Spielfilm im ZDF Joachim Król spielt in „Der Bankraub“ ein Opfer der Finanzkrise

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Werner Kreye (Joachim Król, l.) und sein Anlageberater Harald Mertens (Godehard Giese, r.). Foto: ZDF/Bavaria Fernsehproduktion/Hardy SpitzWerner Kreye (Joachim Król, l.) und sein Anlageberater Harald Mertens (Godehard Giese, r.). Foto: ZDF/Bavaria Fernsehproduktion/Hardy Spitz

Osnabrück/Berlin. Die Finanzkrise von 2008 thematisiert der Film „Der Bankraub“ im ZDF. Zum hochkarätigen Ensemble gehört als einer der Hauptdarsteller Joachim Król. Er verkörpert Werner Kreye, den Banker falsch beraten und der deshalb sein Vermögen verliert.

Schlimmer noch: Kreye (Joachim Król) verliert auch seine Frau Helga (Ulrike Kriener), die an einem Herzfehler leidet und eigentlich operiert werden sollte. Für die teure OP und einen angenehmen Lebensabend war das angelegte Geld gedacht.

Und auch auf einer ganz anderen Ebene ist Werner Kreye in die Finanzkrise involviert. Sein Sohn Martin (Franz Dinda) macht in New York als Investmentbanker Karriere. Blind vor Erfolg verliert der junge Mann die Bodenhaftung und hört auf die falschen Ratgeber. Er gibt seiner Verlobten Nina Phillips (Bernadette Heerwagen) den Laufpass und lässt sich auf eine Affäre mit einer Frau von der Börse ein, die eines Abends mit Champagner vor der Tür seines teuren Appartements steht.

Das über Jahrzehnte angesparte Geld ist verloren

Das klingt ein bisschen sehr nach Klischee. Das Gute an „Bankraub“ aber ist, dass der Film es schafft, die Spiele der Strategen auf dem großen Parkett in New York über die Gespräche des Vorstands einer Bank in Deutschland und die Beratung eines Privatmannes durch einen Bankangestellten bis vor das Regal eines Supermarktes zu transportieren. Dort nämlich erzählt Werner Kreye seiner Frau fassungslos, dass das über Jahrzehnte angesparte Geld verloren ist. Wie er dabei versucht, mit Milchtüten, Käsepackungen und Joghurtbechern seiner „Maus“ die Abhängigkeiten in der Finanzbranche zu erläutern, ist rührend in der ganzen Hilflosigkeit der Szene.

Aalglatte Finanzjongleure

„Jeder Banker, der mir heute Finanzprodukte anbietet, hat es jetzt deutlich schwerer“, sagt Joachim Król beim Telefonat mit unserer Redaktion. Er sei fassungslos gewesen, als die Machenschaften hinter der Finanzkrise öffentlich wurden. Geht er denn an eine Rolle in einem solchen Film mit einem anderen Anspruch heran als beispielsweise an die Rolle eines Tatort-Kommissars? „In der Vorbereitung nicht. Das ist Handwerk“, betont der Schauspieler und ergänzt dann: „Aber wenn ich so eine Geschichte höre, interessiert mich das schon mehr als andere Stoffe.“ Dadurch sei eine andere Dimension entstanden, durch die er Lust gehabt hätte, sich inhaltlich mehr zu vertiefen. Nicht umsonst bezeichnet Król den Film als „relevantes Fernsehen“.

Die Klischees, die sich durch den Film ziehen, werden allein durch die sehr guten Schauspieler aufgehoben, mit denen auch kleinere Rollen besetzt sind. Allen voran Hanns Zischler als Banker Harald Kühnen, der stetig vor den Folgen mahnt, sich aber gegen aalglatte Finanzjongleure wie Helmut Draeger (Justus von Dohnányi) ebenso wenig durchsetzen kann, wie sein Kollege Walter von Castell (Herbert Knaup).

Godehard Giese ließ der Film nicht los

Am unteren Ende der Fahnenstange sitzt Godehard Giese als Kundenberater Harald Mertens, der Walter Kreye zu den irrwitzigen Geldanlagen rät, durch die Kreye das Vermögen seiner Familie verliert. Nachdem diese Schlüsselszene gedreht worden war, habe Godehard Giese ihn spätnachts angerufen, erzählt Joachim Król: „Ihm hing der Text so sehr nach. Dieses klebrige, eklige kreiste immer noch in seinem Kopf“, sagt Król. Es spreche für den Film, dass er die Schauspieler nicht loslasse.

Als er das erste Mal zum Dreh in die Villa gekommen sei, die im Film das Zuhause von Helmut Draeger ist, habe er Justus von Dohnányi für den wirklichen Hauseigentümer gehalten, der das Drehteam begrüßen wollte. Er habe dieses Eindimensionale von Investmentbankern perfekt verkörpert. „Diese Menschen müssen vielleicht eindimensional denken. Sie dürfen sich nicht immer hinterfragen, weil sie sonst ins Wanken geraten würden“, meint Król.

Bankenrettung im Interesse der Bürger

Hinsichtlich der Finanzkrise habe ihn am meisten die Verzahnung von Unternehmen und demokratisch gewählten Politikern beschäftigt. „Die haben uns dann doch erzählt, dass sie in unserem Interesse die Banken retten.“ Erschütternd sei, dass sich die Strukturen seither nicht aufgelöst hätten. „Das macht das Ganze so gefährlich. Wenn man jetzt auch an Panama denkt, oder an VW. Das ist ja keine temporäre Krise mehr“, meint der Schauspieler, der vermeiden möchte, durch seine Rolle im Film und die Auseinandersetzung mit dem Thema in eine Expertenrolle gehoben zu werden, denn: „Das bin ich nicht.“


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