„Elton!“ und „Leider lustig“ Fernsehen trifft Youtube: Neue Comedy im Kika

Von Marcel Kawentel


Osnabrück. Nicht nur im Fernsehen ist Comedy ein Publikumsmagnet. Doch abgesehen von eingekauften Sitcoms ist diese Sparte im deutschen Kinderfernsehen noch unterentwickelt. Der Kika startet am Samstagnachmittag eine Spaßoffensive mit zwei neuen Formaten: „Elton!“ und „Leider lustig“.

„Wir wollten gezielt den Spaßfaktor erhöhen,“ erklärt Dorothee Herrmann, Redaktionsleiterin für Unterhaltung Kinder und Jugend beim ZDF. „Die Welt ist so ernst, da sollen die Kinder auch mal lachen dürfen.“

Nachdem Comedy-Shootingstar Luke Mockridge 2013 mit „Occupy School“ im Kinderkanal von ARD und ZDF für Lacher gesorgt hatte, sollte mehr als ein Nachfolgeformat her. Mit dem Showformat „Elton!“ setzt man auf ein etabliertes Gesicht, moderiert der Ex-Sidekick von Stefan Raab doch schon seit 2010 den Kinderklassiker „1,2 oder 3“. Die Zutaten der neuen Sendung sind zwar alles andere als neu: es gibt eine Rubrik, in der Elton auf Fananfrage Streiche spielt. Ein Studiogast schaut vorbei und sitzt auf riesenhaften Stühlen, wie im „Pottspark“. Der Charme der Show entsteht durch Eltons bewährte Art, sich selbst vorzuführen. Das funktioniert immerhin solide.

Youtube trifft Fernsehen

Etwas progressiver kommt das zweite Spaßformat daher, das der Kika gleich im Anschluss sendet: „Leider lustig“. Die Sendung wird moderiert von Youtuber Marti Fischer, der bereits bei „Occupy School“ als Stimmenimitator auftrat und praktischerweise auch gleich als Studiogast in der ersten „Elton!“-Ausgabe auftritt, um Werbung für seine Show zu machen. Auf seinem Youtube-Kanal „Clavinover“ erklärt der gelernte Synchronsprecher mit Humor, wie Musik funktioniert.

Bei „Leider lustig“ spielt Musik eher eine Nebenrolle. Vieles an der Show erinnert an gängige Youtube-Comedy, etwa der Webcam-Moderationsstil und der Kinderzimmer-Look des Studios. Trotzdem dominieren eher fernsehtypische Elemente wie Sketche oder das Interview mit einem Studiogast, in der Auftaktfolge mit Komiker Chris Tall .

„Das ist schon eine krasse Erfahrung, wenn man das zum ersten Mal macht,“ erzählt Marti Fischer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Strukturiertheit beim Fernsehen ist sehr beeindruckend. Als klassischer Youtuber muss man alles selbst erledigen, von der Konzeption bis zum Schnitt.“ Für seine Youtube-Videos hat Fischer sich darum Einiges vom Fernsehbetrieb abgeschaut. „Zum Beispiel, wie man gutes Licht setzt und ein Bild einrichtet. Was sehr viel Spaß gemacht hat, war, mit professionellen Schauspielern Sketche zu drehen. Auch bei der Moderation war ich nach meinen Fernseherfahrungen lockerer und trainierter. „

„Scheiße“ sagen ist erlaubt

Die Mischung aus klassischem Fernsehen und Youtube, die bei „Leider lustig“ gut zu beobachten ist, steht beispielhaft für eine Entwicklung, die Marti Fischer in den letzten Jahren beobachtet: „Lange Zeit wurde Youtube das neue Fernsehen genannt, und das Fernsehen hat sich ein wenig auf den Schlips getreten gefühlt, glaube ich. Mittlerweile gehen beide aufeinander zu und reichen sich die Hände.“ Thematisch orientiert sich „Leider lustig“ an der Lebenswelt von Grundschülern und Preteens. „Je jünger die Kinder, desto kleiner die Lebenswelt,“ erklärt Dorothee Herrmann vom ZDF. „Da funktioniert Humor eher über Slapstick und Body Action. Je älter die Zuschauer sind, desto mehr Ironie und Sprachwitz verstehen sie.“

Marti Fischer musste sich bei der Moderation von „Leider lustig“ vor allem im Bezug auf die Sprache umstellen – keine sexuellen Anspielungen, kein Fäkalhumor. „Wobei ich gelernt habe, dass man mittlerweile im Kinderfernsehen auch mal ‚Scheiße‘ sagen darf, ohne dass einem jemand auf die Finger haut,“ lacht Fischer.

„Elton!“ startet am Samstag, 22.10., um 16.55 Uhr, „Leider lustig“ im Anschluss um 17.20 Uhr im Kika.