„Neid ist auch keine Lösung“ Gelungene ZDF-Komödie mit Stefanie Stappenbeck


Wer kennt das nicht - den Vergleich unter ehemaligen Schulkameraden, wer am erfolgreichsten, am glücklichsten ist? Die ZDF-Komödie „Neid ist auch keine Lösung“ spielt mit der Schere zwischen den Träumen von damals und der Routine von heute. Stefanie Stappenbeck sprach mit unserer Redaktion über ihre Rolle.

went   Osnabrück. „Wir schauen auf unsere Träume, was wir erreichen wollten, und dann schauen wir auf die Realität und stellen fest: dazwischen ist eine große Diskrepanz.“ So beschreibt Stefanie Stappenbeck das Dilemma, „in dem wir alle immer mal wieder stecken.“ Sie spielt in der ZDF-Komödie „Neid ist auch keine Lösung“ Marie, die beim 40. Geburtstag ihrer Schulfreundin Heike (Christina Hecke) plötzlich vor der Frage steht, was eigentlich aus ihren Träumen geworden ist. Denn Heike scheint das perfekte Leben zu führen: sie sieht gut aus, geht ihrem Traumberuf nach und ist mit einem Traummann (Götz Otto) verheiratet. Marie packt der Neid. „Ich finde, das Drehbuch untersucht das auf eine ganz leichte und lustige Weise,“ so Stappenbeck. „Aber diese Leichtigkeit herzustellen, ist eine große Herausforderung. Komödie erfordert Handwerk.“ Neben ihr spielt mit Matthias Koeberlin als Ehemann Martin ein Kollege, den man ähnlich selten in lustigen Filmen sieht wie Stefanie Stappenbeck.

Wider die Routine

„Ich bin sehr dankbar, dass ich mir Rollen aus unterschiedlichen Genres aussuchen kann,“ erzählt sie. Denn auch die Schauspielerei könne manchmal zum öden Routinejob werden: „Vor etwa zehn Jahren habe ich direkt hintereinander zwei Fernsehkomödien gedreht, bei denen die Drehbücher austauschbar wirkten. Die waren nach dem gleichen Muster gestrickt und ähnelten sich so sehr, da wurden nur die Berufe der Figuren vertauscht. Damals dachte ich, wenn das so weitergeht, könnte es ganz schön langweilig werden.“

So erscheint auch im Film der Arzthelferin Marie ihr ganzes Leben plötzlich – langweilig. Während in ihr alte Gefühle für Jugendschwarm Florian (ideal besetzt: Stephan Luca ) aufkommen und sie vor lauter Scham Schulfreundin Heike vorgaukelt Ärztin zu sein, entdeckt ihr Mann Martin seinen eigenen Traum vom Schriftstellerdasein wieder.

In den Traumberuf gerutscht

Obwohl es ihr „eher so passiert“ sei, ist Schauspielerin Stefanie Stappenbecks Traumberuf. „Wenn man auf der Suche nach größtmöglicher Wahrhaftigkeit ist, kann der Job auch sehr nervenaufreibend sein, aber je älter ich werde, desto mehr kann ich es genießen,“ so die 42-Jährige. „Ich habe das Gefühl, ich kann immer tiefer eintauchen und verstehe immer besser, worum es geht. Man schleppt auch weniger persönliche Konflikte mit sich herum, das macht freier fürs Spielen.“

Nicht nur das Spielen fällt ihr mittlerweile leichter – auch sich selbst im fertigen Film zu sehen. „Ich wollte anschließend immer den Beruf aufgeben und so nicht weiterleben,“ erzählt sie lachend über ihre frühere Reaktion. „Dann hat es sich gewandelt zu drei Tagen Depression, mittlerweile bin ich nur noch einen halben Tag lang verstört.“

Autoren besser behandeln

Mit ihrer Leistung in „Neid ist auch keine Lösung“ kann sie jedenfalls mehr als einen halben Tag lang zufrieden sein. Dass der Film nicht in Klamauk und Peinlichkeit abgleitet, liegt allerdings nicht nur an der Leistung des gut aufgelegten Darstellerensembles. Die Drehbuchautoren Martin Dolejs und Johann A. Bunners legen ein solides Fundament, dass nicht auf Gags abzielt, sondern auf eigentlich tragische Konflikte in und zwischen den Figuren. Auch Stefanie Stappenbeck weiß die Leistung der Drehbuchautoren zu schätzen.

„Man beklagt sich über schlechte Drehbücher in Deutschland, aber es ist hier wirklich nicht leicht als Autor, im Vergleich etwa zu den USA, wo Serienautoren die Köpfe des Ganzen sind. Autoren müssten bei uns besser bezahlt und behandelt werden und mehr Zeit bekommen.“

„Neid ist auch keine Lösung“, Donnerstag, 2. Juni, 20.15 Uhr, ZDF


0 Kommentare