, dass man auch eine weibliche Jägerin möchte. Doch da gibt es nur wenige gute. Ich kenne eine, die in Frage käme. Aber die will nicht. Migranten als Jäger sind auch gewünscht. Aber selbst bei „normalen männlichen“ Jägern wäre es schwierig, adäquaten Ersatz zu finden, wenn zum Beispiel zwei von uns aufhören würden.“ Mangelndes Selbstbewusstsein klingt anders.

Bleibt zu klären, was überhaupt eine gute Quizfrage ist. Holger Waldenberger weiß die Antwort: „Der amerikanischer Quiz-Profi Ken Jennings meint, eine gute Quizfrage ist, wenn man es nicht weiß, und hinterher dennoch zufrieden ist.“ Den meisten Zuschauern wird es so gehen. Dies erklärt dann ein wenig den Erfolg von „Gefragt – Gejagt“.

„Gefragt – Gejagt“

täglich von Montag bis Freitag um 18.00 Uhr im Ersten.


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