Gespräch mit Hauptdarstellerin Katharina Luther: Spielfilm mit Karoline Schuch im Ersten

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Erstes Treffen: Martin Luther (Devid Striesow) begrüßt Katharina von Bora (Karoline Schuch). Foto: MDR/EIKON Süd/JunhansErstes Treffen: Martin Luther (Devid Striesow) begrüßt Katharina von Bora (Karoline Schuch). Foto: MDR/EIKON Süd/Junhans

Osnabrück. Mit fünf Jahren ins Kloster abgeschoben, mit 24 eine Gruppenflucht organisiert, mit 26 den Reformator geheiratet, mit 53 verarmt gestorben: Katharina von Bora hatte kein leichtes Leben. Aber sie war „eine, die Mut hatte“, sagt Karoline Schuch, die die „Lutherin“ spielt.

„Bevor ich das Rollenangebot bekommen habe, wusste ich gar nicht, dass Luther eine Frau hatte“, sagt Karoline Schuch . „Er kam mir immer wie der typische Single vor.“ Dann aber hat sich die gebürtige Thüringerin intensiv mit dem Leben der „Katharina von Bora“ – auch genannt „die Lutherin“ – beschäftigt. „Ich habe mich mit einem Historiker getroffen, der mir viel erzählt hat, Bücher über sie gelesen, sogar historische Romane.“ Und sie ging ins Kloster, um sich ein bisschen einfühlen zu können in diese Phase von Katharinas Leben. „Ich habe eine Woche in einem Zisterzienserinnenkloster in Sachsen verbracht“, erzählt Schuch im Gespräch mit unserer Redaktion. Alle Gebetszeiten habe sie mitgemacht, „sogar die erste morgens um halb fünf“. Beeindruckt haben sie besonders die Gesänge der Schwestern. „Ich kann mir schon vorstellen, dass das ein reizvolles Lebensmodell sein kann, so in der Gemeinschaft zu leben.“

Allerdings nur, „wenn das freiwillig geschieht“ – und da liegt bei Katharina von Bora das Problem. Der Film beginnt damit, dass die fünfjährige Katharina von ihrem Vater ins Kloster gebracht wird. Verarmter Adel: Man musste zwar eine Aufnahmegebühr bezahlen, war dann aber einen mehr oder weniger unnützen Esser los. „Sie muss ein gebrochenes Herz gehabt haben“, meint Karoline Schuch. „Ich war in dem Alter für eine Woche allein in Kur – und das hat mir schon vollkommen gereicht.“

Katharina von Bora hatte aber auch ein starkes Herz. Denn als sie etwa 15 Jahre später an die Schriften Martin Luthers kam, die ins Kloster geschmuggelt wurden, wurde ihr klar: „Ich will so nicht weiterleben. Ich will das ganze Leben.“ „Ein starker Satz“, findet Karoline Schuch: Das ganze Leben mit Gott, aber auch mit Mann und Kindern. Katharina schreibt Luther heimlich Briefe. Und sie organisiert eine „Gruppenflucht“: Mit mehreren Mitschwestern schleicht sie sich aus dem Kloster und schlägt sich nach Wittenberg durch, dem Zentrum der Reformation. Dort trifft sie ihn endlich: Martin Luther ( Devid Striesow ).

Aufgenommen werden die Frauen – historisch korrekt – in das große Haus des Malers Lucas Cranach. Vorübergehend, denn Cranachs Frau bringt es schnell auf den Punkt: „Ihr werdet heiraten müssen.“ – „Und wen?“ – „Irgendwen“. So hatte Katharina sich das allerdings nicht gedacht. Vom Zwangskloster in die Zwangsehe? Niemals. Bis sie auf das kommt, was für alle längst offensichtlich ist: Martin Luther, den würde sie gern heiraten. Und er sie, auch wenn sein Freund und Mitstreiter Philipp Melanchthon (Ludwig Trepte) wenig begeistert ist: „Von allen Frauen nicht ausgerechnet die! Sie ist eine hochmütige Adelige. Sie wird dir niemals gehorchen.“ Halb herum ist der Film, als die beiden endlich vor den Traualtar treten. Und spüren müssen, dass das „einfache Volk“ die Verbindung nicht gut heißt – Reformation hin oder her. „Das sündige Treiben der heiligen Leut‘, den Teufel in der Hölle freut!“, müssen sie sich anhören. Und die Angst, gesündigt zu haben und verflucht zu sein, verfolgt Katharina bis in die erste Schwangerschaft. Was, wenn es eine Teufelsbrut wird? Martin beruhigt: „Jahrhundertelang nichts als Angst. Unsere Kinder werden die ersten sein, die ohne Angst aufwachsen vor Gott und der Kirche.“

Es sind fremde Welten, in die der Film entführt. Auch fremd für Karoline Schuch, deren Rollen bislang eher im „Hier und Jetzt“ spielten, etwa als Tochter des Kölner Tatort-Kommissars Freddy Schenk. „Es stimmt schon, ich bin eher so der moderne Typ „, gibt Karoline Schuch im Gespräch mit unserer Zeitung zu. „Aber das Szenenbild hat mit sehr geholfen, mich einzufühlen.“ Der Matsch, durch den sie laufen musste, kiloschwere Kleider , das unbequeme Nonnenkostüm „bei 35 Grad, da spürt man, was es für eine Befreiung ist, es abzulegen.“ Eine schöne Erfahrung sei es gewesen, „mal ganz ungeschminkt“ zu spielen. „An ihre Grenzen gebracht“ habe sie dagegen die Szenen um den Tod der ältesten Tochter. „Das war schwierig für mich“, sagt die Schauspielerin, die selbst Mutter einer Tochter ist.

Und was beeindruckt sie an Katharina Luther am meisten? „Ihre Stärke und die Willenskraft“, sagt Schuch. „Das zu spielen in der ganz reduzierten Form, in der die Frauen sich damals bewegten und sprachen, das war sehr herausfordernd.“


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