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Lotte Reiniger im Doodle Lotte Reiniger: Warum war sie Walt Disney um Jahre voraus?

Von Daniel Benedict


Berlin. Lotte Reiniger im Doodle: Google feiert den 117. Geburtstag der Berliner Trickfilm-Pionierin, deren Kunst Walt Disney um Jahre voraus war.

Google feiert den 117. Geburtstag von Lotte Reiniger am 2. Juni 2016 mit einem Doodle. Die Berliner Trickfilm-Pionierin erfand in den Weimarer Jahren Techniken, mit denen sie einem Walt Disney um Jahre voraus sein sollte.

Wie funktionieren Lotte Reinigers Silhouettenfilme?

Lotte Reinigers Silhouettenfilme sind Stop-Trick-Animationen. Was heißt das? Reiniger legte ihre Scherenschnitte auf beleuchtete Glasplatten und machte von jeder kleinsten Bewegung ihrer Figuren ein Foto. Für eine Filmsekunde waren zur Stummfilm-Zeit 16 Einzelbilder nötig. Ihr „Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926), einer der ersten abendfüllenden Trickfilme, besteht aus 300.000 Einzelbildern. Die Arbeit daran dauert drei Jahre. (Zerg Rush, Tilt und Barrel Roll: Mit diesen Google Easter Eggs bringen Sie Ihre Kollegen zur Verzweiflung)

Lotte Reinger: Die Frau aus dem Doodle kommt Disney zuvor

Disneys heutige Bedeutung als Entertainment-Konzern strahlt auch in die Wahrnehmung der Filmgeschichte ab – sodass man beim frühen Trickfilm zuallererst an Mickey Mouse denkt. Tatsächlich war Lotte Reiniger dem Vater von Donald Duck voraus. Noch vor Disney verwendete sie eine sogenannte Multiplan-Kamera. Die Bildebenen werden bei diesem Filmtrick auf mehreren übereinander montierten Glasplatten angeordnet. Mittels Schärfe und Kamerabewegung kann hier auch bei zweidimensionalen Vorlagen der Eindruck von Raumtiefe simuliert werden. (Welche Doodles sind verboten? Die internen Regeln der Google-Spielerei)

Lotte Reiniger als Kollegin von Lang, Weill, Renoir und Visconti

Lotte Reiniger verfilmt die Mozart-Opern und Märchen der Grimms und Hans Christian Andersens; aber nicht nur ihre Stoffe gehören der Hochkultur an. Auch sie selbst ist Teil des intellektuellen Who’s Who. Fritz Lang und Georg Wilhelm Pabst setzen Reinigers Tricksequenzen in ihren eigenen Werken ein; auch Jean Renoir und Luchino Visconti arbeiten mit der Meisterin des Silhouetten-Tricks. Die Musik zu ihrem „Dr. Doolittle und seine Tiere“ (1928) stammt von Paul Dessau, Kurt Weill und Paul Hindemith. Auch Benjamin Britten gehört zu ihren Komponisten. Ein geplantes Projekt mit Bertolt Brecht kommt nach Hitlers Machtübernahme nicht mehr zustande. (Nettie Stevens im Doodle: Beim Sex gab es für sie nur X und Y)

Wie wurde Lotte Reiniger zur Trickfilm-Pionierin?

Lotte Reiniger begeistert sich schon als Schülerin für das chinesische Silhouetten-Theater und das neue Medium Kino, vor allem für den fantastischen Trickfilm eines Georges Méliès. Sie nimmt Schauspielunterricht bei Max Reinhardt und gestaltet Zwischentitel-Illustrationen für die Filme von Paul Wegener. Sein „Rattenfänger von Hameln“ (1918), zu dem Reiniger animierte Ratten beisteuert, wird zur Geburtsstunde der Trickfilm-Pionierin. (Was passiert, wenn man bei Google die Zahl 241543903 sucht?)

Wie lebte und starb Lotte Reiniger?

Lotte Reiniger wird am 2. Juni 1899 in Charlottenburg in eine bürgerliche Familie geboren. Über ihre Arbeit an Film und Theater findet sie schnell Eingang in die intellektuelle Elite der Weimarer Republik. Die Nazi-Herrschaft zwingt Reiniger auf eine Odyssee der Emigration, bei der sie ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erst nach London, dann nach Paris und Rom umziehen muss – um das Ende des Krieges in Berlin zu erleben. 1949 übersiedelt sie erneut nach London. 1963 stirbt Carl Koch, mit dem Lotte Reiniger eine 42 Jahre währende Ehe und Arbeitsgemeinschaft verband. Reiniger überlebt ihren Mann um 18 Jahre. Nach ihrem Tod am 19. Juni 1981 wird sie in seinem Urnengrab in Dettenhausen beigesetzt. (Wer hat das Finale von „Let‘s Dance 2016“ gewonnen? Zum Live-Bericht)

Gibt es die Doodle-Jubilarin Lotte Reiniger auf DVD?

Der Filmverlag absolut medien hat die verdienstvolle Aufgabe einer Edition von Lotte Reinigers filmischen Werk gleistet. Neben der Gesamtausgabe (79,90 Euro) sind Best-of-Ausgaben, Einzelfilme sowie eine Dokumentation der Filmwissenschaftlerin Susanne Marschall über Lotte Reiniger verfügbar. Hier geht es zum Lotte-Reiniger-Programm bei absolut medien.

(Quelle: wikipedia)


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