Chris Twellmann bekannt dank „The Walking Dead“ Wie eine US-Serie das Leben eines Hannoveraners veränderte


Osnabrück. Von Hannover in die USA: Chris Twellmann sieht einem Schauspieler aus der Zombieserie „The Walking Dead“ so ähnlich, dass er in den USA ein gefragter Mann ist. Wie sich sein Leben in den vergangenen anderthalb Jahren komplett verändert hat, was der Zufall dabei für eine Rolle spielte und wie es für ihn weitergeht, hat Chris Twellmann unserer Redaktion erzählt.

Es ist auf den ersten Blick ein bisschen kompliziert: Chris Twellmann ist kein Doppelgänger eines Schauspielers im klassischen Sinne. Er sieht einem US-Schauspieler ähnlich, der wiederum einer Figur aus der TV-Serie „The Walking Dead“ extrem ähnlich sieht. Der Schauspieler heißt Michael Cudlitz, die Figur, die er in der Zombieserie verkörpert, heißt Abraham Ford. (Weiterlesen: Warum ist „The Walking Dead“ so erfolgreich?)

Aussehen wie die Comicfigur Abraham Ford

Jener Ford wird bereits in der Comicvorlage, auf der die Serie basiert, sehr prägnant dargestellt: ein Army-Typ mit roten Haaren im Militär-Stil, dazu ein markanter rothaariger Bart, öfter mal eine Zigarre im Mund und eine Waffe im Anschlag. Seit der fünften Staffel von „The Walking Dead“ verkörpert Schauspieler Michael Cudlitz den ehemaligen Sergeant Abraham Ford. Natürlich muss Cudlitz wie seine Kollegen täglich in die Maske, seine Haare werden eingefärbt, sein Bart gestutzt, damit er der Comicvorlage so ähnlich wie möglich sieht.

Ein Prozedere, das Chris Twellmann nun auch ab und zu durchführen muss, denn er ist wie Cudlitz von Natur aus Blond: Seine Ähnlichkeit zu Abraham Ford/Michael Cudlitz ist so groß, dass die Fans beide miteinander verwechseln. Dazu zieht Twellmann sich an wie die Comicfigur und posiert auf Fotos, als würde er wirklich in einer Zombie-Apokalypse ums Leben kämpfen.

Was machen Cosplayer wie Chris Twellmann?

Chris Twellmann (links) und Michael Cudlitz, beide als Abraham Ford auf der Walker Stalker Convention 2016 in London. Foto: the-redhead.com

Twellmanns Verwandlung in Abraham Ford nennt sich Cosplay. Dieser Verkleidungstrend stammt aus Japan und schwappte mit dem Manga- und Animeboom in den 1990er Jahren auch in die USA und nach Europa. Beim Cosplay stellen Fans eine Figur aus Comic, Manga, Anime, Film oder Computerspiel möglichst originalgetreu dar. So wie auf Mittelaltermärkten Menschen in die Rollen von Schankwirten oder fahrende Sänger schlüpfen oder Liveactionrollenspieler mit einem Fantasy-Charakter verschmelzen, wollen Cosplayer ihre Figur so stimmig wie möglich zum Leben erwecken.

Von der Bezeichnung Cosplay hatte Chris Twellmann, der im Sauerland aufgewachsen ist und zuletzt in Hannover lebte, bis vor Kurzem noch nie etwas gehört. Im August 2015 arbeitete er auf Fuerteventura, als er bei Facebook eine Mitteilung bekam, jemand habe ihn auf einer Fanseite von „The Walking Dead“ markiert. Die deutsche Seite mit über 700.000 Fans hatte ein Foto des Schauspielers Michael Cudlitz in seiner Rolle als Abraham neben eines von Chris Twellmann montiert, auf dem er dank Photoshop rote Haare hatte. Daneben stand der Satz: „Wir haben unseren eigenen Abraham.“ (Hat Eugene seinen eigenen Tod gespoilt? „The Walking Dead“-Star Josh McDermitt im Interview)

Ein Facebook-Post macht Chris Twellmann bei Fans bekannt

Innerhalb weniger Stunden hatte der Post auf der Facebookseite ein paar Tausend Gefällt-mir-Angaben. Dank dieses Zufalls ging es mit Twellmanns Karriere als Cosplayer und Doppelgänger rasant aufwärts: Es folgten ein paar Fotoshootings als Abraham Ford sowie Besuche der Filmbörse und der Veranstaltung „Weekend of Hell“ in Oberhausen. Dort traf er zahlreiche Fans von „The Walking Dead“. „Die Resonanz war überwältigend“, erklärt er.

Eine Gruppe namens „German TWD Cosplayer“, die wie Twellmann Figuren aus der Serie verkörpern, nahm ihn auf, und die Fans standen Schlange, um mit ihm fotografiert zu werden.

Chris Twellmann trifft in London den „echten“ Abraham

Nach der Veranstaltung „German Comic Con“ wurde ein Traum von Twellmann wahr: Schauspieler Michael Cudlitz lud ihn zu einer „The Walking Dead“-Fanveranstaltung nach London ein. Danach sei sein Facebookprofil vor lauter Anfragen von Fans explodiert. (Weiterlesen: The Walking Dead wird verlängert: Staffel 8 ab 2017 auf Fox)

Seitdem ist der „German Abraham“ bei den Fans von „The Walking Dead“ bekannt und beliebt. Von Hannover aus, wo Twellmann als Marketingberater arbeitete, startete er in die USA – und ist dort jetzt geblieben. Seit Anfang des Jahres lebt er in Atlanta und ist seitdem ständig auf Conventions unterwegs.

Dort treffen sich Menschen mit den gleichen Interessen, in diesem Fall Fans von „The Walking Dead“, einer der erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten. Schauspieler der Serie stehen manchmal den Fans Rede und Antwort, es gibt Stände von Comicbuchverlagen und zahlreiche Cosplayer wie Twellmann.

Er hat Spaß dabei, die Fans mit Fotos glücklich zu machen, erzählt er im Telefoninterview und klingt dabei selbst sehr glücklich. Der Zufall wollte es, dass Chris Twellmann nun ein Teil der Familie von „The Walking Dead“ ist. Mit einigen Darstellern der Serie hat er regelmäßig Kontakt, mit anderen hat er sich ausführlich unterhalten oder sie kurz kennengelernt. (Lesen Sie dazu auch unsere Zusammenfassung von Staffel 6: Was war gut, was war schlecht?)  

Wie geht es für Chris Twellmann in den USA weiter?

Die Figur Abraham Ford erlitt in der TV-Serie nun das gleiche Schicksal wie in den Comics von Robert Kirkman: Ford wurde von Bösewicht Negan (Jeffrey Dean Morgan) in der ersten Folge von Staffel 7 (die aktuell ausgestrahlt wird) mit einem Baseballschläger zu Tode geprügelt.  (Weiterlesen: Wo und wann wird Staffel 7 von „The Walking Dead“ ausgestrahlt?)

Doch Michael Cudlitz und Chris Twellmann sind auf Conventions nach wie vor gefragt. Solange es ihm Spaß macht, will Twellmann weiter als Abraham auftreten. Aber er arbeitet auch an anderen Projekten wie an dem Aufbau einer Produktionsgesellschaft und einer Dokumentation über die Stadt Senoia. In dieser Kleinstadt im Staat Georgia wird die Serie „The Walking Dead“ gedreht.

Ganz loslassen wird ihn das Thema also erst einmal nicht. Und eine Rückkehr nach Deutschland beziehungsweise Hannover kann er sich deshalb auch nicht vorstellen: „Hannover war eine Station in meinem Leben wie viele andere auch mit Höhen und Tiefen. Es war eine schöne Zeit. Aber nun ist es an der Zeit, ein neues Kapitel zu schreiben.“

Mehr über Chris Twellmann gibt es auf seiner Homepage oder auf seiner Facebookseite.


Drei Fragen an Chris Twellmann

Chris, wie verlief das erste Treffen mit Michael Cudlitz auf der Walker Stalker Convention 2016 in London?

Es war super witzig. Ich war im Convention-Center oben auf dem Balkon und konnte auf seinen Stand schauen. Er sah mich und winkte mich zu sich. Es war vor der offiziellen Eröffnung. Lediglich freiwillige Helfer, Prominente und Gold-Ticket-Inhaber waren da. Ich ging also zu seinem Tisch und wartete außerhalb der Absperrung. Die Leute, die dort schon in der Schlange warteten, waren ein wenig verwirrt und schauten zwischen uns hin und her. Er sah mich, legte seinen Autogramm-Stift zur Seite, kam zu mir und wir umarmten uns. Es war schon komisch und verwirrend. Man kann es fast vertraut nennen. Wir sprachen kurz und dann ging er zurück zu seinem Tisch, da die Schlange immer länger wurde. Wir hatten aber am gleichen und folgenden Tag noch Zeit ausführlicher zu sprechen.

Du reist von Convention zu Convention, machst dort Fotos mit Fans und anderen Cosplayern. Schildere mal einen typischen Tag in deinem jetzigen Leben.

Ich denke, ich lebe ein Leben wie jeder andere auch. Es gibt halt Tage, an denen sitzt man die ganze Zeit am Rechner und arbeitet, und dann Tage, an denen bist Du auf Conventions und machst 100 oder mehr Fotos am Tag. Ein Tag auf der Con ist schon anstrengend, und egal, ob du einen guten oder schlechten Tag hast oder du müde oder sonst was bist, die Tage gehören den Besuchern! Meiner Meinung nach zahlen die Fans so viel Geld auf den Conventions, dass sie einfach nur gute Laune verdient haben.

Oftmals glauben die Leute nicht, dass ich nicht Michael bin, bis ich ihnen meinen Ausweis zeige. Oft höre ich den Satz, dass ich mehr nach Abraham aussehe als Michael. Das liegt aber daran, dass ich natürlich regelmäßig meine Haare färben darf und folglich dauerhaft als Redhead / Ginger (Rotschopf) rumlaufe, während Michael außerhalb seiner Drehzeiten meist mit blonden Haaren unterwegs war. Nebenbei bemerkt, wir sind beide blond.

Wie hoch wären Deine Überlebenschancen, wenn die Apokalypse ausbrechen würde?

Gute Frage, die ich mir tatsächlich schon öfter gestellt habe. Ich denke, sie wären gar nicht so schlecht. Es geht ja auch in der Ursprungsidee von Robert Kirkman in „The Walking Dead“ darum, wie sich die Gesellschaft in einer Apokalypse entwickeln würde. Es hängt natürlich viel davon ab, wo du lebst, welches Umfeld du hast und welche Menschen dich umgeben. Aber alles in allem denke ich, dass ich zumindest eine Zeitlang überleben könnte, solange mir nicht ein Bösewicht wie Negan über den Weg läuft. Man sollte halt in einer Apokalypse immer entsprechend vorbereitet sein. Es ist wie im normalen Leben. In unserer Zeit musst du arbeiten, um Geld zu verdienen, um gut leben zu können und dich in deinem Job und Leben behaupten zu können. In der Apokalypse musst du dich aber auch behaupten, um Nahrung, Wasser und andere Dinge zu bekommen. Das ist quasi der alltägliche Überlebenskampf.

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