Ade rettet den deutschen Film „Toni Erdmann“: Wie reagiert das Publikum auf Cannes-Liebling?

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Berlin. In Cannes wurde Maren Ades „Toni Erdmann“ bejubelt – auch wenn die Vater-Tochter-Komödie aus der Outsourcing-Ökonomie am Ende von der Jury ignoriert wurde. Am 14. Juli kann das Publikum sich ein Urteil bilden.

Am 14. Juli startet Maren Ades Cannes-Sensation „Toni Erdmann“ mit Peter Simonischek und Sandra Hüller in den deutschen Kinos. Was muss man über den Film wissen?

So wurde Maren Ades „Toni Erdmann“ in Cannes zum Ausnahme-Film

Seit Jahren war kein deutscher Regisseur im Wettbewerb von Cannes vertreten. Als Letzter hatte es 2008 ein Vertreter der alten Generation geschafft: Wim Wenders. Wenn Cannes sich nun wieder mit dem deutschen Kino anfreunden sollte, liegt es an Maren Ade. Ihr Cannes-Beitrag „Toni Erdmann“ ist erst ihr dritter Langfilm, aber an der Croisette wurde er als Entdeckung gefeiert: In der Pressevorführung gaben die Filmkritiker Szenenapplaus. Die Premiere vor Publikum endete in Standing Ovations. Als die Jury den Festivalfavoriten dann ignorierte und Ade nur mit dem Kritikerpreis nach Hause reiste, war die Empörung in den Feuilletons groß. Nun kommt „Toni Erdmann“ in die deutschen Kinos. Und man darf gespannt sein, wie das Publikum auf den mit Vorschusslorbeer dekorierten Film reagiert.

Worum geht‘s ein Ades Film „Toni Erdmann“?

„Toni Erdmann“ schildert die Beziehung des Musiklehrers Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller), die als Unternehmensberaterin in Rumänien gerade Massenentlassungen vorbereitet. In der Welt der Tochter bleibt dem Vater nur die Rolle des Hofnarren – und Conradi nimmt sie an. Mit einer lottrigen Perücke und einem Karnevalsgebiss verwandelt er sich in Toni Erdmann, reist Ines zu ihrem aktuellen Projekt nach Bukarest nach, wo er sich mal als Coach, dann als Botschafter ausgibt – und bringt sie nach Kräften in Verlegenheit. Erst versucht Ines mit flauem Gewissen, ihren Vater abzuschütteln. Mehr und mehr lässt sie sich dann aber auf das Spiel mit dem fiktiven Charakter ein – am Ende verändert sich nicht nur ihre Beziehung zum Vater, sondern auch ihr Blick auf das eigene Leben. („The Neon Demon“: Darum ist Refns Model-Horrorfilm gescheitert)

Vom Generationenkonflikt bis zur Globalisierung greift Maren Ades Film eine große Bandbreite hochernster Themen auf. Und zur Begeisterung in Cannes dürfte beigetragen haben, dass „Toni Erdmann“ trotzdem das Gegenteil des deutschen Problemfilms ist. Tatsächlich zeichnet das fast dreistündige Werk eine lakonische Komik aus. Und mit ihrer offensiven Umarmung des Absurden erteilt Ade auch dem Realismus eine Absage, auf den sich deutsche Filme bei relevanten Stoffen oft versteifen. Funktionieren kann das alles nur dank der großartigen Hauptdarsteller, die am Set offenbar viel ausprobieren durften: Beim Dreh sollen 120 Stunden Material entstanden sein.


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