Millionen Zuschauer PietSmiet & Co stellen Game-Mitschnitte ins Netz

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Osnabrück. Bis 23 Uhr daddelt er, bis 2 Uhr bereitet er Spielmitschnitte auf, über Nacht wandelt der Computer sie fürs Web um, morgens sind sie online. Dann ist Zeit für Kontakte und Selbstverwaltung: So verläuft ein Arbeitstag von Peter Smits. Sein Game-Channel PietSmiet & Co hat bei YouTube eine Million Abonnenten. Ein Burger trägt seinen Namen.

Für Konsolen-Spieler gibt es nichts Schlimmeres, als anderen die Steuerung zu überlassen - meint man. In Wahrheit machen Millionen Online-User genau das: Sie gucken auf YouTube kommentierte Game-Mitschnitte, so genannte Let’s-plays. 11,5 Millionen Abonnenten folgen allein dem Schweden PewDiePie , , täglich kommen 50.000 hinzu.

Die deutschen Größen des Genres sind Gronkh , Sarazar - und PietSmiet alias Peter Smits. „Für viele sind wir Kaufberatung“, sagt der 24-jährige Kölner. „Die Fans gehen weg von der geschriebenen Kritik und hin zu emotionalen, subjektiven Videos. Die zweite Gruppe hofft auf Tricks für schwierige Spielsituationen. Das Gros will Unterhaltung.“

Weil die YouTuber sich selbst kommentieren, werden sie zu Sport-Reportern ihrer eigenen Spiele. „Gronkh erzählt gerne Geschichten“, sagt PietSmiet. „Wir dagegen sind die Chaos-Truppe. Allein schon weil wir zu sechst sind.“

Let’s-plays widerlegen das Klischee vom autistischen Gamer und inszenieren das Spielen als Gemeinschaftserfahrung. Smits‘ Fans - mehrheitlich Jungs zwischen 14 und 17 Jahren - haben ein Faible für verbalen Krawall: Auf der Tonspur sind PietSmiet-Clips ein vielstimmiges Johlen mit halbstarkem Vokabular („Fick dich! Deine Mudda faked Orgasmen!“). Im Eifer des Gefechts kanzeln die Gamer sich auch mal als „Mongos, Spasten und Homos“ ab.

Begreifen die User, dass die PietSmiet-Jungs in Wahrheit keine behindertenfeindlichen Schwulenhasser sind? „Ich hoffe es. Auch junge Menschen können Kraftausdrücke von Menschenverachtung unterscheiden“, sagt Smits, der bei kritischen Fragen reflektiert argumentiert. „Manchmal geht es mir mit dem Fluchen selbst zu weit.“ Immerhin: Das Wort „Neger“ ist bei ihm Tabu. Und weil auch PietSmiet & Co um ihren Einfluss wissen, vermeiden sie vor der Kamera zu rauchen.

Ein ungelöstes Problem ist für Smits die Altersbeschränkung: „Ein Großteil der aktuellen Spiele ist ab 18“, sagt er. In Let’s-plays kann jeder Zwölfjährige sie ansehen. „Beim Einstellen haben wir nicht einmal die Möglichkeit, eine Altersempfehlung vorzuschlagen. YouTube führt das Jugendschutzgesetz ad absurdum.“

Auf MyVideo, dem YouTube-Konkurrenten von ProSiebenSat.1, unterhalten die Let’s-Player mit „Hard Reset“ einen wöchentlichen Livestream. „TV-Sender sind mit der Altersbeschränkung sensibler“, sagt Smits. „Es ist nicht leicht, ausreichend Neuerscheinungen mit Jugendfreigabe zu finden.“

Dass sein MyVideo-Engagement ein Einstieg in ein TV-Format sein könnte, bezweifelt Smits: „Fernsehen ist für uns kein interessantes Medium; Videospiele funktionieren da nicht.“ Mit Realfilmen experimentiert er trotzdem - auf seinem Zweitkanal PietSmiet TV dokumentieren er und sein Team ihre Reisen zu Spiele-Entwicklern.

Widerstand von den Rechteinhabern erfährt das Genre kaum noch; die Game-Hersteller schätzen den Werbeeffekt. „Games können durch Let’s-plays ganz neue Gruppen von Spielern erreichen“, sagt Claas Wolter vom Spiele-Entwickler Daedalic. „Seitdem unsere Adventures in Let’s-Play-Videos vorgestellt werden, ist das Genre und ist Daedalic Schulhofthema.“

Bezahlte Let’s-plays als Auftragsarbeit hält Smits allerdings für kontraproduktiv: „Authentizität ist bei uns das höchste Gut. Wenn sich unser Urteil nach der Bezahlung richtet, merken die Fans das sofort.“ Sein Erwerbsmodell stützt sich bislang auf die Werbeeinnahmen, an denen YouTube die Channel-Betreiber beteiligt . Nicht einmal für den PietSmiet-Burger, den McDonald’s nach ihm getauft hat , hat er Geld gesehen. Und das, obwohl PietSmiet seinen wertvollen Namen inzwischen sogar schon als Marke schützen lässt.

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