„Tatort“ mit Ballauf und Schenk „Tatort“ heute Abend aus Köln: Leise „Durchgedreht“

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Ende einer langen „Tatort“-Sommerpause: Mit der Kölner Folge „Durchgedreht“ und den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) startet das Krimi-Flaggschiff der ARD in die neue Saison. Ein leiser, trauriger, durchaus sehenswerter Krimi.

Als Regisseurin Dagmar Seume („Danni Lowinski“, „Hanni & Nanni 3“) am zweiten Weihnachtstag des letzten Jahres mit der Kölner Folge „Benutzt“ ihr „Tatort“-Debüt gab, war das nicht nur einer der schwächsten Krimis des Jahres, sondern auch ein echter Tiefpunkt für die Ermittler vom Dom. Und wahrlich kein (Rhein-)Wasser auf den Mühlen derjenigen, die auch beim „Tatort“ eine Frauenquote für die Regiestühle fordern.

Hier weiterlesen: So schwach war Dagmar Seumes erster „Tatort“.

Vorhersehbar, langatmig und trist zogen sich die anderthalb Stunden durch den Festtagsabend – wobei Dagmar Seume damals nur bedingt ein Vorwurf zu machen war. Denn aus einem verkorksten Drehbuch kann auch die beste Regisseurin keinen knisternden Thriller machen.

Neuer alter Autor

Damals hieß der Autor Jens Maria Merz – für „Durchgedreht“ stellte der WDR Dagmar Seume nun einen anderen Schreiber an die Seite: Norbert Ehry. Ein alter Hase, dessen „Tatort“-Einstand geschlagene 33 Jahre zurückliegt: 1983 schrieb er den bemerkenswerten Fall „Peggy hat Angst“ für die damals im Südwesten ermittelnde Kommissarin Hanne Wiegand (Karin Anselm). Alle paar Jahre erdachte sich Ehry seitdem einen neuen „Tatort“ – „Durchgeknallt“ ist sein zehnter und vielleicht sogar sein bester seit „Peggy“.

In einer Kölner Einfamilienhaussiedlung kommt es zu einem grausamen Verbrechen: Ein Mann dringt durch die Haustür in das unscheinbare Gebäude ein und ersticht die im Obergeschoss schlafende Frau und ihren kleinen Sohn. Nur die achtjährige Anna überlebt – sie hatte gerade im Keller ihrem Meerschweinchen noch eine Nachtmöhre gereicht, als sie den Täter an der gläsernen Haustür sah. Einbruchsspuren wird die Polizei später jedoch nur an der Terrassentür finden. (Hier gibt‘s den Trailer zum „Tatort“)

Traumatisiertes Mädchen

Während Anna traumatisiert ist und über das Geschehen in der verhängnisvollen Nacht nicht sprechen kann und will, gerät der offensichtlich tief verzweifelte Familienvater Sven Habdank (stark: Alexander Beyer) ins Visier der Kommissare. Der Steuerfahnder befand sich zum Tatzeitpunkt auf einer Dienstreise, hätte theoretisch aber über Nacht nach Hause kommen können, um den Doppelmord zu begehen. Auch zwei seiner „Kunden“, ein Bauunternehmer und ein Journalist, die in großem Rahmen Steuern hinterzogen haben sollen, sind verdächtig – wollte sich einer von ihnen an dem Mann rächen, der ihnen so dicht und hartnäckig auf den Fersen war?

Manchmal reicht es schon, sich die Musik anzuhören, um zu wissen, was für einen Krimi man sieht. „Durchgedreht“ gehört auf jeden Fall dazu. Dagmar Seume setzt sie sehr sparsam und dezent ein, manchmal kaum wahrnehmbar. Selbst zur finalen Verfolgungsjagd klimpert leise das Klavier und verstärkt den stillen, traurigen Eindruck ihres Films, dessen Bilder sie ebenfalls in Moll taucht. Dass ihr „Tatort“ im Winter gedreht wurde, tut sein Übriges.

Til Schweiger würde einschlafen

Ein Kickstart in die neue Saison ist „Durchgedreht“ sicher nicht, aber durchaus ein atmosphärisch dichter Krimi. Til Schweiger würde vermutlich nach einer Viertelstunde einschlafen, aber das Stammpublikum von Ballauf und Schenk dürfte zufrieden sein. Experimenteller wird’s dann wieder am kommenden Sonntag, wenn der Stuttgarter „Tatort: HAL“ in der nahen Zukunft spielt.

Hier weiterlesen: So viel Action hatte Til Schweigers Kino-“Tatort“.

In den vergangenen Jahren hatte die ARD die „Tatort“-Saison nach der Sommerpause gerne mal mit den Schweizer oder österreichischen Kommissaren eröffnet – nun also macht der WDR mit seinem populären Kölner Team den Anfang. „Es gibt keinen besonderen Grund oder Konzept, weder in der Rückschau noch in der Vorschau, welches Team beginnt,“ sagte dazu eine WDR-Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. „Allein planerische Überlegungen der Abfolge und der Fertigstellungstermine führen dazu“, so WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke, der zugleich „Tatort“-Koordinator der ARD ist. (Hier weiterlesen: So stark beendete der Schweizer „Tatort“ die letzte Sommerpause)

Magere Quote?

Für den WDR könnte der Schuss diesmal allerdings nach hinten losgehen: Da in über der Hälfte aller Bundesländer noch Ferien sind, dürfte das einige Zuschauer kosten. Die Zehn-Millionen-Marke ist unter diesen Voraussetzungen wohl kaum zu knacken.

Am kommenden Sonntag folgt dann also der Big Data-Thriller „HAL“ aus Stuttgart (wenn in Baden-Württemberg noch Ferien sind), dann gibt es „Die Kunst des Krieges“ aus Wien (4.9.), die Münchner „Polizeiruf 110“-Folge „Wölfe“ (11.9.) und den „Tatort: Freitod“ aus Luzern (18.9.).

1000. „Tatort“ im November

Am 25. September stellt sich mit „Feierstunde“ aus Münster mal wieder die Frage nach dem Quotenrekord, bevor am 2. Oktober das neue Dresdner Team in „Königin der Gosse“ ermittelt. Eine Woche später gibt es in Dortmund den „Zahltag“ und am 16. Oktober ist der NDR mit „Borowski und die große Stille“ dran. Für den 30. Oktober ist schließlich die Bremer Folge „Echolot“ eingeplant, davor dürfte es wohl noch einen „Polizeiruf“ geben. Und am 27. November gibt es dann den (nach offizieller Zählart) 1000. „Tatort“ – aus Niedersachsen mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm. (Hier weiterlesen: Die Highlights im TV-Herbst)

Tatort: Durchgedreht. ARD, Sonntag, 21. August, 20.15 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN