Julia Koschitz in der Hauptrolle Langweilig: ZDF-Thriller „Vertraue mir“


Osnabrück.  Das Thriller-Kammerspiel „Vertraue mir“ (heute, ZDF, 20.15 Uhr) hat einen vielversprechenden Handlungsrahmen, mehr aber auch nicht. Julia Koschitz wird mal wieder in einem miesen Film verheizt, Jürgen Vogel gibt die Stimme des Proletariats - aber immerhin darf August Zirner ein bisschen brillieren.

Frankfurter Wolkenkratzeransichten, kunstvolle Licht- und Schattenspielereien, das Ganze unterlegt mit sphärischer Musik: Einen deutschen Fernsehfilm so zu beginnen, ist ziemlich avanciert. Der ziemlich avancierte Vorspann wirkt nur leider spätestens dann ziemlich lächerlich, wenn die Filmhandlung mit so einem Off-Satz beginnt: „Mir hat mal jemand gesagt, Menschen, denen du dein Vertrauen schenkst, drückst du ein Schwert in die Hand, mit dem sie dich verteidigen oder vernichten können.“ Klingt nach spirituellem Tageskalender, klingt nach Whatsapp-Status einer Verlassenen, klingt zusammen mit der sphärischen Musik auch ein bisschen nach einer 14,95-Euro-CD mit Fantasiereisen. Darüber hinwegzusehen ist schon allein deshalb unmöglich, weil die Off-Stimme Julia Koschitz gehört. Und diese großartige Schauspielerin in blöden Filmen Glückskeksweisheiten sprechen zu lassen ist eine Unverschämtheit.

Dass „Vertraue mir“ ein blöder Film ist, scheint auch das ZDF gemerkt zu haben. Eigentlich sollte er im Dezember letzten Jahres laufen, doch dann hat der Sender diesen neunzigminütigen Langweiler kurzfristig aus dem Programm genommen und versendet ihn nun im Sommerloch. Für alle, die tatsächlich noch an der Handlung interessiert sind: Julia Koschitz spielt Elena Wagner, laut ZDF-Pressetext der „Shooting-Star einer Frankfurter Investmentbank“. Elena ist das, was Sprachschluderer „tough“ oder eingedeutscht „taff“ nennen würden; ein Wort übrigens, von dem Julia Koschitz im Gespräch sagt, dass es ihr außer als Zitat niemals über die Lippen kommen würde.

Business-Elena jedenfalls wird im Unternehmen plötzlich von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen, dann entdeckt sie zusammen mit ihrem Ex-Freund und Ex-Kollegen Marc (Jürgen Vogel) , dass sie die Geschäftsleitung zum Sündenbock für einen schweren Fehler machen will. Am Ende ist wie immer alles anders, Elena wurde nur einem sogenannten Stresstest ausgesetzt; der sollte ermitteln, ob sie – als erste Frau! – für eine Führungsposition in dieser großen und bestimmt auch wahnsinnig systemrelevanten Bank geeignet ist.

Das für eine Nacht im Bankenturm wiedervereinte Pärchen Elena und Marc findet bei seiner Recherche am Firmenrechner aber immerhin heraus, dass Unternehmensboss Dr. Ahrends eine Menge Dreck am Stecken hat. Die korrupte Heuschrecke wird übrigens von August Zirner verkörpert, und zwar überragend. Blasiertheit, Arroganz und leises Spiel kann im deutschen Fernsehen niemand so gut wie Zirner, und warum der mittlerweile 60-Jährige nicht irgendwann mal eine Weltkarriere gemacht hat, erschließt sich nicht ganz.

Julia Koschitz sagt, sie habe an dem Film vor allem angesprochen, dass er ein Kammerspiel sei. „Es ist spannend, dass ein Konflikt, der sich auf das ganze Leben der Protagonistin übertragen lässt, in einer Nacht ausgetragen wird.“ Damit hat sie völlig recht, genau wie der Vorspann ist auch der Handlungsrahmen von „Vertraue mir“ vielversprechend. Nachwuchs-Heuschrecke Elena muss in einer Nacht erkennen, dass ihr ungetrübter Glaube an den Kapitalismus naiv ist, dass sie der „Stresstest“ zur Probandin eines ekelhaften Menschenexperiments macht und dass sie für eine Karriere in diesem System ihre Beziehung geopfert hat.

Schade nur, dass der 29-jährige Autor John-H. Karsten seine interessante Idee zu einem Drehbuch verarbeitet hat, aus dem kein Regisseur der Welt mehr als einen miesen Film gemacht hätte. Die Handlung ist zu vorhersehbar, die Dialoge zu dürftig, die Figuren zu stereotyp, und Jürgen Vogel als Ein-Mann-Occupy-Bewegung mit seinen ständigen „Ihr da oben“-Sätzen geht einem irgendwann kollossal auf den Zeiger.

Wer am Montagabend unbedingt fernsehen möchte, sollte statt des ZDF lieber den Schwestersender 3sat einschalten. „Frankreich - Wild und Schön“ zeigt ab 20.15 Uhr, wo sich im EM-Gastgeberland Fuchs und Weinbergschnecke gute Nacht sagen. Spannung gibt es hier ebenfalls nicht - aber immerhin auch keine Glückskeksweisheiten.


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