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Tod der Elfenfrau Was taugen Franka Potentes Island-Krimis?

Von Daniel Benedict


Berlin. Die ARD ermittelt in Island: Für zwei Donnerstagskrimis ist Franka Potente als Hobby-Ermittlerin ins deutsche Fernsehen zurückgekehrt. Auf „Der Tote im Westfjord“ folgt eine Woche später „Tod der Elfenfrau“.

Island hat einfach alles für eine Krimireihe im Ersten: malerische Landschaften, urige Originale und eine gesunde Elfenpopulation für den Mysterytouch. Bedauerlicherweise verbucht die Kriminalstatistik nur zwei Morde pro Jahr. Die Autoren der Islandkrimis geben es selbst zu, deuten aber auch den Fehler dahinter an: Die schlechten Zahlen verdanken sich Polizisten, die Verbrechen schlicht übersehen. „Der Tote im Westfjord“ etwa, der im ersten Fall im Hafenbecken treibt, gilt den Behörden als Unfallopfer. Nur gut, dass die Krimi-Autorin Solveig Karlsdóttir gerade aus Reykjavik ins Heimatstädtchen reist – und die Ermittlung aufnimmt. (Diese Rolle schnappte Kate Winslet mir weg: Franka Potente im Interview)

Franka Potente: Aus Hollywood zur ARD

Franka Potente lebt seit Jahren in Los Angeles, wo der Fernsehboom sie mit Rollen versorgt. Gerade hat sie „Taboo“ abgedreht, eine BBC-Miniserie von und mit Tom Hardy. Für die Island-Krimis ist sie wieder ins deutsche Fernsehen zurückgekehrt – und freut sich, dass auch ihr Mann Derek Richardson eine Rolle bekommen hat. Er spielt Solveigs Bruder. „Die Island-Krimis ließen sich mit den Kids machen, die waren da im Kindergarten und haben einen tollen Sommer in Island gehabt“, sagt die zweifache Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion. „Meine Eltern waren auch mit dabei, die von Derek auch. Es war wie ein Familienprojekt.“ (Bizarrer Aufstieg: Niels Ruf geht als Sexismus-Experte zu n-tv)

Der Tote im Westfjord: Wer ist Franka Potentes Solveig?

Die Autoren Don Bohlinger und Nils-Morten Osburg nehmen sich viel Zeit für ihre Hauptfigur: Mit bunten Sonnenbrillen und Mützen wird die moderne Miss Marple zur Identifikationsfigur vieler Mittvierziger: Die Kreativkarriere füllt sie nur halb aus. Ihre späte Jugend wird unaufhaltsam von der Verantwortung für eine schon leicht demente Mutter abgelöst. Und in den urbanen Alltag mischt sich Heimweh nach der Kindheit in der Provinz.

Regisseur Till Endemann betont im Presseheft die „Verpflichtung“, Island angemessen darzustellen. Dazu gehören im ersten Krimi die ökonomischen Realitäten: Hintergrund des Mordes ist die Not kleiner Fischereibetriebe, die von den Marktriesen nur für ihre Fangrechte aufgekauft werden. Für Solveigs Schnüffelei gilt der Realismusanspruch allerdings nicht: Wenn sie eigenmächtig Leichen obduziert, muss sie zwar noch in die Aufbahrung einbrechen. Bald sind ihre Fähigkeiten aber schon so etabliert, dass der Kommissar sie Mordverdächtige verhören lässt.

Tod der Elfenfrau: Her mit den kleinen Elfen!

Der zweite Fall schwenkt dann in Richtung Folklore um: Beim „Tod der Elfenfrau“ geht es weniger um die Bauprojekte, der eine Elfenbeauftragte womöglich im Weg stand – als eben vielmehr um die Elfen, für die hier besonders Frauen, Kinder und Demente einen siebten Sinn haben. Auch Solveig profitiert bei ihren Ermittlungen von Wachträumen: In Schlüsselsituationen erscheint ihr eine Zwillingsschwester, die als Kind zu Tode kam. Die Umstände der Tragödie bleiben so geheimnisvoll, dass man intuitiv nach dem Ausstrahlungstermin von Teil 3 sucht. Ob es aber wirklich weitere Island-Krimis gibt, weiß bislang noch nicht mal die Hauptdarstellerin.

Und wie ist die Quote von Franka Potentes Island-Krimis?

Die Neugier auf die Deutsche aus Hollywood war groß: Mit dem ersten ihrer zwei Island-Krimis holte Franka Potente bei den Einschaltquoten den Tagessieg. 4,95 Millionen Zuschauer sahen zu, wie Solveig zwischen Toten und Elfen ermittelte. Das ZDF hatte mit der Komödie „Hilfe, wir sind offline“ auf Humor statt Spannung gesetzt und nur 3,65 Millionen Zuschauer für sich begeistern können – obwohl der Filmspaß mit Nina Kunzendorf und Christoph M. Ohrt ebenfalls hochkarätig besetzt war. Beim Potentes zweitem Fall „Tod der Elfenfrau“ bekommt der Krimi dann Show-Konkurrenz: Im ZDF zeigt Johannes B. Kerner am Donnerstag ein Special seines „Quiz-Champion“.

„Island-Krimi: Der Tote im Westfjord“: Donnerstag, 27. Oktober 2016, 20.15 Uhr. „Tod der Elfenfrau“, Donnerstag, 3. November 2016, 20.15 Uhr.


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