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Ulrike Folkerts improvisierte Tatort heute Abend so schlecht wie noch nie? Unsinn!

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Osnabrück. Die „Bild“ warnte, heute Abend gebe es den „schlechtesten Tatort aller Zeiten“. Unsinn! „Babbeldasch“ mit Ulrike Folkerts ist nur ganz anders.

Fest steht: So einen Tatort wie heute Abend hat’s noch nie gegeben: Die Folge „Babbeldasch“ mit Ulrike Folkerts hat Regisseur Axel Ranisch ohne Drehbuch, ohne Proben, mit mehr Laiendarstellern als Profis und mehr Mundart denn je gedreht.

Einen Lena Odenthal-Tatort schalten in der Regel um die neun Millionen Zuschauer ein. Gut möglich, dass es an diesem Sonntag nach zehn Minuten nur noch sechs Millionen sind und die anderen drei Millionen aus- oder umgeschaltet haben. Verschreckt von der pfälzischen Mundart, die ihnen so massiv entgegenschwappt wie noch nie aus einem Tatort. Es wäre ärgerlich, denn „Babbeldasch“ ist ein Krimi, den man allein schon deshalb gesehen haben sollte, weil er so anders ist als all die anderen.

Weiterlesen: So gut war der letzte Odenthal-Tatort.

Regisseur Axel Ranisch, den Krimifreunde als den Ermittler Schröder aus der ARD-Krimireihe „Zorn“ kennen werden, ficht die Vorstellung von Millionen „Tatort-Flüchtlingen“ nicht sonderlich an: „Wenn es schlecht läuft, dann gucken ihn sich sechs Millionen Menschen an,“ sagt der 33-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Und schmunzelt. (Weiterlesen: Hier gibt‘s das komplette Interview mit Axel Ranisch)

Flucht in die Philharmonie

Das ist für ihn immer noch unglaublich, denn: „Wenn ich mir vorstelle, dass meine bisherigen vier Kinofilme von zusammen 50.000 Menschen gesehen wurden, dann geht mir schon ein bisschen die Pumpe.“ Auf jeden Fall sei er „viel zu sensibel, um mir irgendwelche spontanen Reaktionen im Netz anzugucken. Ich habe für den Abend, an dem mein Tatort läuft, sehr schöne Konzertkarten und höre mir in der Berliner Philharmonie Mahlers Dritte an.“

Und darum geht’s in seinem Krimi: Das Ludwigshafener Mundarttheater „Babbeldasch“ feiert 30-jähriges Bestehen. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat sich vom Kollegen Becker (Peter Espeloer) zum Besuch der Jubiläumsvorstellung überreden lassen, obwohl sie mit dem Genre etwas fremdelt. Das heitere Stück nimmt allerdings einen tragischen Verlauf: Theaterleiterin und Hauptdarstellerin Sophie Fetter (Malou Mott) stirbt in der Umkleidekabine, weil sie von einem Croissant nascht, den zuvor jemand heimlich mit Mohn befüllt hat. Auf dieses Zeug reagiert sie extrem allergisch. Und das Notfallset wurde aus ihrem Spint entfernt.

Lena Odenthal ermittelt inkognito

Fortan erscheint Sophie Fetter der Kommissarin in ihren Träumen und fordert sie dazu auf, ihren Mörder zu finden. Lena Odenthal nimmt inkognito Ermittlungen auf, wird Laiendarstellerin im Mundarttheater und erlebt, wie dort nicht nur Trauer herrscht, sondern auch alte Feindschaften und Eifersüchteleien hochkochen. Verdächtige gibt es plötzlich ganz viele.

Die Geschichte ist eher simpel, der Tatort selbst kommt tatsächlich ein wenig wie Mundarttheater daher. Darauf muss man sich einlassen, um Spaß an diesem etwas anderen Krimi zu finden. Aber dann wird man durchaus belohnt.

Frischer Wind für Folkerts

Ranisch mutet nicht nur seinem Publikum einiges zu, er hat es auch mit dem altbewährten Team getan: „Da wir – wie ich es immer mache – chronologisch gedreht haben, habe ich den Darstellern der Kommissare vorenthalten, wer der Mörder ist. Nur der Mörder wusste, dass er es ist.“

Auch die Hauptdarstellerin musste sich umstellen: „Ulrike (Folkerts) hatte sich mehrfach öffentlich Experimente und frischen Wind gewünscht, das hat sie nun gekriegt,“ sagt Ranisch lachend. „Das heißt, sie musste bei allen Bedenken erst mal gute Miene zum bösen Spiel machen. Nichtsdestotrotz habe ich wahrgenommen, dass es eine gewisse Skepsis gab. Aber wir haben uns im Vorfeld schon drei- oder viermal spielerisch kennengelernt, solche Sachen wie Familienaufstellungen gemacht.“

Workshops mit Laiendarstellern

Auch mit den Laiendarstellern des Ludwigshafener Mundarttheaters Hemshofschachtel traf er sich über ein Jahr hinweg zu sieben Wochenend-Workshops, um den Stoff zu erarbeiten: „Zielsetzung war, dass die Ensemblemitglieder Figuren entwickeln, die dicht an ihnen dran sind, aber nicht sie selbst, damit sie Material haben, aus dem sie schöpfen können. Am Ende stand tatsächlich für jeden eine Figur, in der sich die Person wohlgefühlt hat.“

Die gute Nachricht für alle Freunde des Odenthal-Tatorts lautet auf jeden Fall: Die nervigen Zickerein mit ihrer jungen Vorgesetzten Johanna Stern (Lisa Bitter) nehmen mit diesem Fall ein Ende. Das lag nicht nur Axel Ranisch am Herzen: „Das ist ja nicht nur den Zuschauern, sondern selbst den beiden Schauspielerinnen auf die Nerven gegangen. So etwas ist mal ganz schön als Konflikt für ein oder zwei Folgen, aber dann erschöpft es sich auch. Darin waren wir uns alle einig.“

Tatort: Babbeldasch – Das Erste, Sonntag, 26. Februar, 20.15 Uhr

Tatort und Polizeiruf 110 - die nächsten Erstausstrahlungen:

  • Sonntag, 5.3.: Tatort: Kriegssplitter (Luzern)
  • Sonntag, 12.3.: Tatort: Nachtsicht (Bremen)
  • Sonntag, 19.3.: Tatort: Borowski und das dunkle Netz (Kiel)
  • Ostermontag, 17. April: Tatort: Sturm (Dortmund)


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