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An Lungenkrebs gestorben „Der Dicke“ mit Leib und Seele: Trauer um Schauspieler Dieter Pfaff

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In der ARD-Reihe „Bloch“ spielte Ulrike Krumbiegel zehn Jahre lang die Lebensgefährtin von Dieter Pfaff alias Maximilian Bloch. Sie würdigte ihn am Mittwoch als „starken Partner und zarten Mann. Foto: dpaIn der ARD-Reihe „Bloch“ spielte Ulrike Krumbiegel zehn Jahre lang die Lebensgefährtin von Dieter Pfaff alias Maximilian Bloch. Sie würdigte ihn am Mittwoch als „starken Partner und zarten Mann. Foto: dpa

Osnabrück. Deutschland trauert um einen der populärsten Schauspieler des Landes: Am Dienstag ist Dieter Pfaff im Kreise seiner Familie verstorben. Der 65-Jährige litt an Lungenkrebs.

Es war wohl ein gezieltes Ablenkungsmanöver, ein letzter schwerer Akt der Schauspielerei: Noch vor wenigen Wochen verkündete Dieter Pfaff über die „Bild am Sonntag“ (BamS), der Krebs sei weg, er freue sich auf die Dreharbeiten für neue Folgen der Anwaltsserie „Der Dicke“, bei denen er im März wieder einsteigen wolle. Es kam anders und Pfaff wird gewusst haben, dass es anders kommen wird: Am Mittwoch vermeldete ausgerechnet das „BamS“-Schwesterblatt „Bild“ als erste den Tod des populären Schauspielers. Der frühe Tod des Charakterdarstellers wird Menschen, die ihn persönlich kannten, zwar schockieren, aber nicht wirklich überraschen. Denn Dieter Pfaff war ein Mensch, der sich seinen Leidenschaften hingab. Obwohl übergewichtig und kurzatmig, blieb er auch nach seinem 60. Geburtstag Kettenraucher und bewältigte selbst kürzeste Strecken mit dem Auto.

Dabei hatte er schon früh böse Vorahnungen: „Die 58 hatte mich beunruhigt, weil sowohl mein Vater als auch mein Großvater mit 58 gestorben sind. Ich weiß jetzt zum ersten Mal, dass die Zeit endlich ist,“ sagte Pfaff kurz nach seinem 60. Geburtstag in einem Interview mit unserer Zeitung. Manchmal habe er gedacht: Wie viele Jahre bleiben jetzt noch? Mit seinem 60. Geburtstag sei diese Sorge jedoch wieder verschwunden.

Pfaffs zweite große Leidenschaft neben dem blauen Dunst war das gute Essen. Grünkohl und dicke Bohnen seien seine Leibgerichte, verriet er in dem Gespräch. Am heimischen Herd hatte sich der Hobbykoch der regionalen Küche verschrieben.

Seine Leibesfülle spiegelte sich auch in Pfaffs Rollen wieder, der ARD-Anwaltsserie „Der Dicke“ gab sie sogar ihren Namen. Doch auch inhaltlich war „Der Dicke“ dem Schauspieler eine ganz besondere Herzensangelegenheit: „Die Rolle dieses Anwalts Ehrenberg ist mir näher als alle anderen, die ich bisher gespielt habe. ,Sperling‘ und ,Bloch‘ waren und sind ein Teilaspekt von mir, ,Der Dicke‘ ist mehr,“ sagte der Mime damals und fügte hinzu: „Die Haltung des Gregor Ehrenberg, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und gar nicht anders zu können, als er sich verhält - das hat mit meinen Wünschen und Träumen ganz stark zu tun. So würde ich mich auch gern verhalten und tue es manchmal auch.“

Dritte und wohl gesündeste Leidenschaft des Schauspielers war seine Liebe zur Musik. „Die Musik hat mich mein Leben lang begleitet. Ich singe viel beim Drehen - und wenn es mir mal nicht gutgeht, merkt man es daran, dass ich nicht singe. Singen bedeutet für mich einfach Entspannung,“ sagte Pfaff. Erst spät wurde er auch im Film zum Musiker: In der „Bloch“-Folge „Der Fremde“ griff er im vergangenen Jahr zusammen mit Vadim Glowna zur Gitarre. Es war Glownas letzte Rolle vor seinem Tod.

Dieter Pfaff lebte zwar lange Jahre in Hamburg, war aber ein Kind des Ruhgebiets: Am 2. Oktober 1947 wurde er in Dortmund als Sohn eines Polizisten und einer Angestellten geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Geschichte und Germanistik, wechselte dann aber schnell ins Schauspielfach. Etliche Jahre arbeitete er als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur an Bühnen in Tübingen, Frankfurt, Dortmund, Nürnberg und München, bevor er erste Fernsehrollen bekam und schließlich 1983 mit gerade mal 35 Jahren eine Professur für Schauspiel in Graz übernahm.

Doch Pfaff entschied sich schnell wieder für die Schauspielerei und gegen die Lehre: In der TV-Serie ,,Der Fahnder“ spielte er über ein Jahrzehnt lang den komischen Polizisten Otto, gab der Reihe mit dieser Figur eine leicht komödiantische Note und avancierte zum Publikumsliebling.

Es folgten zahlreiche Fernsehfilme, Serien und Kinostreifen, die ihn zu einer der markantesten Erscheinungen der deutschen Filmlandschaft werden ließen. Als Franziskanermönch in ,,Bruder Esel“ oder ,,Kommissar Sperling“, Psychotherapeut „Bloch“ oder Anwalt Ehrenberg in „Der Dicke“ stieg er in die Liga der besten und populärsten deutschen Schauspieler auf. Grimme- und Bayerischer Fernsehpreis sowie der ,,Telestar“ waren fast zwangsläufige Auszeichnungen.

Schon als 22-Jähriger heiratete Pfaff 1969 die Produzentin Eva Maria Emminger, ihre Zwillinge Johanna und Maximilian wurden zehn Jahre später geboren und zogen 2007 wieder mit ihren Eltern in ein gemeinsames Haus in Hamburg.

In der ARD-Serie „Bloch“ war Ulrike Krumbiegel die Frau an seiner Seite. Zum Tode Dieter Pfaffs sagte sie am Mittwoch unserer Zeitung: „Die Arbeit mit Dieter hatte etwas Familiäres: Wir führten zehn Jahre lang eine liebevolle Fernseh-Ehe. Dabei nimmt man auch über den Film hinaus Anteil am Leben des Kollegen - Kinder werden groß, Enkel geboren, Häuser gekauft oder man geht ,fremd‘ in anderen Filmen oder am Theater. Ich habe an Dieter bewundert, dass er sein Privatleben so stabil halten konnte wie es nicht vielen in der Branche gelingt, dass er die Figuren Sperling, Bloch und den Dicken mit konzipiert und sich damit Träume verwirklicht hat, dass er, auch als diese drei schon sehr etabliert waren, ohne nachzulassen für gute Drehbücher, Regisseure und Schauspieler gekämpft hat. Er war ein starker Partner und ein zarter Mann. Ich bin traurig, es gibt nun kein ,nächstes Jahr, selbe Zeit‘ mehr.“

Geändertes TV-Programm: Hier finden Sie die Sondersendungen zum Tod von Dieter Pfaff.


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