Ab Montag auf Pro Sieben Reportage mal anders - „Inside“ und „Follow us!“

Von Marcel Kawentel

Stefan Gödde (l.) trifft in Russland auf die unterschiedlichsten Menschen - mit dem Ziel, ein Gefühl für das wahre Leben in dem riesigen Land zu bekommen. Foto: © ProSiebenStefan Gödde (l.) trifft in Russland auf die unterschiedlichsten Menschen - mit dem Ziel, ein Gefühl für das wahre Leben in dem riesigen Land zu bekommen. Foto: © ProSieben

Osnabrück. Pro Sieben setzt am späten Montagabend weiter auf Wissen. Nachdem im vergangenen Monat „Uncovered“ mit Thilo Mischke und „10 Fakten“ mit Aiman Abdallah den Auftakt machten, starten mit „Inside“ und „Follow Us“ zwei neue Reportageformate, die vor allem Spektakuläres bieten.

Bereits im vergangenen Monat begann Pro Sieben mit seiner Wissens-Offensive am Montagabend, der zuvor für „Circus Halligalli“ und Artverwandte reserviert war. „ Uncovered „ mit Thilo Mischke führte den Zuschauer an einige der gefährlichsten Orte der Welt. Ähnlich Spektakuläres verspricht auch „Inside“ mit Stefan Gödde, der in der ersten Ausgabe der zunächst dreiteiligen Reihe nach Russland reist, oder, wie es in der Sendung genannt wird: „Putins Reich“.

Im letzten Jahr war „Inside“ mit Moderatorin Palina Rojinski noch ein eher fröhliches und buntes Reiseformat, in dem es darum ging ohne Geld und Smartphone in einer fremden Metropole zurechtzukommen. Nun hat die Reihe gewissermaßen ihre Unschuld verloren. Stefan Gödde, der zuvor Formate wie „Galileo“ und „ The Voice of Germany„ moderierte, hat Ernsthafteres vor. Er will in Russland, China und Fukushima klären, was Propaganda ist und was Wahrheit.

Stefan Gödde in Russland

In der ersten Folge trifft Gödde sich mit russischen Oligarchen, Patrioten und Putinkritikern um der Frage auf den Grund zu gehen, wie weit die Macht des russischen Präsidenten wirklich reicht. Die Bilder, die der Zuschauer zu sehen bekommt, zeigen Skurriles und Beunruhigendes, wie ein Erziehungscamp, in dem Kinder lernen Handgranaten zu werfen. Bestechend ist aber vor allem Göddes unverhohlene und scheinbar spontane Wertung seines Reportagegegenstands. Sätze wie „Die Leute leben hier wie in einer Filterblase,“ zeigen, dass Pro Sieben wohl nicht den journalistischen Standard anstrebt, dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seinen Reportagen folgt.

Kein Wunder – das Publikum ist natürlich ein Anderes. Der Vorgänger auf dem Sendeplatz war die Nonsens-Show „Circus Halligalli“ mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Das zeigt auch das zweite neue Reportageformat „Follow us!“, das einmal mehr den Trend des Selbstversuchs-Journalismus bedient. Ob Online-Fressshows in Südkorea oder Strong-Men-Wettbewerbe in Island – die jungen Reporter machen alles mit. Vier jeweils zehnminütige Episoden werden zusammengefasst zu einer Ausgabe, die ins Sendeschema von Pro Sieben passt, aber genauso die  Sehgewohnheiten von Youtube-Nutzern mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne bedienen kann.

10-minütige Häppchen

Auch die Russlandreise bei „Inside“ wird in 10-Minuten-Häppchen verabreicht, dazwischen rekapituliert Reiseleiter Gödde immer mal wieder, was der Zweck der Übung ist – für die Zuschauer, die erst später zugeschaltet haben, hätte es früher wohl geheißen. Den schwersten Job in der ersten Ausgabe von „Follow us!“ hat die 29-jährige Filmemacherin Nicola von Leffern, die neben ihrer Arbeit für Pro Sieben unter anderem Musikvideos dreht. Sie besucht in ihrer Episode US-Jagdliebhaber auf ihrer Safari-Ranch, lernt Schießen und ist von den Erlebnissen so beeindruckt, dass sie anschließend kein Fleisch mehr zu essen gelobt. Diese Form des Journalismus, bei dem der Reporter als Mensch mit seinen Gefühlen nicht nur Platz hat, sondern integraler Teil des Konzepts ist, liegt dem Wesen eines Internet-Blogs näher als der klassischen TV-Reportage und spricht so möglicherweise auch ein Publikum an, das sonst keine journalistischen Fernsehformate schaut.

Eine neue Zielgruppe erreichen

Eine andere und breitere Zielgruppe zu erreichen, war auch ein Reiz für Thilo Mischke sein riskantes Reportageformat „Uncovered“ fürs Fernsehen zu machen und nicht für den Printmarkt. Im Schnitt waren die Quoten befriedigend, gegen Ende aber rückläufig. So dürfte die Akzeptanz von „Inside“ und „Follow us!“ darüber entscheiden, ob Reportageformate bei Pro Sieben eine Zukunft haben.

Ab Montag, 8. August: „Inside“, 22.10 Uhr, gefolgt von „Follow us!“ ab 23.15 Uhr auf Pro Sieben.