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Kritik von Folge 4 „Fron“ The Walking Dead Staffel 7: Es formiert sich Widerstand

Von Manuela Kanies


Osnabrück. Angst und Schrecken bestimmen seit einigen Folgen das Geschehen in der siebten Staffel von „The Walking Dead“. In Folge 4 wird langsam deutlich, dass sich nicht alle Überlebenden einschüchtern lassen. Dazu mehr in unserer Kritik.

Achtung, im Text folgen Spoiler!

Das Wichtigste in Kürze

  • Negan plündert Alexandria
  • Daryl begleitet ihn, bleibt aber sein Gefangener
  • Alle müssen ihre Waffen abgeben
  • Rick schwört die Gruppe darauf ein, keinen Widerstand zu leisten
  • Niemand stirbt, außer ein paar Zombies

Mit 60 Minuten ist die vierte Folge der siebten Staffel von „The Walking Dead“ 20 Minuten länger als gewohnt, und die Handlung kommt tatsächlich auch etwas schneller voran. Folge 2 und 3 konzentrieren sich auf Einzelschicksale, in „Fron“ („Service“ ist der englische Titel) rückt die Entwicklung der Gemeinschaft wieder in den Mittelpunkt: Negan (Jeffrey Dean Morgan) stattet Alexandria einen verfrühten Besuch ab und nimmt sein Psychospiel mit Rick (Andrew Lincoln) wieder auf. (Rückblick: Was muss Daryl in Folge 3 durchmachen?)

Rick ist Negans neuer Handlanger

In der ersten Folge von Staffel 7 bricht Negan Rick mit Psychoterror und der brutalen Ermordung von Abraham (Michael Cudlitz) und Glenn (Steven Yeun). Sein Besuch in Alexandria lässt Rick deshalb in Angstschweiß ausbrechen: Nur ein Fehler und jemand stirbt. (Rückblick: Das passiert in Folge 1 von Staffel 7)

Während Negans Leute die Häuser von Alexandria plündern und die Einwohner demütigen, muss Rick Negans Baseballschläger Lucille tragen und den neuen Anführer durch die Gemeinschaft führen. Er wirkt demütig und eingeschüchtert. Zum Beispiel als sein Sohn Carl (Chandler Riggs) sich gegen die Plünderung mit einem Warnschuss wehrt, fleht Rick ihn an, keinen Widerstand zu leisten.

Carl und auch die anderen Einwohner verstehen diese Gefügigkeit nicht, der alte Rick, der hart durchgreift und seine Gegner ohne Skrupel tötet, scheint verschwunden zu sein. Denn schließlich erklärt er vor versammelter Mannschaft in der Kirche: „Ich bin hier nicht mehr der Anführer. Das ist Negan.“ (Rückblick: Carol und Morgan treffen in Folge 2 von Staffel 7 auf Ezekiel)

Daryl bleibt sein Gefangener

Auch Daryl (Norman Reedus) kann Rick nicht helfen. Daryl kommt mit Negans Leuten nach Alexandria, er darf aber mit niemandem reden. Außer traurigen Blicken Richtung Rick bleibt ihm nur die Rolle als gedemütigter Statist im Hintergrund. (Weiterlesen: Gute Quoten für Folge 1 von Staffel 7 von „The Walking Dead“)

Die Sache mit den Waffen

Negan will alle Waffen aus Alexandria haben, doch zwei fehlen aus dem Waffenlager, das von Olivia überwacht wird. Deshalb will er Olivia töten, wenn er die Waffen nicht bekommt. Rick und seine Leute finden sie schließlich in Spencers Haus und übergeben sie Negan.

Als Michonne nach Alexandria zurückkehrt – sie ist während Negans Besuch unterwegs und übt schießen – überzeugt Rick sie auch, die Waffen an die Saviors auszuhändigen. Ihr Schwert behält sie allerdings.

Nach dem Abzug der Saviors stellt Rick Spencer zur Rede, warum er Waffen und Vorräte versteckt hat, und der alte Konflikt bricht wieder auf: Spencer traut Rick nach wie vor nicht und macht ihm Vorwürfe, Rick weist ihn deutlich in seine Schranken. Freunde werden sie wohl nicht mehr und vielleicht hat Spencer recht: Mit Rick kam der Tod nach Alexandria.

Maggie wird für tot erklärt

Negan fällt bei seinem Rundgang auf, dass Maggie (Lauren Cohan) nicht da ist. Er vermutet aufgrund ihrer Reaktion bei Glenns Tod, dass sie Glenns Frau war und nun Witwe ist.

Negans Lieblingswort „Fuck“ aus der Comicvorlage wird aus der TV-Serie konsequent verbannt, denn sie läuft ja im amerikanischen Fernsehen, doch andere, schlimmere, widerwärtige Sätze darf er sagen, so auch über Maggie: Er mag Witwen, anfangs seien sie so leer, aber das würde dann nicht mehr lange so sein (wenn er mit ihnen fertig ist…). Das war noch einer der harmloseren Sätze. Niemand widerspricht ihm, nur Vater Gabriel, der aus dem Nichts auftaucht, was Negan irgendwie erschreckt.

Gabriel bittet Negan um ein wenig Respekt und zeigt ihm ein Grab, in dem Maggie liegen soll. Was, Maggie ist tot? Nein, keine Panik, das war ein geschicktes Ablenkungsmanöver von Vater Gabriel, der einen seltenen positiven Auftritt hat. Maggie ist, wie am Ende von Folge 1 angedeutet, mit Sasha unterwegs zum Arzt in Hilltop.

Seinen zweiten positiven Auftritt hat Gabriel, als er dem verzweifelten Rick bei der Suche nach den Waffen hilft und ihm Mut zuspricht. Woher Gabriel ihn auch nimmt, sein Optimismus ist erfrischend bei all der Verzweiflung in Alexandria.

Negan ist nachsichtig mit Carl

Dass Negan wie im Comic von Robert Kirkman ein besonderes Auge auf Ricks Sohn Carl geworfen hat, wird in Folge 1 von Staffel 7 bereits deutlich. Auch in Episode 4 geht er nachsichtig mit ihm um: Carl bedroht einen seiner Männer mit einer Waffe, doch das hat außer einer Zurechtweisung keine Konsequenzen für den Jungen. Was hat Negan wohl noch mit ihm vor?

Das Geheimnis um Judiths Vater wird gelüftet

Es geht fast unter: Am Ende erzählt Rick Michonne von der Affäre, die seine Frau Lori und sein Partner Shane (Jon Bernthal) zu Beginn der Apokalypse in Staffel 1 hatten. Obwohl er das Thema sonst vermeidet, sagt er ihr, dass er weiß, dass Judith nicht seine Tochter ist. Doch er sorgt für sie, als wäre sie sein leibliches Kind.

Damit (was alle Fans jahrelang irgendwie geahnt haben) macht er Michonne deutlich, dass man sich an Gegebenheiten anpassen kann, so schmerzlich sie auch sind. Michonne erwidert, dass sie versuchen wolle, sich an Negans Herrschaft zu gewöhnen, doch man nimmt es ihr nicht ab.

Es formiert sich Widerstand

Widerwille gegen Negan und seine Saviors ist überall zu spüren: Rosita besorgt sich eine Waffe und bittet Eugene, Kugeln herzustellen, was er bereits in Staffel 6 in Angriff nehmen wollte. Spencer lehnt sich gegen Rick auf, Aarons Freund Eric fragt Rick offen, wie es weitergehen soll. Michonne und Carl wollen nicht einsehen, dass sie nichts tun können, selbst Vater Gabriel strahlt Kampfeswillen aus.

Während Rick zu folgen scheint, überlegen vor allem die Frauen bereits, wie sie sich widersetzen können. Doch ist Rick so gebrochen, wie er scheint? Als er Negan seinen Baseballschläger zurückgeben soll, wirkt es kurz, als würde er Negan damit erschlagen wollen. Der alte Anführer steckt noch in ihm. Oder ist dieser Anführer gar nicht so anders als Negan?

Als die Saviors die Videokamera finden, mit der Deanna die Interviews für die Aufnahme in Alexandria in Staffel 5 gefilmt hat, sagt Negan angesichts von Rick: „Mit dem würde ich mich nicht anlegen wollen.“

Fazit von Folge 4 „Fron“

Jeffrey Dean Morgans erste Auftritte sind angsteinflößend, wecken aber auch Sympathien für Negan. Doch in Episode 4 wirkt sein Schauspiel teilweise wie eine Karikatur, er übertreibt es mit der Körpersprache, dem breiten Grinsen und seiner Überheblichkeit. Dadurch wirkt Negan zeitweise unecht und weniger bedrohlich. Man merkt dem Schauspieler zu sehr an, wie viel Spaß er daran hat, diese Rolle zu spielen.

Und letztlich hat Negan Angst vor Ricks alter Ego, er weiß, wie schmal der Grat ist, auf dem er wandert. Rick und Daryl wirken zwar gebrochen, doch unter ihrer Fassade brodelt es. Das wirkt alles zu vorhersehbar, als Zuschauer ahnt man, dass es bald zum Showdown kommen wird.

Spannung wird in Folge 4 deshalb wenig aufgebaut, die Saviors sind nur anhand ihrer Anzahl an Mitgliedern den anderen überlegen. Die Handlung schreitet in „Fron“ zwar voran, aber ohne Überraschungs- und Spannungsmomente. (Weiterlesen: Wo läuft „The Walking Dead“?)

In Folge 5 „Draufgänger“ geht es in Alexandria und Hilltop weiter, die Episode wird nächsten Montag, 21. November 2016, ab 21 Uhr auf dem Pay-TV-Sender Fox ausgestrahlt. (Weiterlesen: Trailer zu Folge 5 zeigt Ereignisse in Hilltop)


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