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Keine Sanktionen gegen Sat.1 Promi Big Brother: Medienaufsicht moniert Zuhälter-Bild

Von Daniel Benedict

Promi Big Brother 2016: Prinz Marcus von Anhalt prahlte mit Zuhälterei im Sklaventreiber-Stil und schuste mit Jessica im Whirlpool. Die Medienaufsicht findet es „unschön“, sieht aber keinen Raum einzuschreiten. Foto: Sat.1Promi Big Brother 2016: Prinz Marcus von Anhalt prahlte mit Zuhälterei im Sklaventreiber-Stil und schuste mit Jessica im Whirlpool. Die Medienaufsicht findet es „unschön“, sieht aber keinen Raum einzuschreiten. Foto: Sat.1

Berlin. Die Medienaufsicht moniert das „unschöne“ Zuhälterbild, das Sat.1 bei „Promi Big Brother“ gezeichnet hat. Einen Verstoß gegen Programmgrundsätze sieht die rheinland-pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation aber nicht.

Bei seinen Flirts mit Jessica Paszka präsentierte Sat.1 den „Promi Big Brother“-Kandidaten Marcus Prinz von Anhalt als Filou. In seinen Erinnerungen rühmte er selbst sich als Zuhälter mit der Effizienz eines Slavenhalters. Verstößt das Eigenlob des Luden gegen den Jugendschutz? Nein! Die rheinland-pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation hat Sat.1 jetzt entlastet.

So machte „Promi Big Brother 2016“ den Zuhälter zum Boulevardstar

Rückblick auf „Promi Big Brother 2016“: Die Ex-Prostituierte Edona James musste die Show nach Schimpftiraden wegen menschenverachtenden Verhaltens verlassen. Der Kandidat Marcus Prinz von Anhalt dagegen prahlte unwidersprochen mit seiner Vergangenheit als Zuhälter: Über sechzig Sexarbeiterinnen hätten ihm monatliche Millioneneinnahmen beschert – indem sie 16 oder 17 Stunden am Tag angeschafft hätten. Ko-Kandidatin Isa Jank machte große Augen. „Big Brother“-Moderator Jochen Schropp beschloss das Bekenntnis lapidar: „Das lasse ich unkommentiert.“ Als der Zuhälterprinz sich später an die Kandidatin Jessica Paszka ranmachte, hoben seine Sat.1-Kollegen Mario Basler und Ben Tewaag den Daumen. Distanzgesten sehen anders aus. Ist all das zusammen eine Verharmlosung von sexueller Ausbeutung? (Promi Big Brother 2016: Wieso ist Sat.1 so erbärmlich gescheitert?)

Wie sieht die Medienaufsicht den Zuhälterauftritt von Marcus von Anhalt?

Das Sat.1-Programm wird von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz kontrolliert. Beschwerden seien wegen der Szenen im „Big Brother“-Keller nicht eingegangen, teilt Joachim Kind von der LMK mit. Sein Haus hat die entsprechenden Sequenzen geprüft, schreibt er und teilt das Unbehagen darüber: „Es ist völlig zutreffend, dass sich zunächst das ‚unschöne‘ Bild ergibt, dass das Zuhältertum als scheinbar normaler und auch einträglicher Beruf dargestellt wird, was kaum eine Relativierung erfährt“, so Kind. „Einen Verstoß gegen Programmgrundsätze sehen wir dennoch nicht, da Frauen nicht als Ware dargestellt werden und auch keine ‚Identifikation‘ des Senders mit dem Ludentum vorgenommen wird.“ Das für Sat.1 entlastende Fazit der Prüfung: „Nach eingehender Betrachtung der Sequenz unter Berücksichtigung der Vorgaben von Rundfunkstaatsvertrag und Jugendmedienschutzstaatsvertrag kommen wir zu dem Ergebnis, dass hier kein Raum zum Einschreiten der LMK gegeben ist.“

Was rettet die Sat.1-Bilder vor der Sanktion?

Bei Fragen, die den Jugendschutz berühren, hilft Sat.1 der späte Programmplatz von „Promi Big Brother“. Kinder sollten hier schon im Bett sein. Joachim Kind: „Unter Jugendschutzgesichtspunkten ist mit Blick auf den Ausstrahlungszeitpunkt nach 22.15 Uhr hier zu berücksichtigen, welche Botschaft bei Jugendlichen ankommt und ob diese eine sozialethisch desorientierende Wirkung entfalten könnte, indem bei ihnen abträgliche, schädliche oder deviante Einstellungen erzeugt werden.“ Eine Verharmlosung sexueller Ausbeutung sieht sein Haus in den Zuhälter-Memoiren ausdrücklich nicht: „Keine der Personen stellt eine Identifikationsfigur dar, die Jugendliche in besonderem Maße ansprechen könnte. Die Sequenz ist nicht lang und die Beschreibungen nüchtern. Die unattraktive Optik der Szenerie im Kellerverlies unterstützt auch die Aussagen des Zuhälters nicht. Wichtig ist, dass der Zuhälter keine positive Resonanz durch seine Mitbewohner erhält. Sie nutzen zwar die Gelegenheit, Informationen ‚aus erster Hand‘ zu erhalten, stellen aber auch klar fest – stellvertretend durch die Schauspielerin Isa Jank -, dass ihnen solches Handeln völlig fremd sei.“ (Désirée Nick vs. Mörtel Lugner: Wieso hat Sat.1 die Gewaltdrohung nicht thematisiert?)

Hätte Sat.1 trotzdem etwas besser machen können?

Sat.1 hat mit der Präsentation des stolzen Zuhälters also nicht gegen Richtlinien verstoßen. Ganz glücklich ist die LMK mit der Episode aber trotzdem nicht. Besser wäre es, so Kind, wenn in der Sendung „ein normativer Kontext hergestellt wird oder – was sich der Jugendmedienschutz wünschen würde – eine eindeutige Verurteilung vorgenommen“ würde. Doch auch so bleibt der Befund: „Dass sich Jugendliche aus solchen Situationen Anregung und Orientierung ableiten, erscheint unwahrscheinlich.“ (Wieso der? Zum Bericht von Ben Tewaags „Promi Big Brother“-Sieg)


„Promi Big Brother“ lief 2016 in der vierten Staffel. Zum Sieger des Formats und damit auch zum Gewinner von 100.000 Euro wählten die Zuschauer Uschi Glas’ Sohn Ben Tewaag. Zu den weiteren Kandidaten gehörten Joachim Witt, Mario Basler, Cathy Lugner und Natascha Ochsenknecht, die „Bachelor“-Kandidatin Jessica Paszka, die Rotlicht-Größe Marcus Prinz von Anhalt und die Nackt-Darstellerin Edona James.