Dokumentation im Ersten „Inside Nordkorea“: Bittere Realsatire

Die achtjährige Sin Mi ist die Heldin des Filmes. Vitalij Manskij und sein Team haben sie und ihre Familie ein Jahr lang begleitet. Foto: MDR/Saxonia Entertainment GmbHDie achtjährige Sin Mi ist die Heldin des Filmes. Vitalij Manskij und sein Team haben sie und ihre Familie ein Jahr lang begleitet. Foto: MDR/Saxonia Entertainment GmbH

Osnabrück Dem Dokumentarfilmer Vitalij Manskij ist mit „Inside Nordorea“ (Das Erste, 19. Oktober, 22.45 Uhr) trotz Zensur und Kontrolle ein kleiner Geniestreich gelungen.

Nordkorea ist „der beste kommunistische Staat der Welt“, davon ist die achtjährige Sin Mi felsenfest überzeugt. Das weiß ja jedes Kind, seit der „Geliebte Führer“ und „Ewige Präsident“, der 1994 verstorbene Kim Il-sung , die Macht 1948 an sich gerissen hat.

Seit 2011 liegt das Schicksal Nordkoreas nun in den Händen von Kim Il-sungs Enkel Kim Jong-un . Auch der setzt wie seine Vorgänger auf radikale Abschottung. Als Ausländer einen Film in Nordkorea zu drehen gilt als nahezu unmöglich. Trotzdem ist es dem Dokumentarfilmer Vitalij Manskij gelungen, über die kleine Protagonistin Sin Mi einen außergewöhnlichen Film über diesen repressiven Staat zu drehen.

Mit ausdrücklicher Genehmigung der Behörden – die sogar das Drehbuch für „Inside Nordkorea“ verfasst haben. Aber nicht ahnten, mit welch einfachen Mitteln sich Kontroll- und Zensurmechanismen unterwandern lassen, wenn sie einfach offengelegt werden. Manskij belegt etwa mehrere Anläufe „aus dem Drehbuch“, die so lange gespielt werden müssen, bis es den Aufpassern genehm ist. Vor den Augen der Zuschauer entwickelt sich so eine bittere Realsatire, die weder spöttisch noch herablassend daherkommt. Ein kleiner Geniestreich des dokumentarischen Films.

Inside Nordkorea.Das Erste, 19. Oktober, 22.45 Uhr.Wertung: 6 von 6 Sternen


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