RTL2, Mittwoch, 21.15 Uhr Trennungsspecial über Sarah und Pietro Lombardi

Aus und vorbei ist die Ehe von Sarah und Pietro Lombardi. Foto: RTL II / Magdalena Possert/RTL II/obsAus und vorbei ist die Ehe von Sarah und Pietro Lombardi. Foto: RTL II / Magdalena Possert/RTL II/obs

Osnabrück. Das Fernsehen hat ihre gesamte Ehe begleitet, nur konsequent also, dass Sarah und Pietro Lombardi nun auch ihre Scheidung im Fernsehen zelebrieren. Mit „Sarah & Pietro - Die ganze Wahrheit“ zeigt RTL 2 am Mittwoch, 30.11., 21.15 Uhr, die Sendung zur Trennung. Und es gibt sogar ein paar Gründe, warum das sehenswert sein könnte.

Niemand will das Opfer von Häme werden, aber mal ganz ehrlich: Müsste es nicht viel leichter wegzustecken sein, ständig verspottet zu werden, als die lebende Herrensitzung Bernd Stelter in einer Talkshow sagen zu hören: „Ich muss sagen, ihr macht mir beide sehr viel Spaß!“ Wer sein ganzes Leben im Fernsehen ausbreitet, der wird von den richtigen Leuten geschmäht und von den falschen angekumpelt, so ist das leider. Aber wer alles in die Öffentlichkeit trägt, der hat ja in der Regel und vermutlich auch zum Glück kein Sensorium für solcherlei Tragik. Für alle, die gar nicht genau wissen, wer sich hier unter aller Augen zum Obst macht: Sarah Engels und Pietro Lombardi waren im Jahr 2011 die Finalisten der RTL-Musik-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Pietro gewann, Sarah unterlag, doch beide wurden ein Paar und ließen damit Millionen Fans aufschluchzen. Dann sangen die beiden gemeinsam, sie bekamen ein Kind, sie heirateten, und zwar nicht nur einander, sondern auch noch RTL 2.

Drei Doku-Soaps drehte RTL 2 über die Lombardis: „Sarah & Pietro ... bauen ein Haus“, „Sarah & Pietro ... bekommen ein Baby“, „Sarah & Pietro ... im Wohnmobil durch Italien“. Eine vierte wird es mutmaßlich nicht mehr geben, denn weil sich Sarah außerehelich vergnügt hat, will Pietro nun offenbar die Scheidung.

Vorher will die Schlammschlacht aber noch ordentlich vermarktet werden. Und nachdem sich die Eheleute Lombardi bislang kostenlos gezofft haben, werden sie für das RTL2-Trennungsspecial „Sarah & Pietro – Die ganze Wahrheit“ nun hoffentlich ordentlich entlohnt.

Nun mögen sich viele fragen, was sie das Ganze angeht. Ein Gesangspärchen aus der DSDS-Hölle, der musikalische Erfolg schon längst kaum noch als solcher zu bezeichnen – die letzte gemeinsame Single „Teil von mir“ schaffte es nicht einmal unter die Top 100.

Dennoch: So eine enge mediale Begleitung einer Partnerschaft, die überhaupt erst durch ein mediales Format dazu wurde, hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Außerdem waren die Lombardis noch nicht mal 20, als sie ihr gemeinsames Leben unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit begannen.

„Das Interesse der Fans an uns war so groß, da hatten wir das Gefühl, dass wir ihnen auch etwas zurückgeben mussten“, sagte Sarah Lombardi im August dieses Jahres in der NDR-Talkshow „Bettina und Bommes“ auf die Frage, warum sie und ihr Mann das Fernsehen zum ständigen Begleiter ihres Lebens gemacht haben. Und beängstigenderweise ist das wohl nicht mal gelogen. Sarah und Pietro Lombardi dürfen als die größten deutschen Exponenten der Generation Facebook gelten, als Anfangzwanziger, die das Wort „Privatsphäre“ zwar noch kennen, aber darunter auch nicht viel mehr verstehen, als nicht ungewollt mit Nacktfotos in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Interessant ist der Fall Lombardi auch, weil er so viele bewegt. Und es ist wohl kaum kühn zu behaupten, dass die Emotionen vielfach vor allem deshalb so schäumen, weil in dieser Beziehung die Frau fremdgegangen ist – verheiratet und auch noch junge Mutter.

Wie oft Sarah Lombardi in den sozialen Netzwerken eine „Schlampe“ genannt wurde, darf schon ein wenig betroffen machen. Und es liegt nicht nur daran, dass es für diesen Begriff kein männliches Synonym gibt: Frauen laden offenbar in unserer vermeintlich so aufgeklärten Gesellschaft beim Seitensprung noch immer mehr moralische Schuld auf sich als Männer. Vor allem, wenn sie Mütter sind.

Es gibt also schon ein paar Gründe, den Trennungskrieg im Hause Lombardi und vor allem die medialen und sozialen Reaktionen darauf ein wenig zu verfolgen. Interessanter und relevanter als das, was jemand wie Bernd Stelter zu bieten hat, ist es allemal.


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