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Zweiteiler gibt Einblicke in die Charité, Europas größtes Universitätsklinikum Wie arbeiten Spitzenmediziner?

Von Philipp Isenbart

Hoffnung in Blau: Prof. Peter Vajkoczy, der Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik der Charité, mit seinem Team im OP-Saal. Foto: MDRHoffnung in Blau: Prof. Peter Vajkoczy, der Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik der Charité, mit seinem Team im OP-Saal. Foto: MDR

Osnabrück. Die Charité ist Europas größtes Universitätsklinikum und Berlins zweitgrößter Arbeitgeber. Die erfahrensten Mediziner behandeln dort Fälle, an die sich manch anderer Arzt nicht herantraut. Erstmals gelang es einem Filmteam, rund um die Uhr in dem Klinikum zu drehen.

Professor Norbert Haas ist der Gottvater der Knochen. So wird der rüstige Leiter der Orthopädie und Unfallchirurgie zumindest im Stillen genannt. Der 63-Jährige verfolgt ehrgeizige Ziele: absolute Perfektion als Behandlungsstandard und die Formung der künftigen Ärzte-Elite mit harter Hand. Kein Wunder, dass mancher Mitarbeiter die Visite des Chefs fürchtet. Neben Haas’ Arbeit porträtiert das Team um den Regisseur Yousif Al-Chalabi den kräftezehrenden Klinikalltag zweier weiterer Professorenkollegen: Peter Vajkoczy ist Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik, Wolfgang Henrich ist Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin. Man lernt die Arbeitsweise der Spitzenmediziner ebenso kennen wie deren Motivation. Und bekommt interessante Einblicke in einen riesigen Krankenhausapparat, in dem jährlich mehr als eine halbe Million Patienten behandelt werden. Viele von ihnen haben bereits eine leidvolle Krankenkarriere hinter sich. So treiben falsch eingesetzte Prothesen, infizierte Wunden oder schief verheilte Knochen die Patienten zu Professor Haas: Er soll den vorangegangenen Pfusch weniger kompetenter Kollegen richten.

Im Mittelpunkt der zweiteiligen Dokumentation steht der Mensch. Und zwar ebenso der behandelnde Spezialist wie auch der Patient.So etwa eine 39-Jährige, die an der in Europa seltenen Moyamoya-Erkrankung leidet. Die Krankheit der Gehirngefäße begünstigt Schlaganfälle. In einer schwierigen Operation setzt Vajkoczy einen Bypass im Hirn der zweifachen Mutter. Man braucht schon gute Nerven, um ruhig mit anzusehen, wie sich der Chirurg durch die Schädeldecke der Frau fräst und anschließend am offenen Hirnopriert. Dabei unterlegt Al-Chalabi seine Bilder mit Informationen zu Behandlungsmethoden und Daten rund um die Charité. Neben den Medizinern lässt er auch die Patienten und ihre Angehörigen zu Wort kommen, die ihre Hoffnungen und Ängste schildern. Zum Beispiel die 27-jährige Julia Müller und ihren Partner. Nur ein rascher Kaiserschnitt kann deren Frühchen Max das Leben retten. Doch gibt es auch Notfälle ganz anderer Art. Etwa das zu knapp bemessene Personal, für das der Chefarzt Henrich ebenfalls eine „Behandlungsmethode“ parat hat: indem er bei Politikern für eine Personalaufstockung vorspricht.

Auch in der zweiten Folge stehen die Chefärzte im Mittelpunkt. Ebenso sind Patienten aus der ersten Sendung vertraut. Etwa die Tumorpatientin, die im Wachzustand am Hirn operiert wird.

Meine letzte Hoffnung – Chefärzte der Charité, 11.10., 21 Uhr, ARD (zweite Folge: 18.10., 21 Uhr, ARD)


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