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Tatort heute: Wir Ihr Sie Die schwul-lesbische Geschichte der „Tatort“-Kommissare


Berlin. Schwuler Sex im Berliner „Tatort: Wir – Ihr – Sie“: Wie historisch ist die erste schwule Bettszene eines „Tatort“-Kommissars wirklich? Fünf gleichgeschlechtliche Kapitel aus der „Tatort“-Geschichte.

Seit 46 Jahren läuft der „Tatort“ im Ersten, aber erst im heutigen Fall „Wir – Ihr – Sie“ zeigt die Reihe die schwule Bettszene eines Ermittlers. Aber ist Kommissar Karow wirklich der erste schwule Kommissar des Sonntagabends? Wir antworten mit fünf gleichgeschlechtlichen Kapiteln aus der „Tatort“-Geschichte. (Was taugt der heutige „Tatort: Wir – Ihr – Sie“? Zur Kritik)

„Tatort“-Kommissar Karow ist nicht schwul, sondern bi

Seit dem „Tatort: Ätzend“ ist vom ersten schwulen Kommissar der „Tatort“-Geschichte die Rede. Tatsächlich ist die Figur von Mark Waschke als erster Ermittler bi; immer wieder ist schließlich seine Affäre mit der Frau seines Kollegen Thema. Aber trotz dieser im Fernsehen noch selteneren Konstellation: Als Revolution nimmt das Team das Thema im Jahr 2016 offenbar selbst nicht mehr wahr. Darsteller und Sender halten sich mit feierlichen Auskünften zum Thema auffallend zurück. Gelungen ist die Inszenierung aber trotzdem: Karows Sexszene zu Beginn des „Tatort: Wir – Ihr – Sie“ wird elegant aus der Perspektive einer Überwachungskamera gezeigt – über deren Bilder Karows Kollegen sich das Maul zerreißen. Karow kommt dazu, und blamiert das Team mit lässiger Souveränität. Sehr schön! So sieht der Gay pride eines echten Professionals aus. (Was bisher geschah: Lesen Sie hier die Vorgeschichte des heutigen „Tatort: Wir – Ihr – Sie“)

Boerne und Thiel schwul? Wieso das Hochzeitsfoto?

Was wären sie für ein schönes Paar! So wie die Münsteraner „Tatort“-Ermittler Boerne und Thiel sich necken, müssten sie sich eigentlich auch lieben. Und tatsächlich treten sie im Fall „Erkläre Chimäre“ als Ehepaar auf – allerdings nur zum Schein. Weil Boerne sich bei einem schwulen Erbonkel aus Übersee lieb Kind machen will, photoshopt er ein Hochzeitsfoto von sich und Thiel. (Thomas Gottschalk verrät in seiner neuen Show den „Tatort“-Mörder)

Wann outet sich „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal?

Ulrike Folkerts ist lesbisch – aber egal, wie sehr die Community sich eine lesbische „Tatort“-Kommissarin wünscht: Lena Odenthal bleibt wohl ein für allemal straight. Folkerts lässt keinen Zweifel daran. Auf die Frage nach dem Zeitpunkt von Odenthals Coming-out, sagt sie: „Nie! Weil es viel zu nah an mir dran ist. Das hätte man von Anfang an machen können, aber vor 25 Jahren war es undenkbar. Jetzt mache ich es nicht mehr.“ Eine kleine Andeutung hat es zumindest mal gegeben: Im „Tatort: Fette Krieger“ hat Lena Odenthal zuerst schlechten Sex mit einem Mann – um wenig später eine junge Frau zu küssen. Nur um sich den Blicken von Dritten zu entziehen, erklärt Odenthal später, gibt aber zu, mit dem Outing ihrer Figur gespielt zu haben: „Vielleicht haben wir es insgeheim darauf angelegt, aber es war nur ein Scherz.“ (Hier geht‘s zum ganzen Interview mit Ulrike Folkerts.)

Die Schweiz ist weiter – zumindest beim gleichgeschlechtlichen „Tatort“

In Gender-Fragen ist die Schweiz nicht als Vorreiter-Staat berühmt. Im Kanton Appenzell Innerhoden durften Frauen bis 1990 noch nicht einmal wählen. Wenn es um gleichgeschlechtliche Protagonisten im „Tatort“ geht, war das Schweizer Fernsehen trotzdem schneller: Liz Ritschard (Delia Mayer), die Kollegin von Reto Flückiger (Stefan Gubser), ist lesbisch. In Dani Levys Krimi „Tatort: Schmutziger Donnerstag“ hat sie ihre erste Liebesszene mit einer Frau.

Schwuler Kommissar im Sonntagskrimi: „Polizeiruf 110“ schlägt „Tatort“

Wenn es um den ersten schwulen Ermittler-Sex im Sonntagskrimi geht, hat „Polizeiruf 110“ den „Tatort“ mit knappen Vorsprung geschlagen. In der Doppelfolge „Wendemanöver“, bei der die Kommissare aus Rostock und Magdeburg gemeinsam ermittelten, bekommt der von Sylvester Groth gespielte Jochen Drexler eine schwule Biografie. Es bleibt ein kurzes Gastspiel. Groth hat den „Polizeiruf 110“ schon wieder verlassen – nach nur fünf Fällen. Anders als im Berliner „Tatort: Wir – Ihr – Sie“ ist die Homosexualität des Kommissars unter problematisierenden Vorzeichen geschildert: Drexler stürzt in einen Loyalitätskonflikt, als ein ehemaliger Liebhaber zum Gegenstand seiner Ermittlungen wird.

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