Klaus J. Behrendt, Dietmar Schenk Tatort heute Abend aus Köln: Karnevalskrimi in Moll

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Osnabrück. Der Tatort kommt heute aus Köln und spielt – welche Überraschung – im Karneval. Allerdings ist „Tanzmariechen“ eher ein Krimi in Moll.

Auch wenn man natürlich auf andere Programm ausweichen kann, ist es unübersehbar: Karneval im Fernsehen gibt’s zu dieser Jahreszeit stets hart an der Grenze der Überdosierung. Da ist es nicht gerade sonderlich originell, einen Kölner Tatort“ zwei Wochen vor dem Rosenmontag in der fünften Jahreszeit anzusiedeln. Auch wenn die Handlung von „Tanzmariechen“ in den Tagen vor dem 11.11. spielt.

Am Anfang ist diesmal kein Mord, sondern ein Suizid: Eine junge Frau stürzt sich von einer Rheinbrücke in den Tod. Weniger später ist man mittendrin im Zickenkrieg der Tanztruppe des Karnevalsvereins „De Jecke Aape“. Deren überaus strenge Trainerin macht sich jede Menge Feinde – und wird kurz darauf erschlagen. Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmär Bär) haben einen Karnevalsfall, der in nur in ganz wenigen Szenen mal lustig ist.

Der Ernst hinter dem Frohsinn

Vielmehr haben Jürgen Werner (Buch) und Thomas Jauch (Regie) einen eher konventionellen Tatort um Ehrgeiz, Leistungsdruck, Mobbing und Egomanen, die den Karneval als Bühne zur Selbstdarstellung nutzen, entwickelt. Einen Krimi, der die todernsten Facetten des vordergründigen Frohsinns beleuchtet, dazu aber so manches Klischee verwendet.

Hier gibt es ein ausführliches Interview mit Drehbuchautor Jürgen Werner.

Da ist beispielsweise Günther Kowatsch, der Präsident des Karnevalsvereins (Herbert Knaup), der unbedingt ins große Rampenlicht will. Und da sind die in herzhafter Feindschaft verbundenen Tänzerinnen Annika (Natalia Rudziewicz) und Saskia (Sinja Dieks), die sich am liebsten gegenseitig aus der Truppe herausdrängen würden.

Tolle Rolle für Tristan Seith

Da ist aber auch der unverbesserliche Karnevalsjeck Rainer Pösel, der sich nicht einmal vom gerade mal zwei Monate zurückliegenden Suizid seiner Tochter davon abbringen lässt, die fünfte Jahreszeit als seinen Lebensinhalt zu begreifen. Das mag zwar überzogen sein, beschert Tristan Seith aber die feinste Rolle in diesem Krimi, mit der er zudem für etwas mehr Lokalkolorit sorgt als wir ihn sonst im Kölner Tatort erleben.

Dennoch: Mehr Tristesse war selten im kölschen Karneval. Das „Tanzmariechen“ badet in Moll, nur Ballauf sorgt für gelegentliche Heiterkeit im Fernsehsessel. Zum Beispiel, wenn er dem Kollegen Schenk sagt „Alfred, für mich wirst Du immer meine kleine Prinzessin sein“. Oder wenn er den Karneval beharrlich als „Fasching“ bezeichnet, was sogar einen Kölner an die Grenzen seiner Humorbelastbarkeit bringen kann.

„Das geht hier um Mord“

Klaus J. Behrendt ist es auch vorbehalten, einen Satz zu sagen, den man seinem Ballauf in jedem zweiten Tatort ins Drehbuch schreibt: „Das geht hier um Mord.“ Wahrlich nicht originell, aber so wie Behrendt dabei im tiefsten Westfälisch das o langzieht, immer wieder witzig.

Weiterlesen: So war der letzte Kölner Tatort.

Deutlich wird mit diesem Krimi auch, dass die Homosexualität endgültig im Tatort angekommen ist. Im Kölner Kommissariat verkörpert durch den „Assi“ Tobias Reiser (Patrick Abozen), der in dieser Folge gleich mehrfach Besuch von seinem Partner am Arbeitsplatz bekommt.

Besser erspart

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Tatort – allerdings mit einem Haken: Die alberne Schlussszene hätten uns Jürgen Werner und Thomas Jauch wirklich ersparen können. Sie passt einfach überhaupt nicht - am Ende muss der Karneval dann doch noch lustig sein. Und wenn‘s mit der Brechstange ist.

Tatort: Tanzmariechen - Das Erste, Sonntag, 19. Februar, 2015 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen

Tatort und Polizeiruf 110 - die nächsten Erstausstrahlungen:

  • Sonntag, 26.2.: Tatort: Babbeldasch (Ludwigshafen)
  • Sonntag, 5.3.: Tatort: Kriegssplitter (Luzern)
  • Sonntag, 12.3.: Tatort: Nachtsicht (Bremen)
  • Sonntag, 19.3.: Tatort: Borowski und das dunkle Netz (Kiel)
  • Ostermontag, 17. April: Tatort: Sturm (Dortmund)


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