zuletzt aktualisiert vor

Der Ischiasnerv musste leiden Axel Prahl im Interview: Bei Dreharbeiten zum Münster-„Tatort“ verletzt

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Berlin. Hölzerne Hochzeit nennt es der Volksmund: Seit zehn Jahren ist Axel Prahl als Kommissar Thiel nun mit seinem Partner Jan Josef Liefers alias Professor Boerne im „Tatort“ aus Münster verbandelt, dem erfolgreichsten Krimiformat im deutschen Fernsehen. Doch für den Schauspieler gibt es mehr als nur vor der Kamera zu stehen.

Gerade hat er mit seiner Band eine erfolgreiche Tournee hinter sich gebracht und ist dabei auf den Geschmack gekommen. Über Musik und Münster-„Tatort“ unterhalten wir uns in einem Berliner Restaurant.

Herr Prahl, Sie waren gerade mit Ihrer Band auf Tournee – wie ist es gelaufen?

Ziemlich sensationell. Dafür, dass es eigentlich nur so ein kleiner Scherz am Rande werden sollte, hat sich das richtiggehend zur Arbeit entwickelt. Es läuft wie geschnitten Brot. Wir bekommen meistens „Standing Ovations“, kriegen irrsinnig viele Anfragen und waren bisher immer ausverkauft – bis auf das Konzert in Münster.

Ausgerechnet Münster? Da sind Sie doch besonders populär.

(lacht) Es lag daran, dass ich mir selbst Konkurrenz gemacht habe. An dem Sonntag, als wir da aufgetreten sind, war die Premiere unseres Tatorts „Hinkebein“. Das wussten wir nicht, als wir den Termin für das Konzert ausgemacht haben. Und deswegen waren nur 700 statt 900 Leute in der kleinen Münsterlandhalle. Trotzdem war’s ein schönes Konzert.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich habe wirklich ein sehr gutes Ensemble beisammen, und Danny Dziuk hat hervorragende Arrangements gemacht. Er ist ja mittlerweile auch kein Unbekannter mehr, er schreibt für Annett Louisan, hat mit Stefan Stoppok viel zusammengespielt und auch schon für mehrere Münster-„Tatorte“ die Musik gemacht.

Sie nennen sich „Axel Prahl Sie nennen sich „Axel Prahl & Das Inselorchester“ – das klingt ein bisschen nach Udo Lindenberg & Das Panikorchester“.amp; Das Inselorchester“ – das klingt ein bisschen nach Udo Lindenberg Sie nennen sich „Axel Prahl & Das Inselorchester“ – das klingt ein bisschen nach Udo Lindenberg & Das Panikorchester“.amp; Das Panikorchester“.

Stimmt, jetzt wo Sie’s sagen, fällt’s mir auch auf. Es war aber nicht so gedacht.

Sie haben unter anderem im Leipziger Gewandhaus oder der Alten Oper in Erfurt gespielt – immer in bestuhlten Sälen?

Ja, fast durchgängig. Nur in Worpswede gab’s eine Teilbestuhlung. Das Konzert ist aber durchaus ein bisschen so angelegt – im ersten Teil erzähle ich auch etwas über meinen musikalischen Werdegang.

Wie war der denn?

Ich habe mit acht oder neun meine erste Gitarre bekommen, hatte erst mal klassischen Unterricht, war gleichzeitig im Kirchenchor und habe darüber natürlich auch viel Klassik kennenlernen dürfen. In der Pubertät kamen dann Leute wie Neil Young und Cat Stevens, gleichzeitig hatten wir in Neustadt in Holstein eine kleine Gruppe, die sich mit irischer Folklore beschäftigt hat. Die Gitarre wurde dann immer jazziger: Lämmerhirt, Kottke, Schwab, irgendwann kam dann auch Pat Metheny auf den Plan. Davor gab’s noch David Qualey – bei dem habe ich mithilfe einer Schallplatte rausgehört, dass oft die unterste E-Saite auf D gestimmt wird. Es war musikalisch eine gute Fingerübung, dass ich mir vieles übers Gehör rausgepult habe.

Steht jetzt etwa eine Schwerpunktverlagerung in Richtung Musik an?

Ich denke immer: Sag niemals nie. Bei mir war’s im Leben so, dass sich Chancen und Möglichkeiten zu ihrer Zeit ergeben haben. Eine Karriere ist auch immer die Kunst, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen und die Angebote, die sich einem bieten, anzunehmen oder abzulehnen. Musik macht mir schon Spaß, das stimmt.

Als Filmschauspieler agieren Sie vor einer Kamera, als Musiker haben Sie 800 oder 1000 Leute vor sich, die Sieim besten Fall mit „Standing Ovations“ belohnen. Ist das nicht ein ganz anderer Kick?

Auf jeden Fall. Das ist viel unmittelbarer und direkter. Und man ist als Musiker viel mehr bei sich selbst.

Inwiefern?

Als Schauspieler ist man viel häufiger genötigt, einer Rolle zu entsprechen – und die Leute sehen einen dann auch so. Als Musiker bleibt man mehr bei sich.

Zum Münster-„Tatort“: Da feiern Sie gerade mit dem Kollegen Liefers „hölzerne Hochzeit“ – zehn Jahre. Eine stabile Beziehung?

Das würde ich mal so behaupten. Wir haben kürzlich den ganz neuen Fall abgedreht und hatten mal wieder mächtig Spaß miteinander. Bislang gab’s noch nie irgendwelche Reibungspunkte, wir haben uns immer sehr wohl miteinander gefühlt. Das liegt natürlich auch daran, dass unser Humor auf der gleichen Ebene funktioniert – ich finde seinen Humor wunderbar, und er mag meinen, wir ergänzen uns einfach gut.

Was hält die Beziehungso frisch?

Sicher auch die Seltenheit, mit der wir uns treffen, nämlich nur zweimal im Jahr, wenn wir einen neuen „Tatort“ drehen. Es gab schon vor ein paar Jahren Anfragen, ob wir nicht mehr machen wollen – aber es war eine gute Entscheidung, dass wir das abgelehnt und getreu meinem Motto gesagt haben „Willste gelten, mach dich selten“. So freuen wir uns jedes Mal, wenn es wieder losgeht.

Dann kann der WDR ja schon mal für die Silberhochzeit planen.

Das weiß ich nicht. Wir haben jetzt noch vier „Tatorte“ zu drehen, dann ist der Vertrag erst mal erfüllt. Danach sehen wir weiter.

Um ein Haar wäre ja vor zehn Jahren Ulrich Noethen statt Jan Josef Liefers Ihr Partner beim Münster-„Tatort“ geworden. Warum hat er quasi vor dem Traualtar „Nein“ gesagt?

Ich habe keine Ahnung. Warum, wieso, weshalb – dazu hat bis heute niemand Stellung genommen.

Am Sonntag sehen wir „Das Wunder von Wolbeck“ – der schrägste aller Münster-„Tatorte“?

Das kann gut sein, der ist schon ziemlich speziell.

Gleich am Anfang geben Sie eine Sprinteinlage, die Kommissar Thiel in schwere Atemnot bringt, aber auch Ihnen einiges abverlangt haben dürfte. War das der anstrengendste Drehtag für Sie?

Unbedingt. Zumal auch noch ein kleiner Arbeitsunfall passiert ist. Wir haben das Pferd mal wieder rückwärts aufgezäumt und den Anfang des Films am Schluss gedreht. Ich starte eine Verfolgungsjagd aus dem Fenster dieses Hofes heraus durch einen stillgelegten Wassergraben, an dem rechts und links meterhoch die Brennnesseln standen. Man hatte mir da einen kleinen Trampelpfad und eine provisorische Treppe aus Holz und Erde hingebaut. Und da alles ein bisschen feucht war, bin ich natürlich abgeglitscht, habe eine Grätsche gemacht und mit dem linken Bein das ganze Gewicht so aufgefangen, dass es richtig krachte. Drei, vier Tage nach Drehende kamen dann die Ischiasbeschwerden, und ich musste zum Orthopäden. Naja, ein bisschen Schwund ist immer.

Es war auch im wahrsten Sinne des Wortes ein tierischer Dreh, oder?

Das kann man wohl sagen. Auf dem Hof lief ständig ein Pfau rum, der seine Räder schlug und dementsprechende Geräusche von sich gab. Den hat man einfach nicht leise gekriegt (lacht). Und dann gab es noch eine Gans, die ständig das Team angegriffen hat und beißend ihr Revier verteidigen wollte. Sie hatte es vor allem auf Damen abgesehen, aber glücklicherweise keine von ihnen richtig erwischt.

Kommissar Thiel sagt im Film der polnischen Frau vom Nachbarhof den einzigen polnischen Satz, den er kann – übersetzt: „Vorsicht, ich habe Winde im Bauch.“ Der ist doch sicher auf Ihrem Mist gewachsen.

Ja, den hab ich spontan eingeführt (lacht). Wir haben vor ein paar Jahren im Riesengebirge den Film „Der Grenzer und das Mädchen“ gedreht, hatten ein hervorragendes polnisches Team und ein Catering mit sehr viel Kohl im Angebot. Ich habe deshalb die polnische Maskenbildnerin gefragt, was es wohl heißt, wenn man sagen möchte, dass man ein bisschen Blähungen hat. Sie hat mir dann diesen Satz beigebracht, und der ist seitdem bei mir hängen geblieben.

Til Schweiger glaubt nicht, dass er mit seinem ersten „Tatort“ Ihre Quoten knacken kann – Sie auch nicht?

Ich bin sehr gespannt und gehöre bestimmt zu denen, die seine Quote nach oben treiben.

Die Diskussion um den „Tatort“-Vorspann hat er mittlerweile ja beendet.

Til hat wohl eingesehen, dass der Vorspann so etwas wie ein Volksgut ist. Ihn zu verändern wäre ja, als ob man die Märchen der Gebrüder Grimm umschreiben wollte. Ich werde es wohl kaum noch erleben, dass es jemand tut.

Axel Prahl

wird am 26. März 1960 in Eutin geboren und wächst im holsteinischen Neustadt auf. Seine Mutter ist Verkäuferin, malt und macht Musik, sein Stiefvater ist Obermaat auf einem U-Boot. Nach diversen Schulwechseln macht er das Fachabitur, studiert Mathematik und Musik in Kiel, bricht aber mit dem 5. Semester ab. Von nun an arbeitet Prahl als Schauspieler, zunächst am Theater in Kiel, dann im Tourneetheater und an wechselnden Bühnen mit wachsendem Erfolg. Anfang der Neunzigerjahre zieht er nach Berlin um, wo er immer wieder auf der Bühne des Grips-Theaters steht, aber auch bei den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Hinzu kommen Rollen bei Film und Fernsehen: In Andreas Dresens Kinofilm „Nachtgestalten“ gibt er erstmals einen Polizisten und wird bis heute immer wieder als solcher besetzt, besonders populär seit mittlerweile zehn Jahren als Kommissar Frank Thiel im Münster-„Tatort“, aber auch in der Rolle eines übel mobbenden Schichtleiters, der im Grimme-Preis-dekorierten TV-Film „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ eine junge Polizistin in den Selbstmord treibt.

Aus erster Ehe hat Prahl zwei Kinder, zusammen mit seiner zweiten Frau Paula und den Zwillingen Helene und Theodor zieht er vorübergehend aufs Land nach Marienwerder vor den Toren Berlins, wo er ein altes Haus renoviert. Mittlerweile ist das Paar getrennt, Prahl hat eine neue Lebensgefährtin und lebt an einem See vor den Toren Berlins, hat aber auch noch immer eine Stadtwohnung.

Der Schauspieler wird im Laufe seiner Karriere mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem begehrten Grimme-Preis, dem Bayerischen Filmpreis und dem Silbernen Bären der Berlinale. Nebenbei treibt er seine Karriere als Musiker voran. Am 12. Dezember ist er zusammen mit Peter Lohmeyer in der sehenswerten ARD-Komödie „Das Millionen-Rennen“ zu sehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN