TV-Programm am Montagabend „Das Sacher“ im ZDF: Julia Koschitz in Korsage

Von Marie-Luise Braun

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Osnabrück. Mit prominenten Schauspielern bis hinein in Nebenrollen ist der Zweiteiler „Sacher“ über das berühmte Wiener Hotel besetzt. Darunter sind Peter Simonischek, Joachim Król, Nina Proll, Simon Schwarz, Jasna Fritzi Bauer und Dietmar Bär. In den Hauptrollen sind Ursula Strauss, Josephine Preuß und Julia Koschitz zu sehen.

Mit dem Kopf und dem Herzen ist Julia Koschitz Monate nach den Dreharbeiten bereits ganz woanders. Nämlich bei den Proben zur deutschen Erstaufführung des Stücks „Ganzkörpereinsatz“ von Neil LaBute am 27. Januar an den Hamburger Kammerspielen. Wohl auch deshalb denkt die Schauspielerin im Telefonat mit unserer Redaktion oft etwas länger nach, bevor sie auf die Fragen zum Zweiteiler „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ antwortet.

Hier weiterlesen: Der Chef des Sacher kommt aus dem Osnabrücker Land.

Aber es liegt sicher auch an den vielen Gedanken, die sich die 41-Jährige über ihre Rollen macht, in die sie stets auf eine kluge Art komplett hineinzuschlüpfen scheint. Geholfen habe ihr dieses Mal auch das Kostüm samt Korsage, meint Koschitz. Bis ins 19. Jahrhundert sei sie zeitlich noch mit keiner Figur zurückgegangen: „Das hat mein Interesse sehr geweckt, diese Rolle anzunehmen.“

Wahre Begebenheiten

„Das Sacher“ beruht auf wahren Begebenheiten um Anna Sacher (großartig: Ursula Strauss) in den Jahren 1892 bis 1919. Anna (1859 bis 1930) übernimmt nach dem Tode ihres Mannes, des Gründers Eduard Sacher, die Leitung des Hotels. Soweit die Realität. Doch einige Szenen und Figuren in dem Drehbuch von Rodica Doehnert sind fiktiv.

Dazu gehört Martha Aderhold (Julia Koschitz). Die Tochter eines jüdischen Unternehmers (Joachim Król) gründet mit ihrem Mann Max (Florian Stetter) einen Verlag in Berlin. Im Sacher sucht Konstanze von Traunstein (Josefine Preuß) Marthas Kontakt. Die Frauen schließen Freundschaft und Konstanze wird unter einem Pseudonym eine renommierte Schriftstellerin. Ein Geheimnis, von dem nicht einmal ihr Mann Hans Georg (Laurence Rupp) etwas ahnt. Besser verstanden fühlt sich Konstanze von Marthas Mann Max, dem sie sich nach der Ermordung von Kaiserin Sissi in ihrer Trauer hingibt.

Der rote Faden

Nicht nur die spezielle Beziehung der beiden Paare zieht sich wie ein roter Faden durch die beiden Abende. Da ist auch Marie Stadler, die als Kind entführt und von einem Mann gefangen gehalten wird, bis sie sich als junge Frau (dann gespielt von Jasna Fritzi Bauer) befreit. Sie ist die uneheliche Tochter von Hans Georg und einem Zimmermädchen des Sacher.

Warum diese Anspielung auf Natascha Kampusch und ähnliche Fälle in Österreich sein muss, bleibt ein Rätsel. Denn oft wirkt die Geschichte überfrachtet. Es hätte durchaus gereicht, wenn sie sich auf die Rollen von Ursula Strauss und Julia Koschitz konzentriert hätte.

Josephine Preuß fällt ab

Mit ihrem Vermögen, ihre Figuren mit Eigenheiten und Leben zu füllen, deklassieren die beiden zwangsläufig Josephine Preuß als dritte Hauptfigur. Preuß sagt wie auswendig gelernt ihren Text auf, dabei wirkt sie so künstlich, als wolle sie Sprecherziehung leisten. Hin und wieder versucht sie sich wegen der Herkunft ihrer Figur an einem ungarischen Akzent. Diesen vergisst sie aber wenige Worte später wieder.

Ungewöhnlich wirkt manchmal auch die Sprache, die Koschitz und Stetter für ihr Paar gefunden haben. Der Zeit weit voraus, fast wie von heute klingen ihre Dialoge. „Florian und ich haben beschlossen, die beiden in der Direktheit der Sprache nah in die Jetzt-Zeit zu holen“, erläutert Koschitz. Es sei ein modernes Paar. Das gelingt zu transportieren.

Frauen unter Druck

Im Film blitzen immer wieder die Spannungen auf, in die Frauen damals hineingerieten, wenn sie mehr vom Leben wollten. Wie auch die zwischen Martha und ihrem Vater. „Der Konflikt zwischen den beiden basiert auf der Wahl ihres Mannes, der in den Augen des Vaters von Martha mehr profitiert als andersherum“, meint Koschitz.

Gedreht wurde in Wien, zum Teil im Hotel Sacher – in den Zimmern und im Ballsaal – zum Teil aber auch im Studio oder in Schlössern und einer alten Druckerei in der Umgebung. So wird auch hier das Spiel mit Fiktion und echter Geschichte fortgeführt.

Zu diesen beiden Ebenen sagt Koschitz: „Das hatte keinen Einfluss auf mein Spiel.“ Zumal ihre Figur ja fiktiv sei. Ihr sei wichtig gewesen, „Marthas Handeln glaubhaft zu machen, ihre Konsequenzen aus der Begegnungen der beiden Paare über die 20 Jahre so zu gestalten, dass man sie nachvollziehen kann.“ Das ist ihr gelungen.

Das Sacher. In bester Gesellschaft. Teil 1: Montag, 16. Januar; Teil 2: Mittwoch, 18. Januar; jeweils 20.15 Uhr, ZDF


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