Nach Tatort diskutiert Anne Will Tatort heute Abend aus Kiel: Borowski und der Islam


Osnabrück. Der Tatort kommt heute Abend aus Kiel: Borowski (Axel Milberg) unter Flüchtlingen, der IS mitten in Deutschland, Schleier in der Schule – ein starker Krimi mit einem mauen Ende.

„Liebe Mama, wenn Du das hier liest, werde ich nicht mehr da sein.“ Es sind wohl die schlimmsten Worte, die eine Tochter ihrer Mutter hinterlassen kann. Und sie prägen mitsamt dem Bild eines unter dem Schleier finster dreinblickenden Mädchens den Auftakt zu diesem Kieler Tatort mit den Ermittlern Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel Kekilli).

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Julias einst beste Freundin Maria ist gewaltsam ums Leben gekommen, und die Schülerin bezichtigt ihren eigenen Bruder des Mordes. Julia (Mala Emde) hat sich längst nicht nur von ihrer Freundin losgesagt, sondern von ihrem gesamten bisherigen Leben. Sie ist ohne Wissen ihrer Mutter zum Islam konvertiert und salafistischen Anwerbern auf den Leim gegangen, die ihr bei den Kriegern des IS in Syrien das Paradies versprechen.

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Brisanter Fall, ärgerliche Auflösung

Regisseur und Grimmepreis-Träger Reymond Ley, der sich bislang vor allem durch ausgezeichnete Dokudramen einen Namen machte, legt einen brisanten und spannenden Tatort als erste rein fiktionale Arbeit vor – und macht am Ende einiges davon kaputt. Denn die Auflösung des anfänglichen Mordfalls und auch der übrigen Geschichte ist ausgesprochen schwach. Da macht es sich Ley ein bisschen einfach und wird vom eigenen Mut verlassen.

Aber zugegeben: Einfach ist es wahrlich nicht mit diesem Stoff: Wer einen ganzen Tatort lang Moslems in Deutschland überwiegend als salafastische Verschwörer und Gewalttäter zeigt, wird anschließend womöglich in eine Ecke gestellt, in die er gar nicht gehört. Da kann man als Autor oder zuständige Redaktion schon mal auf die Idee kommen, dass ganz schnell noch ein paar andere Bösewichter hermüssen.

Ein bisschen feige

Und das ist dann doch ein bisschen feige. Denn natürlich gibt es dieses Problem in Deutschland, gibt es etwa 9000 Salafisten in diesem Land, reisen etliche von ihnen aus, um in Syrien für den IS zu kämpfen, während andere Anschläge da begehen sollen, wo sie leben. Darunter auch Deutsche.

So aber spielt in diesem Krimi mal wieder der Staatsschutz eine unrühmliche Rolle, dem in „Borowski und das verlorene Mädchen“ der sichtbar alt gewordene „Bootsführer“ Jürgen Prochnow (75) ein schäbiges Gesicht verleiht. In welchem deutschen Fernsehkrimi hat der Staatsschutz eigentlich jemals eine gute Rolle gespielt? Auch Raymond Ley verpasst es, da mal eine Überraschung zu landen.

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Kommissare unter Flüchtlingen

Dass die Kommissare quasi durch eine Flüchtlingsunterkunft zu ihrem Arbeitsplatz gelangen, hat indes tatsächlich einen ganz realen Hintergrund: „Seit Oktober 2015 sind in die ehemalige Marinetechnikschule in Kiel 300 Flüchtlinge eingezogen, dort befindet sich auch das Motiv für unser Kommissariat,“ berichtet die zuständige NDR-Redakteurin Sabine Holtgrewe. „Wir haben uns entschieden, diesen besonderen Umstand mitzuerzählen.“ Zum Glück, denn so sieht man in diesem Film wenigstens auch ein paar sympathische Moslems.

Nächste Woche 1000. Tatort

Wie schon in der vergangenen Woche nach dem Bremer Tatort, wird das Thema des Krimis auch an diesem Sonntag bei Anne Will diskutiert: „Mein Leben für Allah - Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ heißt es um 21.45 Uhr im Ersten. Teilnehmer der Diskussion sind:

  • Sascha Mané, seine Tochter ging im Sommer 2015 nach Syrien
  • Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz
  • Wolfgang Bosbach (CDU), Innenexperte
  • Ahmad Mansour, Islamismus-Experte und Psychologe
  • Mohamed Taha Sabri, Imam der Dar-as-Salam Moschee in Berlin Neukölln

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Borowski-Fans werden übrigens nicht lange auf den nächsten Auftritt des Kieler Kommissars warten müssen. Schon nächsten Sonntag (13. November) ist er im 1000. Tatort zu sehen – diesmal allerdings nicht an der Seite von Sarah Brandt, sondern gemeinsam mit der niedersächsischen Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) als Geisel in einem „Taxi nach Leipzig“. Ein vollkommen anderer, aber auch sehr sehenswerter Krimi.

Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen – Das Erste, Sonntag, 6. November, 20.15 Uhr

Wertung: 5 von 6 Sternen


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