TV-Programm heute Abend Ulrich Tukur in Thailand - Herr Lenz im Frühling

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Osnabrück. Die ARD zeigt heute Abend einen neuen Film mit Ulrich Tukur – und das mitten im Sommerloch: „Herr Lenz reist in den Frühling“ heißt das Werk, es gehört nicht unebdingt zu seinen besten.

Es ist eine Familie, wie sie uns so oft im deutschen Fernsehen begegnet: Der Vater streitet sich mit dem 17-jährigen „asymetrischen Typen mit schlaffem Händedruck“, der sein Sohn ist. Die Mutter fühlt sich nicht verstanden, verschießt kleine verbale Giftpfeile und geht fremd, selbst Hund „Schmidti“ mag sein Fresschen nur vom Frauchen, nicht aber vom Herrchen gereicht bekommen.

Für Holger Lenz, der seinen Lebensunterhalt mit Lebensversicherungen verdient, kommt es aber noch schlimmer: Sein Sohn filmt ihn heimlich und stellt diese spöttisch kommentierten Sequenzen unter dem Titel „Meine beschissene Familie“ ins Internet. In der Firma werden andere, nur nicht er befördert. Und dann steht plötzlich auch noch ein aus Thailand angereister Alt-Freak in seinem Büro und bringt ihm in einer Plastikflasche die Asche seines Vaters sowie die Schlüssel zu Papas Apartment in Pattaya, wo er die letzten zwei Jahrzehnte fernab der Familie verbracht hat.

Spießiger Typ

Karl-Heinz Käfer hat in seinem Drehbuch so ziemlich alle Zutaten für eine Familienkomödie von der Sorte verarbeitet, bei der man nichts verpasst, wenn man nach fünf Minuten wieder ab- oder umschaltet. Aber da sind ja noch zwei andere Männer maßgeblich beteiligt, deren Namen eigentlich immer für gutes Fernsehen stehen: Andreas Kleinert führte Regie und kein Geringerer als Ulrich Tukur hat die Rolle des Holger Lenz übernommen.

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Vielleicht ist es ja Tukurs Schauspielkunst, die es zur Qual macht, diesem spießigen, abgehängten, waschlappigen Holger Lenz dabei zuzusehen, wie er sich durch sein Leben quält. Immerhin gibt sich das ängstliche arme Würstchen nach 20 Minuten einen Ruck, um das Erbe in der Ferne anzutreten. Seine Frau verabschiedet ihn in „das Land des Lächelns“ – und Lenz reist in den Ort, in dem Thailands Lächeln längst zu einer Fratze aus Prostitution und Pädophilie verkommen ist: Pattaya. Und natürlich führt auch in diesem Film der Ortswechsel zu einer Veränderung der Person und ihres ganzen Lebens.

Dünne Story

Den Film retten kann dies ebenso wenig wie sein wunderbarer Hauptdarsteller aus einer dünnen Story ein dickes Ding machen kann. Abgesehen von ein paar komischen, tragikomischen und zunehmend schrägen Momenten plätschert er lange Zeit dahin, bis eine völlig unwahrscheinliche Wendung alles verändert. Doch da ist auch schon fast eine Stunde rum. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass die ARD „Herr Lenz reist in den Frühling“ mitten in der Ferienzeit ausstrahlt, in der das Programm sonst nur von Wiederholungen auf seinen wackeligen Beinen gehalten wird.

Ulrich Tukur hat schon einmal einen solchen Loser wie Holger Lenz dargestellt. Damals hieß er Clemens Trunschka, war Headhunter eines deutschen Konzerns und scheiterte tragisch an seinem Auftrag, einen texanischen Top-Manager abzuwerben. „Houston“, so der Titel dieses grandiosen Films, lief 2013 nahezu unbeachtet in den Kinos und wurde später vom Ersten zu nachtschlafender Stunde ausgestrahlt – ebenfalls quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Hier weiterlesen: So gut war „Houston“

„Houston“ mal zeigen

Die ARD hätte gut daran getan, „Houston“ endlich mal zu einer vernünftigen Sendezeit zu wiederholen. Für den Herrn Lenz hätte sich um 23.00 Uhr auch noch ein Programmplätzchen gefunden.

Herr Lenz reist in den Frühling, ARD, Mittwoch, 20. Juli, 20.15 Uhr.


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