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Gespräch mit Hauptdarstellern Wiedersehen mit den Gilmore Girls


Berlin. Vor neun Jahren endete die US-Erfolgsserie „Gilmore Girls“ um eine Mutter und ihre nur 16 Jahre jüngere Tochter nach sieben Staffeln. Ab Freitag, 25. November, 9 Uhr, läuft die von Fans langersehnte Fortsetzung bei Netflix.

Lauren Graham betritt den Raum im Hotel de Rome, und es ist unmöglich, nicht Lorelai Gilmore in ihr zu sehen. Sie redet so schnell, scherzt so viel und gestikuliert mit den Händen wie in ihrer berühmtesten Rolle – ob ihr das bewusst ist? „Als ich das Drehbuch das erste Mal las, dachte ich sofort: Das bin ich, das ist meins“, erzählt sie. Na also: Graham und Gilmore teilen nicht nur das Äußere und die Initialen, sondern auch Humor und Eloquenz.

Kein Wunder, dass die Schauspielerin es genossen hat, wieder einzutauchen in die Welt der fiktiven US-Ostküstenkleinstadt Stars Hollow, um mit ihren alten Kollegen die Geschichte weiterzuerzählen. „Ich war die ganze Zeit von großer Freude erfüllt“, sagt sie, inzwischen 49, über die Dreharbeiten. „Ich war wieder dort, wo ich hingehöre.“ Die auf den Punkt geschriebenen Drehbücher liebe sie und die Tatsache, dass Lorelei eine so optimistische und positive Figur sei. Graham hat nach „Gilmore Girls“ noch eine andere alleinerziehende Mutter gespielt, in der Familienserie „Parenthood“. Weniger patent und weniger selbstbewusst. „Das beeinflusst dann auch meine Stimmung“, sagt sie.

Eher Freundinnen als Mutter und Tochter: von dieser besonderen Beziehung wollte Serien-Erfinderin Amy Sherman-Palladino erzählen. Damit es nicht zu viel der Harmonie werde, erdachte sie zudem Lorelais Eltern Richard und Emily (Edward Herrmann und Kelly Bishop). Der in glänzenden Dialogen ausgefochtene Generationenkonflikt war eine der Triebfedern der sieben Serienstaffeln – neben dem komplizierten Liebesleben der Hauptfiguren. Luke oder Christopher, Logan oder Jess? Wie es mit der Liebe weitergeht, dazu hat Netflix alle Beteiligten bis zur Ausstrahlung der neuen Folgen zu strikter Geheimhaltung verdonnert. „Wenn ich etwas sagen würde, bekäme ich großen Ärger“, sagt Rory-Darstellerin Alexis Bledel (35) beim Interview.

Ganz anders betritt sie den Raum, in dem sieben Journalisten sie erwartungsvoll anblicken: Bledel ist zurückhaltender, leiser als Graham. Auch da sind Parallelen zur Figur zu erkennen. Aber als sie auf Rory angesprochen wird, taut sie auf. Hätte die nicht längst mit mehr Erfolg belohnt werden müssen für ihren jahrelangen Extrem-Einsatz an Schule und Uni? „Ja, ich weiß genau, was Sie meinen!“, Bledel ruft es fast. Dennoch: Amy Sherman-Palladino wisse schon, warum sie Rory Steine in den Weg legt. Das sei leider interessanter.

Bledel sieht es als Glücksfall an, dass das Revival der Erfolgsserie auch von ihren Erfindern geschrieben und inszeniert wurde. „Alles ist ganz und gar in ihrem Tonfall erzählt. Jeder, der die Serie liebte, wird deshalb auch die Fortsetzung lieben“, sagt sie. Und fast schüchtern schiebt sie ein „Hoffentlich“ hinterher.

Sie hat recht. Schon der erste Blick auf das verschneite Stars Hollow reicht. Alles ist noch da. Lukes Diner, Taylor Dooses Supermarkt, Miss Pattys Tanzschule — mitsamt ihren unverzichtbaren Besitzern. Und mitten auf dem Platz, am Pavillon, treffen sich Lorelai und Rory. Fast wie früher. Fast. Neu ist: Überall werden Selfies gemacht, ständig wird alles gegoogelt, Dorf-Unikum Kirk ist ergraut. Die Familie trauert zudem um Richard Gilmore; Darsteller Edward Herrmann starb 2014. Es ist viel passiert in den neun Jahren.

Wie bei einem Treffen mit alten Freunden sind die Veränderungen für einen Moment frappierend, das Vertraute berührend und die Fragen endlos. Jetzt gibt es endlich Antworten. Nicht mehr auf VOX, wie zu Anfang. Sondern bei Netflix. Auch beim Fernsehen haben sich die Zeiten geändert.


In Deutschland startete die US-Serie „Gilmore Girls“ 2004 ganz bescheiden bei Vox im täglichen Nachmittagsprogramm. Wegen des großen Erfolges wurden die letzten drei Staffeln wöchentlich abends gezeigt. Die siebte und letzte Staffel lief 2007. Dass nach der insgesamt 153. Folge Schluss sein sollte, erfuhren die Schauspieler erst nach den Dreharbeiten. Im Januar 2016 bestätigte Netflix, dass die Fortsetzung kommt.

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