Ende des Schlagerstreits? Neues Digitalradio NDR Plus sendet nur Schlager

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Nichts als Schlager: Der neue Sender NDR Plus setzt einen klaren Schwerpunkt auf Helene Fischer und ihre Kollegen. Foto: dpaNichts als Schlager: Der neue Sender NDR Plus setzt einen klaren Schwerpunkt auf Helene Fischer und ihre Kollegen. Foto: dpa

Osnabrück  Seit 5. Juli ist mit NDR Plus ein neuer digitaler Radiosender für Schlagerfreunde zu empfangen. Kann damit der „Schlagerstreit“ befriedet werden?

Einer der berühmtesten deutschen Schlager ist das nette Stück „ Ein bisschen Frieden „ aus der Erfolgsschmiede von Produzent Ralph Siegel. 1982, also noch mitten im Kalten Krieg, trällerte sich die damals erst 17-jährige Nicole beim Grand Prix Eurovision de la Chanson mit diesem edlen Wunsch in die Herzen aller Europäer – und gewann als erste Interpretin für Deutschland den Wettbewerb, der heute einfach nur noch Eurovision Song Contest heißt.

Schlagerstreit bis in den Landtag

Doch als der öffentlich-rechtliche Radiosender NDR 1 MV mehr als drei Jahrzehnte später seinen Hörern in Mecklenburg Vorpommern rigoros deutsche Schlager vorzuenthalten begann, war unter Schlagerfreunden im Norden Schluss mit ein bisschen Frieden. Es entbrannte ein heftiger „Schlagerstreit“. Eine Bürgerinitiative namens „ Für mehr deutsche Musik im Radio und für die Bewahrung unserer Muttersprache „ brachte eine Petition ein, die im vergangenen Jahr sowohl den Ausschuss des Landtages in Schwerin als auch den Generalstaatsanwalt des Landes beschäftigte.

Ob es die hartnäckigen Schlagerfans ein wenig befriedet, dass seit letztem Dienstag mit NDR Plus ein nagelneuer Radiosender Schlager, Schlager und nichts als Schlager im Programm hat? Nun gut, hin und wieder sind auch die Beatles, Harry Bellafonte und kurze redaktionelle Konserven wie Nachrichten zu hören. Aber der Schwerpunkt bei NDR Plus soll ganz klar beim deutschen Schlager liegen.

Norddeutsches Flair

Damit nicht genug. Als norddeutscher Sender sollen vor allem „Produktionen norddeutscher Künstlerinnen und Künstler“ im Mittelpunkt stehen, wie NDR-Pressesprecher Martin Gartzke gegenüber unserer Redaktion betont. „Das heißt, es ist ein Sender mit einem besonderen norddeutschen Flair, ein Sender, bei dem sich Hörerinnen und Hörer aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg zu Hause fühlen sollen. Der regionale Aspekt spielt bei NDR Plus eine wichtige Rolle“.

Möglich geworden ist das neue digitale Angebot durch eine erst am 16. Juni abgeschlossene Gesetzesänderung des NDR-Digitalradio-Staatsvertrages. Seit dem 05. Juli ersetzt NDR Plus nun den Ansagedienst NDR Traffic. Empfangen werden kann der neue Schlagersender allerdings „nur“ auf digitalen Empfangswegen. Also derzeit im Digitalradio (DAB+) sowie im Internet als Radio-Livestream unter ndr.de/ndrplus sowie über die NDR Radio-App für Tablets und Smartphones.

Höchstmaß an Empfangsqualität

Gerade DAB+ verspricht ein Höchstmaß an rausch- und knisterfreier Empfangsqualität. Leider gibt es aber in Norddeutschland zwischen Osnabrück und Greifswald noch viel zu viele weiße Flecken auf der DAB+ Empfangskarte . Während in Ballungszentren wie Hamburg oder Hannover Digitalradio-Empfang längst eine Selbstverständlichkeit darstellt, lässt der Ausbau des digitalen Netzes in dünner besiedelten Regionen auf sich warten.

Schleppender Digitalradio-Ausbau

Immerhin sollen bis Ende 2016 Neubrandenburg, das Gebiet um die A 20 zwischen Tessin und Grimmen, die Region Osnabrück und die Region Flensburg zum bestehenden Netz hinzugefügt werden. Der seit Jahren schleppende Digitalradio-Ausbau schreitet also tatsächlich voran. Leider bleiben jedoch zahlreiche Schlagerfreunde in ländlichen Regionen ohne DAB+ und schnellem Internet erst einmal komplett außen vor, da NDR Plus weder über Kabel noch via Satellit empfangen werden kann. Eine terrestrische Verbreitung über UKW ist sowieso nicht vorgesehen. Aber laut NDR besteht immerhin die Hoffnung, dass das Schlagerradio noch bis Ende 2016 via Satellit (DVB-S) ausgestrahlt wird.

Digitalradio bedienungsfreundlicher als UKW

Doch wie steht es eigentlich um die technische Versiertheit älterer Menschen, die gerne digitales Schlagerradio hören möchten? Die sei gar nicht nötig, betont NDR-Sprecher Gartzke. „Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass ältere Hörerinnen und Hörer DAB+-Empfangsgeräte problemlos bedienen können. Auch aus dem Handel ist zu vernehmen, dass viele Käufer DAB+-Radios im Vergleich zu herkömmlichen UKW-Geräten sogar als benutzerfreundlicher empfinden, weil bei DAB+ keine Frequenzen, sondern die Programme direkt unter ihrem Namen angewählt werden“.

Und auch das Internet ist ganz offensichtlich für die meisten Schlagerfreunde – ob älter oder jünger – längst kein Neuland mehr. Private Angebote wie beispielsweise RadioB2.de oder radio.schlagerplanet.com belegen, dass sich deutsche Schlager auch im Internet einer großen Fan-Gemeinde erfreuen, die durch alle Altersschichten geht.

Wer im Übrigen wissen möchte, wie viele Sender tatsächlich Schlager in ihrem Repertoire haben, sollte ruhig einmal auf einem der einschlägigen Internet-Radioportale wie beispielsweise Radio.de oder phonostar.de auf Entdeckungsreise gehen. Beim Suchbegriff „Schlager“ kommt man dort auf bis zu knapp 600 Angebote. Noch immer nicht genug? Frieden.


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