Die dunklen Seiten des Netzes N24-Doku-Reihe „Darknet“ beleuchtet viele Facetten

Bis zu seiner Verhaftung war Higinio Ochoa ein gefürchteter Hacker. Die bis heute andauernde Strafe für seine Vergehen: Internetverbot. Alle Online-Aktivitäten – vom Einkaufen übers Banking bis hin zum E-Mail-Schreiben – sind ihm untersagt. Sein neues virtuelles Gefängnis stellt für den Programmierer eine weit größere Bestrafung als das reale dar, in dem er zuvor 18 Monate lang einsaß. Foto: N24/Dan Bromfield/IMG MediaBis zu seiner Verhaftung war Higinio Ochoa ein gefürchteter Hacker. Die bis heute andauernde Strafe für seine Vergehen: Internetverbot. Alle Online-Aktivitäten – vom Einkaufen übers Banking bis hin zum E-Mail-Schreiben – sind ihm untersagt. Sein neues virtuelles Gefängnis stellt für den Programmierer eine weit größere Bestrafung als das reale dar, in dem er zuvor 18 Monate lang einsaß. Foto: N24/Dan Bromfield/IMG Media

Osnabrück Nicht erst seit dem Amoklauf von München gilt das Darknet als Synonym für die Abgründe im Internet. Eine Dokumentarreihe bei N24 bemüht sich um Aufklärung.

Der unglaubliche Fall des Hackers Higinio Ochoa aka „w0rmer“ hat Internet-Geschichte geschrieben. Motiviert durch polizeiliche Überreaktionen im Rahmen der Occupy-Bewegung im Jahre 2011 begann Ochoa, sich in die Datenbanken von Polizeidienststellen zu hacken. Als er anfing, die Namen solcher Polizisten zu veröffentlichen, die mit verdeckten Abzeichen an den brutalen Übergriffen teilnahmen, stand er ganz oben auf der Fahndungsliste.

Obwohl sich der Hacker bestens mit all den Anonymisierungs-Werkzeugen auskannte, die man benötigt, um nicht erwischt zu werden, wurde ihm eine Unachtsamkeit, ein klassischer Anfängerfehler zum Verhängnis. Nach 18 Monaten Haft kam er dann mit der bizarren Auflage frei, nie wieder online gehen zu dürfen. Seit seinem Internetverbot verschickt Ochoa, der nach wie vor als Programmierer tätig ist, seine von ihm geschriebenen Programme ganz altmodisch als Ausdrucke per Post, während seine Frau jenen Teil des Alltags regelt, der offline nicht mehr zu bewältigen ist.

Hacker als „wichtiger Teil des Ökosystems Internet“

Dieses Beispiel aus der ersten Episode der Dokumentarreihe „Darknet“ veranschaulicht gleich mehrere Dinge. Es gibt Bereiche im weltweiten Netz, die entziehen sich weitgehend der behördlichen Kontrolle. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber auch nicht für den besten Hacker. Und die Behörden zeigen sich trotz aller Fortschritte immer noch extrem hilflos in der Frage, wie sie mit Hackern umgehen sollen. Hacker, die in den Augen von Ochoa – natürlich – ein „wichtiger Teil des Ökosystems Internet“ seien.

Dass das Internet schon lange kein „ Neuland „ mehr ist, geschweige denn jemals ein „rechtsfreier Raum“ war, ist längst geklärt. Aber für die breite Masse der Nutzer ist die technische Revolution unserer alltäglichen Massenkommunikation immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht erst seit dem Amoklauf von München, für den sich der Täter eine Waffe über das sogenannte Darknet besorgt hat, sorgen vor allem die dunklen Seiten im Internet für Unbehagen. Dabei sind TOR-Netzwerke und ähnliche Anonymisierungs-Werkzeuge nicht per se „böse“, sondern garantieren zunächst einmal ein Höchstmaß an Privatsphäre. Die ist ein Menschenrecht, das derzeit leider sehr unterschätzt wird.

Es sind vor allen Dingen Schlagworte wie Kinderpornografie, Waffen- und Drogenhandel oder ganz allgemein Internet-Kriminalität, die im Verbund mit dem Begriff Darknet die Schlagzeilen beherrschen und Ängste schüren. Aber anstatt sinnlos Angst und Panik zu verbreiten, täte Aufklärung Not.

Dies gelingt zumindest vom Ansatz her nun in der vom Nachrichtensender N24 ausgestrahlten Dokumentarreihe „Darknet“, die ursprünglich für den US-amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime konzipiert wurde. Dabei drehen sich die acht Episoden nicht nur um die dunklen Seiten des Netzes.

Virtuelle Müllabfuhr

Die Reihe stellt neben „guten“ Hackern und „bösen“ Internet-Kriminellen auch Alltagsphänomene wie Liebe und Fernbeziehungen in Zeiten von Internet und Smartphones vor. Und es werden Content-Moderatoren vorgestellt, die die großen Suchmaschinen „sauber“ halten, indem sie acht Stunden am Tag nonstop die widerwärtigsten Inhalte aussortieren. Klar, dass diese virtuelle Müllabfuhr dabei schnell an ihre eigenen Grenzen stößt. Eine Ex-Content-Moderatorin berichtet, dass sie seit diesem Job an Angststörungen leidet.

Auch wenn weitere Inhalte wie beispielsweise Missbrauch, Internet-Sucht oder „Cyber-Rebellen“ die Themenpalette erweitern – der vorhandene aufklärerische Ansatz der Reihe geht leider manchmal zwischen schriller Freakshow, pauschaler Angstmacherei und einer hilflos veralteten Bildersprache aus tippelnden Fingern und vorbeirauschenden Zahlenkolonnen à la „Matrix“ unter. Aber immerhin – der aufklärerische Ansatz ist vorhanden.

Darknet: ab 5. August immer freitags um 23.05 Uhr je zwei Episoden auf N24


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