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Was sagt Lohfink zum Prozess? Dschungelcamp 2017: Was darf Gina-Lisa zum Prozess sagen?


Berlin. Dschungelcamp 2017: Ihr Prozess wegen des Vorwurfs falscher Verdächtigungen geht in die Revision. Was darf sie bei RTL zum Thema sagen?

Was sagt Gina-Lisa Lohfink im Dschungelcamp 2017 zu ihrem Prozess wegen des Vorwurfs falscher Verdächtigung? Was darf sie überhaupt sagen? Die Fragen gehen an RTL und den Medienrechtler Christian Solmecke.

Gina-Lisa fliegt aus der Öffentlichkeit – ins Dschungelcamp 2017

„Es ist eine Katastrophe, in der Öffentlichkeit zu stehen.“ Das sagte Gina-Lisa Lohfink dem „Tagesspiegel“ zufolge, als sie im Prozess um ihre angebliche Vergewaltigung wegen falscher Verdächtigung verurteilt wurde – zu 80 Tagessätzen à 250 Euro. Und dass Lohfink dieses Urteil letztinstanzlich prüfen lässt, begründet ihr Anwalt in der „Bild“ damit, „dass das Gericht nicht berücksichtigt hat, welche Auswirkungen die öffentliche Berichterstattung auf das Seelenleben meiner Mandantin hatte“. (Mehr erfahren: Hier lesen Sie das Dschungelcamp-Interview mit Christian Solmecke im Wortlaut)

Dschungelcamp 2017: „Gina-Lisa kämpft weiter“

Es liegt also ein Fall unerschrockener Selbstüberwindung vor, wenn Lohfink sich ins Dschungelcamp wagt. Auch der Sender deutet es als Einsatz für die gute Sache und schreibt im Presseheft zur Show: „Gina-Lisa Lohfink kämpft weiter, für Gerechtigkeit und alle Frauen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist.“ Gemeint sind damit womöglich Frauen, gegen deren Willen intime Aufnahmen veröffentlicht worden sind. Denn über den Vergewaltigungsvorwurf, so erklärt es der Medienrechtler Christian Solmecke, wird nicht mehr verhandelt: „Das einzig offene Verfahren ist die Sprungrevision vor dem Kammergericht Berlin wegen falscher Verdächtigung. Dass die angebliche Vergewaltigung keine Vergewaltigung war, wurde zuvor bereits rechtskräftig entschieden“, so Solmecke. „Das Kammergericht Berlin überprüft lediglich, ob das erstinstanzliche Gericht eine rechtlich richtige Entscheidung getroffen hat. Eine neue Beweisaufnahme findet gerade nicht statt.“ (Dschungelcamp 2017 im Netz: Wo geht‘s zum Livestream und ganzen Folgen von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“?)

Warum hat RTL nicht die letzte Instanz abgewartet?

Bis zur endgültigen Klärung gilt für Lohfink die Unschuldsvermutung; falls die letzte Instanz das Urteil bestätigten sollte, entsteht allerdings ein hässlicher Eindruck: dass sich Straftaten wie eine falsche Verdächtigung im Dschungelcamp zu Geld machen lassen. 2015 war Lohfink noch zu unpopulär für „Promi Big Brother“. Bei der Publikumsabstimmung zur Teilnahme verlor sie gegen den Reality-Star J. J. Rühle. Dann kamen der Prozess und eine feministische „Nein heißt Nein“-Kampagne. Danach ist ihr Einzug ins Dschungelcamp der „Bild“ zufolge 150.000 Euro wert.

Hätte RTL nicht besser die letzte Instanz abgewartet? Der Sendersprecher weist das zurück: „Es ist ausschließlich Sache der Redaktion zu entscheiden, welcher Prominente Teilnehmer des Dschungelcamps wird.“ Auch sonst bleibt der Sender einsilbig: „Wir beabsichtigen nicht, durch die Ausstrahlung Rechte Dritter zu verletzen“, sagt der Sprecher zu einer etwaigen Wiederholung des Vergewaltigungsvorwurfs. Und über mögliche Sprachregelungen für die Kandidatin heißt es: „Frau Lohfink dürfte bewusst sein, dass Stellungnahmen zum Prozess der Wahrheit entsprechen sollten.“ (Neue Regeln, alte Rechnungen: Alles zum Dschungelcamp 2017 lesen Sie in unserem Blog)

Können RTL und Lohfink sich im Dschungelcamp 2017 strafbar machen?

Auch Medienrechtler Solmecke betont, dass Aussagen vor laufender Kamera „neue strafrechtliche Relevanz“ haben könnten. „Insofern wäre Frau Lohfink juristisch klug beraten, sich nicht zu dem Verfahren vor den laufenden Kameras zu äußern.“ Das gilt auch für den Sender, der keine Unwahrheiten auf Kosten Dritter verbreiten darf. Solmecke: „Sollte dieser Fall eintreten, könnte RTL ebenfalls rechtlich in Anspruch genommen werden.“

Aber auch jenseits des Rechts bleibt die Kandidatin eine Herausforderung für den Sender: Sexuelle Selbstbestimmung und öffentliche Vorverurteilung, Voyeurismus und Privatsphäre – all das wurde in der Lohfink-Debatte noch einmal massiv ideologisch aufgeladen. Nun wird es zum Thema eines Formats, das selbst eine der größten Suppenküchen für das Gebräu von Klatsch und Sex und ihrer kommerziellen Verwertung ist. Viel Glück! (Wer war schon bei „Aktenzeichen XY“? Testen Sie Ihr Wissen zum Dschungelcamp 2017)

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ startet am Freitag, 21.15 Uhr, auf RTL, danach bis zum Finale am Samstag, 28. Januar, täglich 22.15 Uhr.


„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ läuft im Frühjahr 2017 in der elften Staffel. Als RTL das Dschungelcamp 2004 zum ersten Mal in Deutschland präsentierte, protestierten Tierschützer und Menschenrechtler gleichermaßen. Inzwischen ist das Format so etabliert, dass selbst konservative Medien täglich berichten, wenn RTL 16 Tage lang die Nöte von Promis im australischen Dschungel zusammenschneidet. 2011 war das Dschungelcamp für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, 2013 sogar für den Grimme-Preis. RTL fährt mit der Event-Programmierung in täglicher Ausstrahlung regelmäßig gute Quoten ein: Mit bis zu 9,04 Millionen Zuschauern (Finalsendung des Jahres 2011) erreicht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ Zahlen in der Größenordnung des „Tatort“ – und das, obwohl die Show in der Regel erst gegen 22.15 Uhr beginnt. Sechs Staffeln lang hat Sona Zietlow das Dschungelcamp mit Dirk Bach moderiert; nach dessen Tod übernahm Daniel Hartwich im Jahr 2013 den Posten. Die Kandidaten der elften Staffel sind Nicole Mieth, Markus Majowski, Fräulein Menke, Hanka Rackwitz, Gina-Lisa Lohfink, Kader Loth, Thomas Häßler, Marc Terenzi, Florian Wess, Alexander „Honey“ Keen, Jens Büchner, Sarah Joelle Jahnel.

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