Neue ZDF-Serie Matthias Matschke spielt schrägen „Professor T.“

Von Reinhard Lüke

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Während einer Vorlesung hat Professor Jasper Thalheim (Matthias Matschke, vorne) plötzlich eine Idee, wie er den Kriminalfall lösen kann. Foto: ZDF/Martin Valentin MenkeWährend einer Vorlesung hat Professor Jasper Thalheim (Matthias Matschke, vorne) plötzlich eine Idee, wie er den Kriminalfall lösen kann. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Osnabrück. Matthias Matschke gehört zu den wandlungsfähigsten deutschen Schauspielern. Ab heute spielt er den schrägen ZDF-Kriminologen „Professor T.“.

Er straft andere Menschen mit Missachtung, hat meist üble Laune, schleppt eine ganze Reihe neurotischer Ticks mit sich herum und weiß stets alles besser. Und am Ende liegt er damit auch noch immer richtig. Nein, dieser Jasper Thalheim, Professor für psychologische Kriminologie an der Uni Köln, ist wahrlich kein Sympathieträger. Dennoch erhebt das ZDF Professor T., wie er von seinen Studenten genannt wird, zum Titelhelden einer neuen Krimireihe, in der der Akademiker einer ehemaligen Studentin, die es inzwischen zur Kommissarin gebracht hat, bei der Lösung komplizierter Fälle hilft.

Schlechte Manieren von „Dr. House“?

Gespielt wird die Figur, die ein wenig aus den Ticks von „Monk“ und den schlechten Manieren von „Dr. House“ zusammengebastelt erscheint, von Matthias Matschke. Was etwas erstaunt, da der Schauspieler eigentlich beim ZDF in Ungnade gefallen war. Nachdem Matschke als Kommissar beim Magdeburger „Polizeiruf 110“ im Ersten angeheuert hatte, strich der Sender ihn kurzerhand aus dem Ensemble von „Helen Dorn“, wo er an der Seite von Anna Loos in vier Folgen den Kriminalhauptkommissar Gregor Georgi gespielt hatte. Seitens des ZDF wurde der Rauswurf seinerzeit als „dramaturgische Neuausrichtung“ ausgegeben. Und nun darf Matthias Matschke bei den Mainzern erstaunlicherweise sogar die Titelrolle in einer Krimiserie spielen.

„Das war überhaupt kein Problem“, erklärt der Schauspieler im Gespräch mit unserer Redaktion. „Womöglich hat es damit zu tun, dass Professor T. ja kein Kriminalkommissar oder überhaupt ein Ermittler ist. Zudem sind Dirk Köhler, den ich im „Polizeiruf“ spiele, und T. so grundverschiedene Typen, dass offenbar auch das ZDF hier keinerlei Gefahr einer Verwechslung sah.“ In der Tat hat der freundliche Kommissar aus Magdeburg auch nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem unsympathischen Professor aus Köln.

Ausgeprägte Bakterien-Phobie

In der ersten Folge lässt sich Thalheim denn auch von seiner ehemaligen Studentin Anneliese Deckert (Lucie Heinze) und deren Kollegen Daniel Winter (Andreas Helgi Schmidt) lange bitten, bevor er sich herablässt, ihnen beim Fall einer Vergewaltigung zu helfen, die vom Muster her stark an eine zehn Jahre zurückliegende, nie aufgeklärte Tat erinnert. Die Vorgesetzten des jungen Fahnder-Duos sind von der Mitwirkung des Professors alles andere als begeistert. Denn, was seine menschlichen Umgangsformen betrifft, ist der eitle Mann, der wegen seiner ausgeprägten Bakterien-Phobie stets Einweghandschuhe trägt, eine Katastrophe.

Erfunden wurde „Professor T.“ in Belgien, wo im flämischen Fernsehen inzwischen über dreißig Folgen der Serie mit großem Erfolg ausgestrahlt wurden. Wie nähert man sich als Schauspieler solch einer schrägen Figur? „Als ich mir zwei, drei Folgen des belgische Originals angesehen habe“, so Matthias Matschke, „war mir klar, dass ich Lust auf diese Figur hatte. Aber natürlich wollten wir keine 1:1-Kopie der Serie drehen, sondern schauen, was wir anders oder sogar besser machen könnten. Ich denke, bei unserem Professor T. ist die Mixtur aus Eitelkeit, Arroganz und kindlicher Hilflosigkeit, vor allem, was seine Beziehungen zu Frauen betrifft, deutlich ausgeprägter als im Original.“

Matschke gelingt das Kunststück, bei diesem arroganten, unsympathischen Typen eine Verletzlichkeit und Hilflosigkeit durchscheinen zu lassen, die ihn fast schon wieder bemitleidenswert macht. Darüber hinaus verleiht der Schauspieler seiner Figur mit minimalen Gesten auch immer wieder ungemein komische Züge.

Erstaunliche Bandbreite

Matthias Matschke gehörte zum Team von „Ladykracher“, spielt in „Pastewka“ Bastians Bruder Hagen und ist seit 2015 regelmäßig in der „heute-show“ mit von der Partie. Daneben stand er unter andern am Wiener Burgtheater auf der Bühne und ist regelmäßig in hochkarätigen Fernsehfilmen („Der Fall Barschel“) zu sehen. Für Matschke ist diese erstaunliche Bandbreite nichts Besonderes. „Für einen Theaterschauspieler“, so der 48-Jährige, ist es ganz normal, dass er heute in einem Drama und morgen in einer Komödie auf der Bühne steht. Und die Zeiten, dass man sich beim Film für ‚seriöse‘ Rollen disqualifizierte, wenn man in einer Comedy-Serie mitgespielte, sind zum Glück vorbei. Ich denke, diese Schubladen stammen aus der Nachkriegszeit, in der ein renommierter Darsteller wie etwa der Brecht-Schauspieler Theo Lingen für das Theater plötzlich nicht mehr akzeptabel war, weil er in Komödien wie den Pauker-Filmen mitgewirkt hatte. Ich bin kein Comedian, aber Komiker. Und das mit großem Stolz.“

Hinsichtlich der Qualität deutscher Serien sieht Matthias Matschke das Fernsehen auf einem guten Weg: „Wir sind da inzwischen“, ist der Schauspieler überzeugt, „absolut konkurrenzfähig. Wir sollten nur nicht den Fehler machen, ständig auf die USA zu schauen, sondern eigene Stoffe und Erzählformen entwickeln. Schon „Berlin Alexanderplatz“ war eine herausragende deutsche Fernsehserie und „Weissensee“ oder „Deutschland 83“ brauchen sich auf dem internationalen Markt hinter US-Produktionen nun wirklich nicht zu verstecken.“

„Professor T.: Die Rückkehr“: ZDF, Samstag, 4. Februar, 21.45 Uhr. Die weiteren drei Folgen folgen an den kommenden Samstagen.


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