zuletzt aktualisiert vor

Heute Abend im TV ZDF zeigt Jan Josef Liefers in „Mörderische Stille“


Dass Jan Josef Liefers in „Mörderische Stille“ die Hauptrolle spielen soll, stand für Autor und Regisseur Friedemann Fromm ganz früh fest. „Da gab es noch gar kein Drehbuch“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Und: „Ich wollte seine Talente jenseits des Humors zeigen.“ Das ist gelungen

Kommissar Holzer ( Jan Josef Liefers ) ist ein ganz ruhiger. In sich gekehrt. Die Arme um sich geschlungen, wie um sich warm zu halten. Dass er etwas Schlimmes hinter sich hat, das ist von Anfang an klar.

Seine türkischstämmige Kollegin Amal Catack (Ivan Anderson) ist dagegen ziemlich laut. Schon am Fundort einer Leiche in Wilhelmshaven macht sie durch ein gut hörbares Telefonat auf sich aufmerksam. Auch Amal scheint Probleme zu haben –­ privater Art. Und eine ungehobelte Art: „Verdammt, Holzer, schwing deinen Arsch hier rüber!“

Wasserleiche

Keine Probleme mehr hat die gut verschnürte, aber nicht sicher versenkte Leiche, die ein Angler aus dem Wasser zieht: Ein ehemaliger Offizier der niederländischen KFOR-Truppen im Kosovo war das, wie sich herausstellt. Und der hat ziemlich viel Dreck am Stecken. „Im Kern geht es in dem Film um die Frage von Schuld und wie wir damit umgehen“, sagt Autor und Regisseur Friedemann Fromm im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die einzelnen Figuren haben mit verschiedenen Formen der Schuld zu kämpfen, aber die Obertöne sind bei allen gleich: Schatten aus der Vergangenheit.“

Im Mittelpunkt steht – natürlich – der Fall. Und der reicht zurück in die späten 1990er Jahre. Damals wurde während des Kosovokriegs eine internationale KFOR-Mission eingerichtet. Ihr Mandat beinhaltete Aufbau und Erhaltung eines sicheren Umfelds im Kosovo, einschließlich öffentlicher Sicherheit und Ordnung, was auch die Ergreifung von Kriegsverbrechern einschloss.

Schlimme Kollateralschäden

„Diese Mission wurde in bester Absicht gestartet“, sagt Friedemann Fromm. „Aber sie ist auch ein Beispiel dafür, dass es bei allem guten Willen schlimme Kollateralschäden gab. Unter anderem Misshandlungen und Missbrauch von Frauen durch KFOR-Soldaten.“ Ein sperriges Thema für einen Montagabendkrimi im ZDF. „Ich will immer Themen verankern, die eine gewisse Relevanz haben“, sagt Fromm. „Aber das ist kein Themenfilm. Der Anspruch ist erst mal, einfach einen guten Film zu machen.“

Das ist zweifellos gelungen, vor allem wegen der gut gezeichneten Figuren und ihrer Darsteller. Da ist einerseits Jan Josef Liefers als „Holzer“ – der Name ist Programm. „Ich habe ihn schon in der Phase des Exposés angesprochen“, sagt Fromm. „Ich wollte dem Sender den Film als Paket mit Hauptdarsteller anbieten – das macht es leichter ihn durchzusetzen.“

Stresstrauma

Holzer ist eine echte Herausforderung, denn er leidet unter einem Stresstrauma. Ein Kunstgriff, das deutlich zu machen, ist der Tinitus, der ihn plagt. Und der ist immer mal wieder zu hören – als irritierender Ton, den man als Zuschauer zunächst gar nicht einordnen kann. „Dieser Tinituston erzählt ganz viel“, meint Friedemann Fromm. „Wir mussten aber auch rumprobieren, wie viel von dem hörbaren Ton geht, ohne die Zuschauer zu nerven.“

Und noch an einer weiteren Stelle spielt der „Ton“ – oder besser: der nicht vorhandene Ton – eine wichtige Rolle. Denn eine weitere Hauptperson, Elena, die geheimnisvolle Frau des Segellehrers Michael (Peter Lohmeyer), stammt aus dem Kosovo und ist gehörlos. „Im Rahmen meines Zivildienstes hatte ich immer wieder Kontakt mit Gehörlosen und bin seitdem fasziniert von dieser Art der Kommunikation“, erzählt Fromm. „Es gibt Situationen, in denen Worte die Wahrheit eher vernebeln, wo man ohne Worte Gefühle dichter erzählen kann.“

Preisgekrönt

Gespielt wird Elena von der französischen Schauspielerin Sylvie Testud , die vielen bekannt ist durch die Hauptrolle im dem preisgekrönten Film „Jenseits der Stille“ über eine Tochter gehörloser Eltern, die die Welt der Musik für sich entdeckt. „Mir war schon beim Schreiben klar, dass Sylvie für diese Rolle die ideale Besetzung sein würde“, sagt Friedemann Fromm. Sie zu bekommen, sei aber nicht ganz leicht gewesen, „weil französische Agenturen keine ganz gute Meinung von deutschen Filmen haben.“ Erst als diese Hürde überwunden war, kam Sylvie Testud mit an Bord.

Gedreht wurde der Film, der neben der Stille auch vom Wasser lebt, übrigens in Wilhelmshaven. „Ich fand Wilhelmshaven als Drehort ganz toll“, sagt Friedemann Fromm. „Die Rauheit ist faszinierend, und beim Dreh sind uns alle sehr hilfreich begegnet.“ Zudem passt der dortige Militärhafen zum Thema. „Da hatten wir schnell mal ein Kriegsschiff im Bild.“

Voller Ecken und Kanten

Nein, harmonisch ist dieser Film nicht. Eher herausfordernd, manchmal irritierend, sogar verstörend. Voller Ecken und Kanten und voller tiefsitzender Fragen, Probleme und Schuldgefühle. Aber unbedingt sehenswert.

Mörderische Stille - ZDF, Montag, 9. Januar, 20.15 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN