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Jamala gewinnt ESC 2016 mit „1944“ ESC 2016: Ukraine schlägt Russland – Deutschland Schlusslicht

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Berlin. ESC 2016: Die Ukraine gewinnt und schlägt die Favoriten Russland und Australien beim Eurovision Song Contest 2016. Jamie-Lee Kriewitz belegt für Deutschland den letzten Platz.

Die Ukraine schlägt Russland beim ESC 2016 – mit einem Russland-kritischen Lied. Die deutsche Teilnehmerin Jamie-Lee Kriewitz geht als Schlusslicht aus dem Eurovision Song Contest hervor. (Weiterlesen: Wann Deutschland beim ESC ganz hinten landete)

Jamala gewinnt ESC 2016 mit „1944“ für die Ukraine

„Ich wünsche wirklich allen Liebe und Frieden!“ Mit Worten der Versöhnung reagiert Jamala auf ihren Sieg beim Eurovision Song Contest 2016. Mit gutem Grund. Jamala singt anhand ihrer eigenen Familiengeschichte von der Vertreibung der Krim-Tartaren: Die Urgroßmutter der Sängerin wurde 1944 auf Stalins Geheiß nach Zentralasien verschleppt; erst ein halbes Jahrhundert kehrte die Familie zurück. Weil das historische Thema sich so leicht auf den aktuellen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland projizieren lässt, wurde es vorab eigens auf seine Regelkonformität überprüft. Politische Botschaften sind beim ESC schließlich verboten – die geschichtliche Aufarbeitung des eigenen Lebens, so der finale Entschluss, ist allerdings erlaubt. (24 statt 12 Punkte – Die neuen Regeln beim Eurovision Song Contest 2016)

So spannend war Jamalas ESC-2016-Sieg über Russland

Was für ein spannendes Finish: Zum ersten Mal wurden die Punkte von Publikum und Jury beim Eurovision Song Contest separat gewertet. Nach Auswertung der Jury-Stimmen lag der ESC-Neuling Australien mit großem Abstand vor der zweitplatzierten Ukraine. Die Zuschauerstimmen haben dann aber noch einmal alles geändert. Sie werden aufsteigend vermeldet: Die Länder mit den schlechtesten Zahlen kommen zuerst dran, die besten zum Schluss. Am Ende stehen nur noch die Publikumspunkte für die Ukraine und Russland aus, sodass das Rennen auf einmal eine politische Ebene bekommt. Russland bekommt zuletzt zwar mehr Zuschauerpunkte als die Ukraine – aber nicht genug, um Jamalas Vorsprung der Jury-Wertung auszugleichen. Jamala gewinnt den ESC 2016 – im nächsten Jahr findet der Wettbewerb in der Ukraine statt. (Völkermord und Atombombe: Politische ESC-Songs, die für Skandale sorgten)

So lief die Abstimmung für die deutsche ESC-Teilnehmerin Jamie-Lee

Deutschland geht mit einem einzigen Jury-Punkt als Schlusslicht in die zweite Wertungsrunde. Und auch bei den Zuschauern gehört Jamie-Lee Kriewitz – trotz einer guten Leistung – zu den unpopulärsten Künstlern. Mit einem Jury-Punkt und 10 Punkten vom Publikum ist die Siegerin von „The Voice“ am Ende die zweite deutsche ESC-Teilnehmerin in Folge, die beim Eurovision Song Contest auf dem letzten Platz landet.

Schräge Bühnenshows, Teil 1: Kostüme von Jamie-Lee, Poli Genova und Michał Szpak

Die deutsche ESC-Teilnehmerin Jamie-Lee Kriewitz ist mit ihrem Cosplay-Look ein Hingucker, auch dank liebevoller Details wie den zitternden Applikationen am Kopfputz. Beim ESC reicht das aber noch nicht, um aufzufallen. Bunt ist hier schließlich jeder zweite Künstler. Den verkehrssichersten Auftritt legt die Bulgarin Poli Genova hin: Mit leuchtenden Schulterpolstern und Knieschonern ist sie auf der Bühne und auch auf schlecht beleuchteten Zebrastreifen allzeit gut zu erkennen. Iveta Mukuchyan setzt für Armenien auf die Erotik der Synchronschwimmer – und trägt ein Cape zum Show-Badeanzug. Nina Kraljić aus Kroatien überzeugt in einem Transformers-Kleid, dessen kunstvoll dekorierte Schutzfolie erst während des Auftritts abgerissen wird, um eine mit Metallschienen verstärkte Tüllgardine freizugeben. Die Männer tragen in diesem Jahr erstaunlich wenig zum Paradiesvogel-Image des ESC bei. Löbliche Ausnahme ist der Pole Michał Szpak, der als Dürer-Jesus im Frack eines Zirkusdirektors erscheint. Darauf einen Trommelwirbel samt Hallelujah!

Jamie-Lee Kriewitz: Wie war der deutsche ESC-2016-Auftritt?

Im aufgezeichneten Interview, das Barbara Schöneberger beim ESC-Countdown eingespielt hatte, wirkte die deutsche Teilnehmerin noch deutlich angespannt. Nach ein paar letzten Handgriffen in der Maske und einem Telefonat mit ihren Mentoren Michi Beck und Smudo macht die 18-Jährige vor dem Millionen-Publikum des ESC dann aber einen sicheren Eindruck. Ihr Song „Ghost“, der ein bisschen an die abgründigen Nummern von Lorde erinnert, harmoniert stimmungsvoll mit dem artifiziellen Märchenwald der Bühnen-Dekoration. Und wenn Jamie-Lee immer noch nervös sein sollte, wird das von der knalligen Manga-Optik ihres Kostüms geschickt kaschiert. Warum bloß hat das den Zuschauern in aller Welt so schlecht gefallen?

Tonpanne beim ESC: Peter Urban spricht durchs Telefon

Anruf aus Stockholm: Während der Punktevergabe der Jurys fehlt auf einmal die einordnende Stimme von Peter Urban. Irgendwann erklingt ein hohles Kratzen, und dann meldet der ESC-Kommentator sich wieder zu Wort. Es gab, erklärt er, eine Tonpanne, die noch nicht völlig behoben ist. Vorerst spricht er seine Worte ins Telefon – womit die schlechte Tonqualität erklärt ist. „So, ich versuch‘s mal wieder“, sagt Urban nach wenigen Minuten mit wieder glasklarer Stimme. Die Panne ist behoben.

Slow Down! Bitte nicht so hektisch beim ESC 2016

Beim ESC 2016 werden 26 Künstler so rasant durch den Abend gepeitscht, dass man kaum mitzählen kann. Und noch bevor es losgeht, überbieten sich die Musiker in atemlosen Stoßseufzern. Die Belgierin Laura Tesoro wehrt sich in der Eröffnungsnummer „What’s The Pressure“ über den scheußlichen Druck – und bedient sich in Melodie und Titelidee entspannt bei Queen. Der Niederländer Douwe Bob stimmt ihr vom dritten Starterplatz aus zu: „Slow Down“ heißt seine Country-Pop-Nummer. Und wie ernst er das meint, untermauert Douwe Bob mit einer zehnsekündigen Kunstpause mitten im Song.

Schräge Bühnenshows, Teil 2: Minus One aus Zypern

Minus One, die schweren Rocker aus Zypern, sind eigentlich eine Cover-Band. Und tatsächlich übernehmen sie jede Metal-Pose der letzten vier Jahrzehnte. Mal heult der Sänger wie ein brünstiger Wolf. Mal kippt das Bild ins Negativ wie zu den besten Zeiten von MTV. Zu allem Überfluss sperren die Musiker sich selbst in Deko-Käfige, weil sie so gefährlich sind. Ist das wirklich nötig? Wenn sie einfach zu Hause bleibe würden, wäre die Gefahr ja auch gebannt.

Justin Timberlake beim Eurovision Song Contest 2016

Es ist ein bisschen ulkig, wenn nach 26 wenig oder kaum bekannten Musikern ein Pausenfüller auf der Bühne erscheint, der Justin Timberlake heißt. Noch ulkiger ist aber die Arglosigkeit, mit der ESC-Gastgeber Måns Zelmerlöw sein Interview eröffnet: Was treibst du in der letzten Zeit denn so, fragt er den US-Star. Timberlake: „Naja, wir reisen quer durch Europa und promoten unseren neuen Film ‚Trolls‘ und meine neue Platte.“ Zelmerlöw in freudiger Überraschung: „Danke für den Film und die Platte.“ Nach dem ungezwungenen Promo-Eingeständnis der Eröffnung müsste Timberlake sich jetzt eigentlich für ein Publikum von 200 Millionen potenziellen Käufern bedanken. Stattdessen wendet er sich den nervösen 26 ESC-Teilnehmern zu, macht ihnen Mut, indem er eigene Nervosität eingesteht – und legt den lässigen Auftritt eines internationalen Show-Routiniers hin.

Duell der Favoriten: Sergey Lazarev (Russland) und Dami Im (Australien)

Die Buchmacher zählten die Musiker aus Russland und Australien zu den Favoriten des ESC 2016. Im Vergleich überzeugt Dami Im durch Minimalismus. Ihre Ballade trägt sie weitgehend auf einem Podest sitzend vor – eine Pose, die volle Konzentration auf die Musik zulässt. Und auf Dami Ims museumstaugliches Kleid natürlich. Die Pop-Nummer von Sergey Lazarev ist dagegen kaum wahrnehmbar, weil hier alle Aufmerksamkeit der Bühnenshow gilt. Lazarev hat die Idee des Vorjahressiegers Måns Zelmerlöw geklaut, mit der eigenen Videoinstallation ein Duett zu tanzen. Mit Drehungen und Treppenläufen versucht der Russe nun nach Kräften, das Vorbild zu übertrumpfen. Ein Abklatsch bleibt es trotzdem.

Schräge Bühnenshows, Teil 3: Francesca Michielin aus Italien

Zwei ihrer größten Vorbilder, verrät Francesca Michielin, sind George Harrison und Auguste Renoir – und beide haben am selben Tag Geburtstag wie sie. Für die Teletubbies gilt das nicht, weshalb sie wohl auch nicht erwähnt werden. Denn die Bühne von Michielin lässt keinen Zweifel daran, dass die Kinder-TV-Stars ihre allergrößten Helden sein müssen: Die Italienerin singt ihre Liebesballade vor einem künstlichen See, der von Blumensträußen, Luftballons, Schmetterlingen und quietschgrünen Bäumen umzingelt ist. Von dieser Bühne kriegt man Karies. Justin Timberlake im ESC-Finale 2016? Wieso denn das?

Das waren die Künstler des ESC 2016

  • 1. Belgien: Laura Tesoro - „What’s The Pressure“
  • 2. Tschechische Republik: Gabriela Gunčíková - „I Stand“
  • 3. Niederlande: Douwe Bob - „Slow Down“
  • 4. Aserbaidschan: Samra Rahimli - „Miracle“
  • 5. Ungarn: Freddie - „Pioneer“
  • 6. Italien: Francesca Michielin - „No Degree Of Separation“
  • 7. Israel: Hovi Star - „Made Of Stars“
  • 8. Bulgarien: Poli Genova - „If Love Was A Crime“
  • 9. Schweden: Frans - If I Were Sorry“
  • 10. Deutschland: Jamie-Lee - „Ghost“
  • 11. Frankreich: Amir - „J’ai cherché“
  • 12. Polen: Michał Szpak - „Colour Of Your Life“
  • 13. Australien: Dami Im - „Sound Of Silence“
  • 14. Zypern: Minus One - „Alter Ego“
  • 15. Serbien: Sanja Vučič - „Goodbye (Shelter)“
  • 16. Litauen: Donny Montell - „I’ve Been Waiting For This Night“
  • 17. Kroatien: Nina Kraljić - „Lighthouse“
  • 18. Russland: Sergey Lazarev - „You Are The Only One“
  • 19. Spanien: Barei - „Say Yay!“
  • 20. Lettland: Justs - „Heartbeat“
  • 21. Ukraine: Jamala - „1944“
  • 22. Malta: Ira Losco - „Walk On Water“
  • 23. Georgien: Young Georgian Lolitaz - „Midnight Gold“
  • 24. Österreich: Zoë - „Loin d’ici“
  • 25. Großbritannien: Joe and Jake - „You’re Not Alone“
  • 26. Armenien: Iveta Mukuchyan - „Love Wave“

(Ein paar Tops, viele Flops: Die Geschichte der deutschen ESC-Teilnehmer)


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