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Deutschland tanzt 2016 Deutschland tanzt: Pocher siegt für Niedersachsen als Trump

Von Daniel Benedict


Berlin. „Deutschland tanzt“ – Pocher siegt und Ingmar Stadelmann darf in der Tänzerlounge der Pro-Sieben-Show Zoten reißen, die die Welt nicht braucht.

Pro Sieben attackiert mit „Deutschland tanzt 2016“ den Dance-Sender RTL („Let‘s Dance“). Und zuallerst fällt der Backstage-Moderator Ingmar Stadelmann auf – der die Show mit Ekel-Zoten weit unter das Niveau von Joachim Llambi reißt.

Pro Sieben erfindet mit „Deutschland tanzt“ den Kessel Buntes neu

Ein Mittsechziger imitiert mit dem Charme des Boulevardtheaters die kuriosen Moden der Teenager: Als Wolfgang Lippert im Kapitänsdress HipHop tanzt, sucht man intuitiv nach dem Senderlogo. Ist man vielleicht doch beim MDR? Der Sender von Stefan Raab ist es jedenfalls nicht mehr. In biederster Unschuld moderiert Lena Gercke die Kandidaten des föderalen Tanzabends mit regionalen Spezialitäten ihrer Bundesländer an. Muntere Einspieler zeigen die Promis in der landschaftlichen Schönheit ihrer Heimat. „Thüringen steht für Goethe und ist das Bundesland der Gartenzwerge“, sagt Janin Ullmann. Yared Dibaba verschmaust in Bremen die örtliche Grützwurst „Knipp“. Und wenn die Stars dann endlich tanzen, kriegen sie Songs, die zur Person passen: Xenia von Sachsen (verstoßener Adel) tritt mit Rokoko-Perücken auf, eine „Tatort“-Kommissarin kommt unter Waffen auf die Bühne. Zwischendurch lächelt die Weinkönigin in der Schalte aus der Pfalz. Im schlimmesten Fall haben die Nummern sogar eine Botschaft: Avelina Boateng vertanzt für Berlin die Geschichte der deutschen Teilung. Am Ende gibt es dann douze points aus 16 Ländern. Die Punkte aus Thüringen kommen aus der größten begehbaren Bratwurst der Welt. (Deutschland tanzt 2016: Mehr als ein Klon von „Let‘s Dance“? Alle Fakten

Ingmar Stadelmann reißt Zoten: Was soll der Mann bei „Deutschland tanzt“?

„14 Jahre – und so geil getanzt“, lobt Ingmar Stadelmann Magdalena Brzeskas Tochter Noemi. Geil getanzt und notgeil moderiert. Der Sportkommentator Roman Frieling sieht Noemi in vier Jahren sogar bei den Olympischen Spielen – und fantasiert sich dann als Physiotherapeut der Frauenmannschaft. Brrr. Während Frielings Humor allenfalls minderjährige Kandidaten in Verlegenheit bringt, nimmt Kollege Stadelmann sich furchtlos auch die hartgesottenen Erotiker des Boulevards vor: Im Gespräch mit Shermine Shahrivar („Playboy“ 10/2010) ersehnt er sich die hottesten Moves noch einmal in Slowmotion. Und nach dem Tango des Bachelors Jan Kralitschka bemerkt er: „Einen Tango hat man nur richtig getanzt, wenn man hinterher ein nasses Knie hat.“ Eklig. (In einer ersten Version habe ich die Physiotherapeuten-Fantasie fälschlicherweise auch Stadelmann zugeordnet; ich bitte, den Irrtum zu entschuldigen.) mehr erfahren: Kann man tanzen, ohne zu hören? Kassandra kann!

Elisabeth Brück lehrt „Deutschland tanzt 2016“ das Fürchten

Elisabeth Brück ermittelt im Saarbrücker „Tatort“, und wohl deshalb tanzt sie einen Suspense-Tango zum James-Bond-Hit „Goldeneye“. Und selbst in den Totalen jagt ihr eisiger Gesichtsausdruck dem Zuschauer tiefe Schrecken durch den Leib. Brück nimmt den unterkühlten Sex sämtlicher Bond-Girls, multipliziert ihn mit sich selbst und legt noch eine Schaufel eigener Ambitionen obendrauf. „Engagiert“, nennt Tanzprofi Roman Frieling ihr Gesicht aus der Expertenkabine heraus. Seine Kollegin Nikeata Thompson findet es „nicht zuviel“. Um diese Fehleinschätzung einzuordnen, muss man erlebt haben, wie Thompson selbst eine ganze Staffel „Got to Dance“ zerbrüllt. (Kann man tanzen, ohne zu hören? Kassandra Wedel kann!

Janni Hönscheid und Peer Kusmagk küsseln sich durch „Deutschland tanzt“

Über der Bühne wabern rosa Luftballons, zur Choreografie gehört ein in die Luft geschriebenes Herz: Janni Hönscheid und Peer Kusmagk lassen nichts aus. Nachdem sie sich eben erst bei in der Nudisten-Show „Adam sucht Eva“ splitternackt ineinander verliebt haben, lassen sie jetzt das Turteltäubchen raushängen. Im Einspieler küssen und balgen sie sich am Strand von Sylt; im Studio küssen sie weiter. Die beiden sind so glücklich, dass man Karies davon bekommt.

Oliver Pocher macht Trump zum Show-Gag

Als Schluss- und Höhepunkt von „Deutschland tanzt“ inszeniert Pro Sieben ausgerechnet Oliver Pochers Auftritt. Wer hätte das gedacht: Der Mann also, der von allen 16 Teilnehmern am wenigsten tanzen kann, gilt unter lauter Könnern als die Top-Nummer. Verblüffenderweise parodiert er dann gar nicht die Posen des Profi-Tanzes, sondern – Donald Trump. Mit karottengelbem Make-up und Hamster-Toupet buhlt er um die Wählerstimmen des Publikumsvotings. Immerhin: Mit Pocher kann wenigstens einer schon wieder über Trumps Wahlsieg lachen.

Wer ist weiter, wer ist raus bei „Deutschland tanzt 2016“?

Mit 154 Punkten gewinnt Oliver Pocher als Donald Trump in der Publikumsabstimmung vor der gehörlosen Tänzerin Kassandra Wedel (Bayern, 141 Punkte) und Magdalena Brzeska mit ihrer Tochter Noemi (Baden-Württemberg, 114 Punkte). Rausgeflogen sind das Saarland, Sachsen-Anhalt, NRW und Sachsen. (Avelina Boateng? Ist das die Schwester von Jérôme?)

Die Ergebnisse von „Deutschland tanzt 2016“ im Überblick:

  • Oliver Pocher (Niedersachsen, 154 Punkte),
  • Kassandra Wedel (Bayern, 141 Punkte),
  • Magdalena Brzeska & Tochter Noemi (Baden-Württemberg, 114 Punkte),
  • Avelina Boateng (Berlin, 100 Punkte),
  • Janin Ullmann (Thüringen, 74 Punkte),
  • Fernanda Brandao (Hamburg, 70 Punkte),
  • Friedrich Liechtenstein (Brandenburg, 63 Punkte),
  • Yared Dibaba (Bremen 49 Punkte),
  • Taynara Wolf (Hessen, 42 Punkte),
  • Wolfgang Lippert (Mecklenburg-Vorpommern, 28 Punkte),
  • Nils Brunkhorst (Rheinland-Pfalz, 21 Punkte),
  • Peer Kusmagk & Janni Hönscheid (Schleswig-Holstein, 19 Punkte),
  • Xenia Prinzessin von Sachsen (Sachsen, 15 Punkte, ausgeschieden),
  • Shermine Shahrivar (Nordrhein-Westfalen, 14 Punkte, ausgeschieden),
  • Jan Kralitschka (Sachsen-Anhalt, 12 Punkte, ausgeschieden),
  • Elisabeth Brück (Saarland, 12 Punkte, ausgeschieden).

Deutschland tanzt 2016: Livestream, ganze Folge, App-TV

Wer „Deutschland tanzt 2016“ digital sehen will, hat verschiedene Möglichkeiten. Erst seit Kurzem bietet die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe zu ihren Sendern kostenlose Apps, über die das Programm mobil abgerufen werden kann; dort ist die Tanz-Show im Livestream, aber auch als ganze Folge zum Nachsehen verfügbar. (Hier geht‘s zu Sat.1 bei iTunes und bei Google Play .) Außerdem unterhält die Sendergruppe die Mediathek „7TV“, in der ebenfalls ganze Folgen von „Deutschland tanzt 2016“ angeschaut werden können. Kostenlos ist dabei aber nur die nachträgliche Sichtung, wer die Livestreams der Sender Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1, Sixx, Pro Sieben MAXX oder Sat.1 Gold nutzen will, zahlt nach einer 30-tägigen Testphase 2,99 Euro im Monat. („Hochzeit auf den ersten Blick 2016 startet: Wer ist noch zusammen?)


„Deutschland tanzt 2016“ ist eine Mini-Show-Reihe, in der Pro Sieben den Promi-Tanzwettbewerb von „Let‘s Dance“ mit dem föderalen Konzept des Bundesvision Song Contests kreuzt: 16 Prominente von Avelina Boateng bis Yared Dibaba treten für ihre Bundesländer an. Die Show läuft ab dem 12. November 2016 an drei Samstagen ab 20.15 Uhr auf Pro Sieben.

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