Mutter vermarktet ihre Kinder Großfamilie Meschke: Kindheit auf allen Kanälen

Von Hendrik Steinkuhl


Osnabrück. Die Flensburgerin Iris Meschke vermarktet ihre Großfamilie in allen Medien, die sieben Kinder wurden schon für unzählige Sendungen gefilmt – auch in intimsten Momenten. Ist das ein verantwortungsvoller Umgang mit Minderjährigen?

Nein, dieser Artikel will keine Ressentiments gegenüber kinderreichen Familien schüren. Es ist unerträglich, wenn manche Menschen Eltern ab vier Kindern unterstellen, sich mit der Verhütung nicht auszukennen und per se asozial zu sein. Und schon weil diese Unterstellungen einfach nicht totzukriegen sind, ist es richtig, dass das Fernsehen immer wieder kinderreiche Familien zeigt, in denen der normale Umgangston nicht Gebrüll und das Standard-Getränk nicht Eistee ist.

Aber müssen es denn wirklich immer die Meschkes sein? Iris und Martin Meschke leben mit ihren sieben Kindern in Flensburg, und die Zahl ihrer Fernsehauftritte übersteigt die Zahl ihrer Familienmitglieder inzwischen deutlich. Wer die Großfamilie – oder Teile von ihr – im Fernsehen bewundern möchte, konnte das unter anderem in folgenden Sendungen tun: „Spiegel-TV-Reportage“ , „RTL Punkt 12“ , „Extra – Das RTL-Magazin“, „Taff“, „Panorama 3“ im NDR , „ZDF-Reportage“ , „Teuer oder billig“ auf Kabel 1, „Rach undercover“, „Mieten, kaufen, wohnen“ und mindestens viermal bei „Hallo Deutschland“ im ZDF .

Wenn man sich all diese Auftritte anschaut, schleicht sich irgendwann das Gefühl von Redundanz ein. „Die Waschmaschine läuft täglich zweimal, manchmal dreimal“, sagt Mutter Iris Meschke bei „Extra“. „Jeden Tag zwei bis drei Maschinen Wäsche“, heißt es aus dem Off in der „ZDF-Reportage“, „Bei so vielen Kindern fallen zwei Maschinen Wäsche an. Täglich“ bei „Hallo Deutschland“.

Das Ausschlachten von Familie Meschke, das Hervorholen der immer gleichen Superlative ist ein Beleg für die Einfallslosigkeit des deutschen Fernsehens. Natürlich wissen die Redakteure, wie oft die Meschkes schon als Vorzeige-Großfamilie auf dem Bildschirm erschienen sind; und sie dann zum zehnten, elften, zwölften Mal vor die Kamera zu zerren zeugt von einem nicht übermäßig hohen Anspruch an den eigenen Beruf.

Und auf der anderen Seite steht ein Elternpaar, das den ganzen Zinnober gerne mitmacht. Die treibende Kraft ist Mutter Iris Meschke, sie verwaltet auch den Youtube-Kanal „Großfamilie Meschke“ und den gleichnamigen Facebook-Account , der nichts anderes ist als die Dokumentation der vermuteten eigenen Großartigkeit.

„Ich bin froh, dass meine Kinder Klettersicher sind!!“, schreibt Mutter Meschke zu einem Foto, auf dem drei ihrer Kinder auf dem First des Hausdachs (!) sitzen. Man erfährt auch, dass Iris Meschke sich und ihre Kinder in zahlreichen Statisten-Karteien hat registrieren lassen. „ Herbert Knaup war total begeistert von Rubys Schauspieltalent!!!!“ schreibt sie unter ein Foto mit dem Schauspieler; und zu einem anderen Fernsehfilm: „Unbedingt gucken! 20.15 ZDF Mit Ruby als Finderin der Leiche, Fee und Leon als Schwererziehbare und der Rest der Kids mit mir auf dem Spielplatz...“.

Das Fernsehen ist auch ständig dabei, wenn Iris Meschke mit ihren Kindern eigentlich intime Momente verbringt. Allein von vier verschiedenen Sendungen lässt sich die Mutter dabei begleiten, wie sie ihren Nachwuchs morgens weckt, mindestens viermal also mussten sich die Meschke-Kinder schon von einem Kamerateam mit großem Scheinwerfer aus dem Bett holen lassen.

Wenn dann zu Hause mal nicht so viel anliegt, sieht man Iris Meschke mit ihrer ältesten Tochter Fee bei „Mieten, kaufen, wohnen“. Dort lässt sie sich eine 300000 Euro teure Unternehmer-Villa zeigen, die über eine Stunde von ihrem Wohnort entfernt liegt.

In einer der zahlreichen Reportagen hieß es, die Meschkes müssten für ihr Haus in Flensburg monatlich knapp 1500 Euro abbezahlen, und schon für gemeinsame Reisen fehle das Geld (wobei man dem Facebook-Account entnehmen kann, dass die Familie dieses Jahr in der Schweiz und letztes Jahr in Italien im Urlaub war). Ist die Besichtigung der Unternehmer-Villa also am Ende nur ein Fake? Treffen hier die Interessen von vermarktungswilliger Mutti und an Wahrheit desinteressiertem Sender zusammen?

Ja, Fernsehen ist oft Illusion, und ja, Familie ist Privatsache. Aber wer sich selbst und seine sieben Kinder derart öffentlich macht, der muss auch damit leben, dass man sein Handeln öffentlich beurteilt. Und auch wenn die sieben Meschke-Kinder in den unzähligen medialen Veröffentlichungen keinen unglücklichen Eindruck machen: Ist die vollständige mediale Ausleuchtung der Kindheit wirklich nötig? 

In der vergangenen Woche berichteten viele Medien über eine 18-jährige Österreicherin, die ihre Eltern verklagt hat, weil die ungefragt Fotos von ihr als Kleinkind bei Facebook veröffentlicht haben, darunter viele Nacktfotos.

Iris Meschke hat sich übrigens auch schon dabei filmen lassen, wie sie ihren Nachwuchs badet. Es wäre interessant zu erfahren, was ihre Kinder davon halten, wenn sie erwachsen sind.