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Ab 25. November 2016 auf Netflix Sechs Gründe, warum die Gilmore Girls nerven

Von Manuela Kanies

Lauren Graham (links) als Lorelai, Alexis Bledel als Rory in „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“. Foto: Saeed Adyani/NetflixLauren Graham (links) als Lorelai, Alexis Bledel als Rory in „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“. Foto: Saeed Adyani/Netflix

Osnabrück. Die Serie „Gilmore Girls“, von vielen jungen Frauen vergöttert, feiert ihr Comeback am 25. November 2016 bei Netflix. Jede Frau liebt diese Serie? Nein, nicht jede. Hier sechs Gründe, warum die „Gilmore Girls“ einfach nur nerven.

Lorelai Gilmore

Gute Serien leben von einem spannenden Plot, aber vor allem von interessanten Charakteren. Dazu zählt Lorelai Gilmore (Lauren Graham) nicht: Sie liebt es, sich beim Reden zuzuhören, so sehr, dass sie alle ständig unterbricht. Eine Konversation mit ihr ist kaum möglich, dabei überbietet sie sich noch im Schnellreden. Ihre Witze sind nicht lustig, ihr Tonfall oft respektlos und völlig überdreht. Dazu wirkt sie künstlich und emotionslos. (Weiterlesen: Warum jeder Gilmore Girls lieben muss)

Erstaunlich, dass so viele Männer es mit ihr aushalten wollen (und wenig überraschend, dass sie es nicht schaffen): Luke (Scott Patterson), ihr Ex Christopher (David Sutcliffe) und diverse Nebencharaktere, die nur da sind, um ihre Beziehung zwischen den anderen beiden unnötig kompliziert zu machen.

Ihr Verhältnis zu ihren Eltern ist mies, doch lässt sie sich auf einen Deal ein, damit sie die Ausbildung ihrer Tochter Rory (Alexis Bledel) finanzieren. Als sie sich ihren Traum vom eigenen Hotel erfüllen will, bittet sie ihren (Ex-)Freund Luke darum, ihr Geld zu leihen. Sie will unabhängig sein, macht sich aber permanent von anderen abhängig. Emanzipation adé. (Weiterlesen: Wann und wo laufen alle Staffeln von „Gilmore Girls“?)

Rory Gilmore

Lorelai ist kein Vorbild, die Hoffnung ruht also auf Rory. Herrscht in den ersten Staffeln noch eitel Sonnenschein zwischen Mutter und Tochter, gerät ihre Beziehung später in eine Krise. Weil Rory pubertäre, falsche Entscheidungen trifft, ihre Mutter sie aber nicht unterstützt. Kein Wunder, dass Rory ihr entflieht und bei den spießigen Großeltern unterkommt.

Doch Rory wird dadurch auch nicht sympathischer: Sie wirkt zunehmend snobistisch und kreist ebenfalls immer um die gleichen Männer. Dean (Jared Padalecki), Jess (Milo Ventimiglia) und Logan (Matt Czuchry) haben es ihr angetan, alle drei im Wechsel über die sieben Staffeln hinweg. Ihre berufliche Zukunft wird davon beeinträchtigt, am Ende bringen ihr die Liebesgeschichten und Dramen nur Ärger ein. (Weiterlesen: Was die Stars aus „Gilmore Girls“ heute machen)

Die Männer

Die Männer haben es in „Gilmore Girls“ nicht einfach. Dean ist hübsch, aber nicht der hellste. Jess der wortkarge Bad Boy, ohne ein wirklicher Bad Boy zu sein. Logan der snobistische Draufgänger, der überraschenderweise zu Gefühlen in der Lage ist.

Luke der Diner-Besitzer, der nicht in der Lage ist, zu seinen Gefühlen zu Lorelai zu stehen. Christopher, der Ex, der seine Fehler wieder gut machen will, aber bei dem kleinsten Problem wieder abhaut. Klischees, wohin man schaut.

Und über allem die Frage: Warum interessieren sich diese Männer für die nervigen und überdrehten Gilmore Girls, die ihre Überlegenheit anderen gegenüber in zahllosen Popkultur-Anspielungen beweisen müssen?

Die Witze

Sie sind nicht witzig. Egal, ob auf deutsch oder in englisch, sie sind einfach nicht witzig. Weder aus heutiger oder damaliger Sicht. „Friends“ ist witzig, „Sex and the City“ ist witzig, „Seinfeld“, „King of Queens“, „Two and a half Men“, „Scrubs“, „Der Prinz von Bel Air“, „Malcolm Mittendrin“ – alle witzig. Nur die „Gilmore Girls“ sind es nicht.

Die Dialoge

Normalerweise umfasst ein Drehbuch zu einer Serienfolge 45 bis 50 Seiten. Bei den „Gilmore Girls“ sind es 75 bis 80 Seiten Drehbuch pro Episode. Seltsam, dass die Serie trotzdem so inhaltsleer und ideenlos ist. Sieben Staffeln lang geht es um Beziehungen zu denselben Leuten, Probleme werden mit fettigem Essen, Kaffee und Alkohol bekämpft und zu Wort kommen eh nur Lorelai und Rory.

Verschwendetes Talent: Melissa McCarthy

Oh, eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der USA spielte in „Gilmore Girls“ mit? Warum fällt Komödiantin Melissa McCarthy bloß nicht auf? Richtig, weil Lorelai ihrer Freundin und späteren Geschäftspartnerin dauernd über den Mund fährt.

Sookie ist nur ein blasser Sidekick in einer großen Reihe von traurigen Nebendarstellern, die sich nicht entfalten können. Denn die Dominanz der „Gilmore Girls“ ist einfach übermächtig. Zum Glück gibt es ab dem 25. November 2016 nur vier neue Folgen, hoffentlich ohne Fortsetzung.