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Kritik zu „Der Brunnen“ The Walking Dead Staffel 7: Ein neues Paradies in Folge 2


Osnabrück. Weg von grausamen Morden, hin zu einer paradiesisch wirkenden neuen Gemeinschaft: In der zweiten Folge der siebten Staffel von „The Walking Dead“ werden neue Charaktere eingeführt. Mehr darüber lesen Sie in unserer Kritik von „Der Brunnen“.

Achtung, im Text folgen Spoiler!

Das Wichtigste in Kürze

Comicfans haben lange auf die beiden gewartet, nun sind sie da: König Ezekiel und sein Tiger Shiva! Die zweite Folge der siebten Staffel von „The Walking Dead“ beschäftigt sich mit Ereignissen in der Gemeinschaft, die das Königreich genannt wird, und wie sich Morgan (Lennie James) und Carol (Melissa McBride) dort einfinden. Schnell entdecken die beiden, dass das vermeintliche Paradies unter der Herrschaft von Ezekiel auch ein Geheimnis hat, sie werden ebenfalls von Negan (Jeffrey Dean Morgan) erpresst. 

(Rückblick: Was passiert in der ersten Folge von Staffel 7 von „The Walking Dead“?)

Wer ist König Ezekiel?

Zu Beginn der Episode werden Carol und Morgan von bewaffneten Männern in einer Art Rüstung zu einem Ort gebracht, der das Königreich genannt wird. Carol muss sich von ihren Wunden aus dem Kampf mit einem von Negans Männern erholen, anschließend bringt Morgan sie zum Anführer des Königreichs, Ezekiel (Khary Payton). Ungläubig nimmt Carol die Nachricht auf, dass er König genannt wird. Genauso ungläubig starrt sie auf Ezekiel in seinem Thron, auf der Bühne eines Schultheaters, inszeniert wie ein mittelalterliches Relikt mit Requisiten. Und neben ihm faucht sein Tiger Shiva die neuen Gäste an.

Carol flüchtet sich in ihre Rolle als unwissendes, liebes Frauchen, um ihre Vergangenheit und Absichten zu verschleiern. Es stellt sich heraus, dass Ezekiel sie willkommen heißt, solange sie ihren Beitrag für die Gemeinschaft leisten. (Lesen Sie dazu auch unsere Zusammenfassung von Staffel 6: Was war gut, was war schlecht?)

Nach der Audienz macht Carol Morgan klar, dass sie nach Alexandria zurück will, Morgan jedoch scheint sein neues Zuhause zu favorisieren. Als Carol sich später am Abend aufmacht, das Königreich zu verlassen, stolpert sie in Ezekiels Garten, in dem er sich am liebsten aufhält. In dem darauffolgenden Gespräch wird klar, dass alles an Ezekiel nur Tarnung ist, ein Märchen, an das die Leute gerne glauben wollen in diesen schweren Zeiten. „Wer bin ich, dass ich diese Seifenblase zum Platzen bringe?“

Ezekiel stellt sich als starker Charakter mit festen Glaubenssätzen heraus, der das Gute erschaffen und erhalten will. Er erklärt Carol, dass er ihr Schauspiel durchschaut hat, sie aber gut verstehen kann. Schließlich ist auch er nichts anderes als ein Hobbyschauspieler, er war vor der Apokalypse Pfleger im Zoo. Dort rettete er einmal Shivas Leben, seitdem ist die Tigerdame ihm treu ergeben. „Sie ist das letzte in meinem Leben, das ich geliebt habe.“

Warum hält Ezekiel sein Abkommen mit Negan geheim?

Ezekiel hat auch Morgan in seinen Bann geschlagen: Er nimmt den Pazifisten mit zu einer Jagd, während der deutlich wird, dass Morgan noch stark damit zu kämpfen hat, dass er einen Menschen getötet hat. Bei der Jagd stehen aber nicht Zombies im Fokus, sondern Schweine, die eingefangen und mit Zombiefleisch gefüttert werden. Sie sind der wöchentliche Tribut an Negan und die Saviors.

Ezekiel macht Morgan mit dem Zusammentreffen mit den Saviors klar, in welche Gefahr er sich begeben hat, als er einen von ihnen tötete. Auch die Menschen aus dem Königreich werden von Negan mit dem Tod bestraft, sollten sie nicht Woche für Woche Lebensmittel liefern.

Ebenso unmissverständlich macht Ezekiel klar, dass Morgan dieses Abkommen geheim halten muss. Denn die Menschen im Königreich ahnen nichts davon, Ezekiel will sie so beschützen. Er hat Angst, dass sie sich sonst gegen Negan auflehnen und kämpfen würden, doch diesen Kampf können sie nicht gewinnen. (Weiterlesen: Gute Quoten für Staffelauftakt von The Walking Dead)

Warum will Morgan im Königreich bleiben?

Morgan bekommt nicht nur Ezekiels Vertrauen in seine Kampfkünste und seine Verschwiegenheit, sondern auch einen Auftrag: Er soll einen jungen Mann, Ben, trainieren. Ben ist der Sohn eines der besten Kämpfer des Königreiches, der vor einiger Zeit bei einem Zwischenfall gestorben ist.

Ezekiel scheint Großes mit Ben vorzuhaben, so dass Morgan sich darauf einlässt und ihn trainiert. Morgan hat im Königreich eine neue Aufgabe gefunden und Menschen, die ihm vertrauen. Im Gegensatz zu den Menschen in Alexandria, vor allem Rick und Carol. (Weiterlesen: The Walking Dead wird verlängert: Staffel 8 ab 2017 auf Fox)

Warum will Carol das Königreich verlassen?

Wie in Alexandria, will Carol das Königreich schnell wieder verlassen. Als sie Ezekiel im Garten zurücklassen will, entschuldigt er sich für all das Schlechte, das ihr widerfahren ist. Er weiß, wie es ist, sich alleine zu fühlen, sagt aber auch, dass es trotz allem noch Gutes in der Welt gibt. Es besteht noch Hoffnung auf Heldentum, Gnade und die Liebe existieren immer noch. Ezekiel hofft, dass Carol nicht vor dem Leben davonläuft, denn das müsse sie nicht. Er nimmt die Widersprüche der Welt an und könne ihr zeigen, welchen Weg sie einschlagen muss.

Damit hat Ezekiel einen wunden Punkt bei Carol getroffen: Denn ihre Flucht vor den Morden, die sie begangen hat, und der Grausamkeit in der Welt, lässt sie daran zweifeln, dass es noch etwas Gutes gibt. Sie hatte in Alexandria das Gefühl, sich hinter einer freundlichen Fassade verstecken zu müssen, doch Ezekiel bietet ihr nun Hilfe an, weil er versteht, was sie empfindet. Morgan soll sie zu einem Haus in der Nähe begleiten, wo sie sich aufhalten kann, zwar außerhalb des Königreichs, aber nah genug dran, um Hilfe zu holen, wenn etwas passiert.

Ein Kompromiss, auf den Carol eingeht. Als sie sich in dem Haus eingerichtet hat, klopft es an der Tür: Dort steht der König und bietet ihr Obst an. Langsam stiehlt sich ein ehrliches Lächeln auf Carols Gesicht, dann endet Folge 2.

War noch was?

Ja, es gibt direkt zu Beginn einen Kampf gegen Zombies. Vielleicht, damit die Fans nach der letzten brutalen Folge nicht allzu sehr unter Action-Entzug leiden? Dank Carols Halluzinationen, sie hält die Beißer für normale Menschen, werden die Mitglieder des Königreichs zu Helden in strahlender Rüstung.

Überhaupt bekommt das Königreich einen überdeutlichen mittelalterlichen Anstrich, dank der Pferde, auf denen sie in die Zombieschlacht reiten, der Rüstungen und der Hintergrundmusik. „Das ist ein Zirkus“, stellt Carol fest. Ein bisschen zu sehr Zirkus, damit das Königreich sich von den anderen Gemeinschaften abhebt.

Fazit zu Folge 2 „Der Brunnen“

Ein bisschen Action mit Zombies, eine neue Gemeinschaft, ein neuer Charakter: Folge 2 von Staffel 7 ist atmosphärisch dicht, allerdings wird das Königreich zu paradiesisch dargestellt. Wie beim Eintreffen in Alexandria sieht alles auf den ersten Blick phantastisch aus, ein bisschen zu kitschig ist auch ein Lied, das von einem Chor gesungen wird und einige Ereignisse untermalt.

Leicht übertrieben wirkt auch König Ezekiel, von Shiva ganz zu schweigen, allerdings ist das Tier eine gelungene Computeranimation. Von allem ein Hauch zu viel, so wirkt „Der Brunnen“, zum Glück überdeckt das aber nicht die starken Charaktere der Folge.

Allen voran Carol, deren Zwiespalt eine der besten Entwicklungen in „The Walking Dead“ ist. Morgans Entsetzen über seinen gebrochenen Schwur bekommt zwar nicht viel Raum, aber genauso viel, dass es stimmig ist. Neben Carol steht Ezekiel im Vordergrund, dieser selbsternannte König, der zuerst skurril und durchgeknallt wirkt, aber schnell seine interessante Hintergrundgeschichte erzählt. Damit ist er für den Zuschauer greifbar, seine Motive nachvollziehbar. Die Darstellung von Ezekiel durch Khary Payton ist gelungen, der König wirkt machtvoll, aber gnädig. Und wie ein vernünftiger Anführer, der vermeiden will, dass Menschen aus seiner Gemeinschaft sterben.

In der Episode werden noch ungewöhnlich witzige Dialoge zwischen Carol und Morgan geführt, die sich mittlerweile gegenseitig besser verstehen. Die Szene zwischen Ezekiel und Carol im Garten überzeugt ebenfalls durch einen für die Serie ungewöhnlich guten Dialog. Bitte mehr davon!

„Der Brunnen“ zeigt Aspekte von „The Walking Dead“, die ausbaufähig und interessant sind. Allerdings hätte man als zweite Folge die Rückkehr von Ricks Gruppe nach Alexandria erwartet, wo sie versuchen, mit dem Tod von Glenn und Abraham fertig zu werden. Wie auch in Staffel 6 werden Handlungsstränge nicht konsequent verfolgt, es geht zu viel durcheinander.

Besser wäre es gewesen, die Folge mit Carol und Morgan später zu zeigen, um die Spannung, die in Episode 1 am Ende aufgebaut wurde, nicht kaputt zu machen. Jetzt will man in Folge 3 aber wissen, wie es im Königreich weitergeht, das wird aber wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt. So wirken die Folgen lieblos aneinandergereiht und bauen Spannung ab, indem die Wechsel von Gruppe zu Gruppe zu schnell vonstattengehen.

Episode 3 von Staffel 7 von „The Walking Dead“ wird nächsten Montag, 7. November 2016, ab 21 Uhr auf dem Pay-TV-Sender Fox ausgestrahlt.  (Weiterlesen: Wo läuft „The Walking Dead“?)


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